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Hat man in der Hand

Wenn der Türgriff zur Entwurfsentscheidung wird

Viele Elemente im Innenraum werden heute selbstverständlich konfiguriert. Türbeschläge hingegen erscheinen meist als fertige Produkte mit klar definiertem Erscheinungsbild. Weniger bekannt ist, dass sich auch hier mit modularen Systemen, Varianten und Kombinationen arbeiten lässt.

von Stephan Redeker, 18.05.2026

Kaum ein Bauteil im Innenraum bewegt sich so leichtfüßig zwischen technischer Normierung und gestalterischem Anspruch wie der Türbeschlag. Maße, Gebrauchskategorien und mechanische Anforderungen sind präzise definiert. Gleichzeitig gehört der Türgriff zu den wenigen Elementen, die ständig berührt werden und unmittelbar im Blickfeld liegen. Gerade deshalb beeinflusst er die Wahrnehmung eines Raums stärker, als seine geringe Größe vermuten lässt.

Vom Standard zum Gestaltungselement
Freie Konfigurierbarkeit verbindet man eher mit Leuchten, Küchen, Schalterprogrammen oder Möbelsystemen. Türbeschläge wurden lange vor allem als standardisierte Industrieprodukte verstanden: Man wählte ein Modell, eine Oberfläche und eine Funktion. Die gestalterische Entscheidung lag primär im Produkt selbst. Modulare Systeme erweitern diesen Ansatz. Sie erlauben es, Formen, Oberflächen und Details gezielt zu kombinieren und den Türgriff stärker in die räumliche Gestaltung einzubinden. Damit nähert sich der Türbeschlag anderen konfigurierbaren Elementen der Innenarchitektur an.

Gestaltung durch Kombination
Diese Idee steht im Zentrum der Studio Serie von Karcher Design. Das System versteht den Türbeschlag nicht mehr ausschließlich als fertiges Objekt, sondern als kombinierbares Gestaltungselement. Formen, Farben und Oberflächen lassen sich variieren und zu einem individuellen Beschlag zusammenstellen. Innerhalb der Serie entstehen drei Konfigurationsebenen.

Die Linie Studio Select by You folgt der Idee maximaler Konfigurierbarkeit. Architekt*innen und Innenarchitekt*innen können fünf Komponenten unabhängig voneinander wählen: Rosette, Handhabe, Endkappe, Spacer-Ringe und Abschlusskappe – jeweils in den Oberflächen Messing matt, Edelstahl matt oder Kosmos Schwarz. Für die Handhabe stehen zusätzlich vier Strukturvarianten zur Verfügung: Soft Touch, Diamond Touch, Linear Touch und Helix Touch.

Der Türgriff funktioniert hier wie ein Baukastensystem. Interessant ist dabei weniger die reine Vielfalt als die Verschiebung der gestalterischen Verantwortung: Der Entwurf endet nicht mehr vollständig beim Hersteller, sondern wird teilweise an Architekt*innen und Innenarchitekt*innen weitergegeben. Der Türbeschlag wird dadurch stärker Teil des planerischen Prozesses.

Kuration als Entwurfsleistung
Dem gegenüber steht die Linie Studio Select by Karcher. Hier bleibt die Idee der Kombination erhalten, wird jedoch kuratiert. Zwölf vorkonfigurierte Modelle bringen unterschiedliche gestalterische Charaktere mit – von zurückhaltend bis expressiver. Damit zeigt sich ein zweiter Aspekt modularer Systeme: Nicht jede theoretisch mögliche Kombination erzeugt automatisch gestalterische Qualität. Die Auswahl selbst wird zur Entwurfsleistung, bei der Karcher Design unterstützt. Material- und Farbkonstellationen erzeugen unterschiedliche Atmosphären und binden den Türgriff in verschiedene Interieurs ein.

Der Klassiker als Interpretation
Eine dritte Ebene eröffnet die Linie Studio One. Ausgangspunkt ist hier nicht die freie Konfiguration, sondern die Weiterentwicklung eines bestehenden Modells. Die Serie basiert auf dem Türgriff Rhodos, einem langjährigen Klassiker von Karcher Design, der durch eine rautenförmige Kreuzrändelung – die sogenannte Diamond-Touch-Oberfläche – in Edelstahl matt oder Kosmos Schwarz eine neue haptische Qualität erhält.

Die feine Struktur verändert, wie Licht auf den Türgriff trifft, wie er sich anfühlt und wie präzise seine Konturen wahrgenommen werden. Obwohl die Grundgeometrie gleich bleibt, wirkt das Objekt dadurch deutlich anders. Das Prinzip kennt man auch aus anderen Bereichen des Produktdesigns: Bekannte Entwürfe werden nicht vollständig neu gestaltet, sondern über Material, Oberfläche oder Detailbearbeitung weiterentwickelt.

Der Türgriff als Teil des Interieurs
Oberfläche, Form und Kombination beeinflussen, wie Räume wahrgenommen werden. Die Studio Serie zeigt, dass sich diese Überlegungen auch auf ein Element anwenden lassen, das in der Planung oft erst spät in den Blick gerät. Der Türgriff wird so vom funktionalen Detail zu einem bewusst gestaltbaren Bestandteil des Interieurs.

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Karcher Design

Über die Grenzen Europas hinaus vertreibt und entwickelt die Karcher GmbH seit 30 Jahren Türbeschläge und Accessoires aus Edelstahl mit hervorragendem technischem Know-how und ausgezeichneter Designqualität, daher konnte das Unternehmen seine Marke KARCHER DESIGN erfolgreich im Premiumsegment positionieren.

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