Ein neues Farb- und Materialsystem strukturiert die Produktwelt des Design-Objektmöbelherstellers Brunner. Inspiriert von natürlichen Referenzen folgt das gemeinsam mit der Ippolito Fleitz Group entwickelte „Brunner Design System“ einer offenen Logik, die sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Wer Objektmöbel plant, entscheidet selten nur über Form und Funktion. Mit jeder Oberfläche, jedem Stoff und jedem Beschichtungston wächst auch die Komplexität. Gerade bei Herstellern mit breitem Sortiment stellt sich deshalb die Frage, wie sich gestalterische Vielfalt so ordnen lässt, dass sie in der Planung handhabbar bleibt. Brunner begegnet dieser Herausforderung mit einem neuen Ansatz – nicht als Erweiterung eines bestehenden Farbangebots, sondern als übergeordnetes Designsystem. Statt eines klassischen Katalogs entsteht damit ein Gestaltungswerkzeug, das Farben, Materialien und Produkte in eine gemeinsame Logik überführt: das Brunner Design System.
Natur als Ordnungsprinzip
Ausgangspunkt ist eine gewachsene Vielfalt an Materialien und Oberflächen. Ziel des neuen Systems ist es, diese Vielfalt zu strukturieren, verständlich zu machen und zugleich die gestalterische Identität der Marke zu schärfen. Auffällig ist, dass Brunner die insgesamt 15 neuen Farbwelten nicht technisch oder numerisch benennt, sondern aus Naturbezügen entwickelt. Dabei fungiert die Natur nicht nur als dekorative Referenz eines Farbtons, sondern auch als strukturierendes Prinzip. Namen wie waterfall, midnight, tourmaline, olive, earth oder lava verweisen auf Materialien, Landschaften und atmosphärische Zustände.
Die Farbwelten sind so angelegt, dass sie sich in unterschiedlichen Kontexten – von Arbeitsumgebungen bis zu Hospitality-Szenarien – einsetzen lassen. „Die Palette reicht von kühlen bis zu warmen Tönen, von gedeckten Farbnuancen bis hin zu Essentials und natürlichen Materialien“, ordnet Brunner die Inspiration zur Farbauswahl ein. „Entscheidend war für uns jedoch, Farbwelten zu schaffen, die langfristig Bestand haben. Deshalb haben wir bewusst auf kurzfristige Trendfarben verzichtet und uns für eine zeitlose, wiedererkennbare Farbpalette entschieden.“
Systematik: modular, kombinierbar, erweiterbar
Im Zentrum steht eine klar definierte Systemlogik. Farben sind nicht frei auf alle Produkte übertragbar, sondern gezielt bestimmten Materialien und Anwendungen zugeordnet. Gleichzeitig sind sie so aufeinander abgestimmt, dass sie sich untereinander kombinieren lassen. Wie das funktioniert, zeigt etwa die Farbwelt olive. Der Ton ist nicht als einzelne Farbe gedacht, sondern als Teil eines Systems, das bestimmte Stimmungen verkörpert. „olive vermittelt Balance und Beständigkeit. Die Farbe fügt sich selbstverständlich in unterschiedliche Materialwelten ein und unterstützt harmonische Gesamtbilder“, heißt es dazu bei Brunner.
Konkret bedeutet das: olive kann auf unterschiedlichen Materialien eingesetzt werden – etwa als Beize oder Textil. Andere Farbtöne wie tourmaline sind noch breiter aufgestellt und stehen je nach Helligkeitsabstufung auch als Beschichtung, Kunststoff, Farblack oder Leder zur Verfügung. Je nach Material verändert sich die Wirkung, der Farbcharakter bleibt aber erhalten. Dadurch lassen sich verschiedene Produkte miteinander kombinieren, ohne dass ein uneinheitliches Gesamtbild entsteht. Das System ist dabei offen angelegt. Neue Materialien oder Produkte können ergänzt werden, ohne die Logik zu verändern. Die Darstellung erinnert an ein Periodensystem, in dem sichtbar wird, welche Farben, Materialien und Anwendungen zusammengehören.
Anwendung in der Planung
Unmittelbar anschlussfähig wird diese Logik in der Planung. Wer zwischen Kunststoffschale, Holzbeize, Beschichtung und Stoffbezug vermittelt, arbeitet häufig unter Zeitdruck und mit hoher Variantenvielfalt. Das System beschränkt sich nicht auf Farbdefinitionen, sondern umfasst eine breite Materialpalette – von Holz über Kunststoff und Metall bis hin zu Textilien und Leder. „Genau diese Materialvielfalt war ein zentraler Ausgangspunkt für das Brunner Design System. Farben wirken auf Holz, Kunststoff, Metall oder Textilien unterschiedlich.“
Das Brunner Design System setzt hier an, indem es eine strukturierte Auswahl anbietet. Entscheidungen werden dadurch schneller und konsistenter, ohne die individuelle Ausprägung eines Projekts einzuschränken. Materialboxen, Karten und Matrizen unterstützen diese Arbeitsweise. Sie zeigen, welche Farben mit welchen Materialien und Produkten kombiniert werden können und übersetzen die Systemlogik in konkrete Planungswerkzeuge.
Kooperation mit der Ippolito Fleitz Group
Die Entwicklung des Systems erfolgte in Zusammenarbeit mit der Ippolito Fleitz Group. Das Stuttgarter Büro war maßgeblich an der konzeptionellen Ausarbeitung beteiligt und hat die Systemlogik in eine gestalterische Struktur übersetzt. Dabei ging es weniger um einzelne Farbentscheidungen als vielmehr um die Entwicklung eines übergeordneten Gestaltungsrasters, das sich in unterschiedliche Maßstäbe übertragen lässt.
„Im Zentrum der Erarbeitung der Farbwelten stand ein sechs Quadratmeter großes Moodboard, ein Inspirations-Universum gefüllt mit Farb- und Materialmustern. Die einzelnen Farben wurden mit Kontext-Materialien wie Holz- und Natursteinböden, Wandfarben, Teppichen oder Vorhängen abgeglichen und ihre Wirkung in verschiedenen Lichtsituationen getestet“, beschreibt Tilla Goldberg, Studio Director Brand Spaces & Product Design bei der Ippolito Fleitz Group die Arbeitsweise. Das Ergebnis ist ein System, das auf einer klaren konzeptionellen Idee beruht: „Die einzelnen Töne harmonieren nicht nur innerhalb einer Farbwelt, sondern können auch mit allen anderen Tönen kombiniert werden – und trotzdem entsteht immer ein konsistentes Bild.“
Gestaltungswerkzeug statt Farbkollektion
Mit dem Brunner Design System reagiert Brunner auf die zunehmende Komplexität in der Innenarchitektur. Farben und Materialien werden nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Teil eines zusammenhängenden Gestaltungssystems. Das System bleibt dabei offen und entwicklungsfähig. Es strukturiert Entscheidungen, ohne sie festzuschreiben, und schafft eine gemeinsame Grundlage für unterschiedliche Anwendungen. Brunner erweitert seine Produktwelt um ein präzise definiertes Gestaltungsinstrument, das Planung und Gestaltung gleichermaßen unterstützt.
Mehr zum Brunner Design System
Brunner
Brunner lebt für Möbel, die Neues möglich machen. Das im Jahr 1977 gegründete Familienunternehmen zählt zu den führenden Objektmöbelherstellern Europas. Hauptmotivation bei Brunner früher, heute und in Zukunft: Herausforderungen suchen und passende Lösungen finden, die perfekt sitzen. So entstehen Objektmöbel von hoher ästhetischer und funktionaler Qualität, produziert "Made in Germany".
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