Was bleibt von einem Möbelstück, wenn man es in seine Einzelteile auflöst? USM zeigte auf der 3daysofdesign, dass Konstruktion nicht nur Technik ist, sondern auch eine räumliche Erfahrung.
In Kopenhagen präsentierte USM während der 3daysofdesign die Installation Greater than the Sum im House of Design an der Frederiksgade unweit von Schloss Amalienborg. Den Hauptteil der Installation bildete das modulare Möbelsystem USM Haller – allerdings nicht als fertig montiertes Objekt, sondern in seine Bestandteile zerlegt und räumlich inszeniert. Der Schweizer Hersteller verschob damit den Blick vom Möbel hin zur Logik seines Aufbaus.
Möbel als System
USM Haller gehört zu jenen Entwürfen, deren Wiedererkennbarkeit weniger aus einer einzelnen Form entsteht als aus einem Prinzip. Kugeln, Rohre, Verbindungselemente und Paneele bilden ein Raster, das sich zu Regalen, Sideboards, Tischen und sogar raumbildenden Strukturen zusammensetzen lässt. Die Installation griff diese Grammatik auf. Was normalerweise im fertigen Objekt verschwindet, wurde sichtbar gemacht: Verbindung, Fügung und Maßhaltigkeit. Die Einzelteile schwebten wie eine Explosionszeichnung aus Architektur oder Maschinenbau an unsichtbaren Fäden im Raum.
Beständigkeit statt Neuheit
Die Präsentation stand damit auch im Kontext des Festivalthemas Make This Moment Matter. Die Initiator*innen der 3daysofdesign beschrieben die aktuelle Ausgabe als eine Auseinandersetzung mit verantwortungsvoller, bewusster Gestaltung und der Frage, welche Bedeutung Design heute haben kann. USM reagierte darauf nicht mit einem neuen Produkt, sondern mit einer Neubetrachtung des Bestehenden.
Das ist bemerkenswert, weil Designmessen ja häufig auf Neuheiten setzen. Greater than the Sum schlägt hier eine andere Richtung ein: Die Installation macht die Qualitäten von Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Anpassungsfähigkeit sichtbar. Auch für die Innenarchitektur ist dieser Perspektivwechsel relevant. Er verdeutlicht, dass ein gutes System nicht durch maximale Formfreiheit überzeugt, sondern durch die Fähigkeit, immer wieder unterschiedliche Nutzungen aufzunehmen.
Das Detail als Entwurfshaltung
Die Installation war in abgewandelter Form auch bei der Ausstellungsplattform + other circle im Stadtteil Østerbro zu sehen. Ihre Qualität liegt darin, dass sie den Klassiker nicht museal einfriert. Sie zerlegt ihn, ohne ihn zu entwerten. Im Gegenteil: Erst die Auflösung macht verständlich, weshalb das System funktioniert. Die Verbindungskugel wird zur architektonischen Schnittstelle, das Rohr zur Linie im Raum, das Paneel zur Fläche.
Gerade für die Architektur ist diese Perspektive interessant. Sie erinnert daran, dass die Qualität eines Entwurfs oft dort beginnt, wo Gestaltung unsichtbar wird: in Konstruktion, Verbindung und Anpassungsfähigkeit.
USM
Das 1885 gegründete Familienunternehmen USM wird heute von der vierten Generation geleitet. Als Synonym für zeitloses, anpassungsfähiges Design steht USM für verlässlichste Qualität und Präzision. Flexibilität, Langlebigkeit und demzufolge auch Nachhaltigkeit sind die Grundwerte der Marke.
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