Zwischen Prunk und Pragmatismus
Badneuheiten 2026 aus Mailand
Viele Badhersteller richten sich aktuell mit Luxuskollektionen und individualisierbaren Produkten an eine vermögende Kundschaft. Doch der Salone del Bagno und die Milan Design Week boten mehr als nur Opulenz: Neben Designanklängen an die Siebziger- und Achtzigerjahre bildete vor allem ein barrierefreier Entwurf ein echtes Highlight.
Der lederbezogene Verkaufstisch hätte bei jedem teuren Juwelier stehen können. Doch statt Colliers und Chronometern wurden dort Waschtischarmaturen vorgeführt. Der piemontesische Badhersteller Gessi hatte für seine neue Haute Culture-Linie eigens einen Showroom in Mailand eingerichtet. Dort drängten sich während der Milan Design Week die Besucher*innen zwischen Bad-Interieurs, deren Käufer*innen man – es lebe das Klischee – vorzugsweise in Osteuropa oder Asien vermuten würde.
Es gab Wasserhähne mit Bambusrelief oder mit einem lederartigen Überzug – natürlich gesteppt wie im Bentley. Ventilgriffe waren aus Kristall, Muranoglas oder Marmor gefertigt. In der rundum verglasten Dusche hätte fast ein Kleinwagen parken können. Bei Gessi versucht man so eine neue, hochsolvente Käuferschicht zu erschließen, die sich mit Premiumprodukten von der Stange nicht zufriedengibt. Für sie wird eine Art exklusives „made to measure“ für Bäder angeboten. „Individualisierung“ lautet das Stichwort. Nahezu jede Armatur und jedes Badmöbel ist in einer Vielzahl von Oberflächen, Materialien und Lacken erhältlich, jeder Unterschrank wird nach Maß gefertigt.
Mehr Raum für Wellness
Es sind gleich mehrere namhafte Hersteller, die mit neuen Produkten das Marktsegment der sehr vermögenden Kundschaft erschließen wollen. Ähnlichen Aufwand wie Gessi betrieb in Mailand der deutsche Hersteller Grohe. Das Unternehmen stellte in Brera sein Grohe Spa Aqua Sanctuary vor. Die Präsentation bestand aus drei „Refugien“: Refugium Nummer eins zierte ein filigran gestalteter Wasserbaum aus Metall. Ein in Schwarz gehaltenes Waschtischensemble mit integrierter LED-Ambientebeleuchtung war in Refugium Nummer zwei zu sehen – und eine kubische Badewanne in Marmoroptik im dritten Refugium.
Axor wurde von Hansgrohe bereits vor Jahrzehnten als Marke für den gehobenen Markt gegründet. Mit der Serie Axor MyEdition war man dort Vorreiter in Sachen Individualisierung. Die MyEdition-Armaturen sind in diversen Oberflächen-Finishes erhältlich und können mit allerlei hochpreisigen Materialien – Holz, Leder, Marmor – zusätzlich veredelt werden. Nachdem das Programm in letzter Zeit etwas in den Hintergrund getreten war, hat man es zum Messeauftritt auf dem Salone del Bagno 2026 wieder in den Mittelpunkt gestellt und fast wie eine Neuheit präsentiert.
Mit Edelsteinen besetzt und handbemalt
Bei Dornbracht heißt die neue Individualisierungsabteilung Dornbracht Atelier. Sie wurde ebenfalls in Mailand aufwendig in Szene gesetzt. Eine Schlüsselstellung nimmt dabei die auf der diesjährigen Design Week vorgestellte Armaturenserie Coya von Dornbrachts Hausdesignteam Sieger ein. Coya besitzt als Dreilocharmatur große flächige Drehgriffe, die mit farbigen Halbedelsteinen wie Sodalith, Amazonit oder Aventurin belegt werden können. Nicht ganz so individuell, irgendwo auf halber Strecke zwischen Serie und Bespoke, ist die Edition namens The Knot verortet. Bei ihr sind die regulären Coya-Griffe durch ein Gebilde in Form eines chinesischen Ruyi-Glücksknotens ersetzt. Die Zielgruppe dürfte damit klar sein. Wem das alles noch nicht individuell genug ist, der kann vielleicht Gefallen an Dornbrachts Kooperation mit den Designerinnen von Konqrit aus Buenos Aires finden, die live im Mailänder Showroom Badewannen und Waschbecken von Hand bemalt haben.
Neue Materialien für neue Märkte
Beim Schweizer Hersteller Laufen soll die Erschließung neuer Märkte im Luxussegment mithilfe des im Herbst 2023 erworbenen Unternehmens Alape gelingen. Der Hersteller von emaillierten Stahlwaschtischen wurde inzwischen in die Marke Laufen eingegliedert. In Mailand wurde nun Vitreon Stahl als zweites „Premiummaterial“ neben der dünnwandigen Saphirkeramik der Öffentlichkeit vorgestellt. Laufen bietet gleich eine ganze Reihe von Waschtischmodellen aus dem neuen Werkstoff an: Tricolor ist in drei unterschiedlich glänzenden und matten Farben gehalten. Tendo neigt sich leicht auf Nutzer*innen zu. In&Out ist halb versenkt und mit einer Steinsohle versehen.
Wem Stahl oder Keramik für sein Waschbecken zu schlicht ist, dem offerierten in diesem Jahr zahlreiche – hauptsächlich italienische – Hersteller Modelle aus edlem Marmor. Für Kreoos Neuheiten Musina und Posso hat sich Luca Nichetto von venezianischen Brunnenbecken inspirieren lassen. Bei Agape hat das im vergangenen Jahr vorgestellte Marmorbecken Sessanta einen Sockel in Form einer sich nach oben verjüngenden sechseckigen Stele erhalten. Das objektartige Carsico-Waschbecken von Paolo Ulian für Antoniolupi steht auf einem Sockel, der an arabische Muqarnas erinnert und mithilfe von großformatigen Steinbohrern hergestellt wird.
Retro-Anklänge und barrierefreies Design
Jenseits dieser Luxusprodukte und High-End-Serien gab es noch unzählige weitere Neuheiten auf dem Salone del Bagno und der Milan Design Week zu sehen. Wie auch bei den Möbeln war eine Rückkehr der Formen und Farben aus den Siebziger- und Achtzigerjahren unübersehbar. Als Beispiel sei hier Patricia Urquiolas Kollektion Balcoon für Duravit angeführt, die mit ihren warmen Brauntönen den Bezug zu den vergangenen Jahrzehnten deutlich erkennen lässt.
Doch kehren wir abschließend noch einmal zu Laufen zurück. Dort hat man neben den Bestverdiener*innen eine zweite Gruppe von Kund*innen ins Visier genommen, deren Zahl noch schneller wächst als die der Millionär*innen: die Senior*innen. Laufens Antwort heißt Par und wurde vom Meister des Avantgarde-Designs Konstantin Grcic entworfen. Das Programm besteht aus drei Waschbecken, einer Armatur, einem Griffsystem, Staumöbeln und einem kombinierten Ablage-Stuhl-Element. All das ist geschmackvoll, schlicht und funktional. So wird Älterwerden doch gleich viel attraktiver.
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