Menschen

Digital Detox in der Badewanne

Thilo Pahl über Titan-Stahl, Moosgrün und das Bad als analogen Rückzugsort

Einfach mal abtauchen: Thilo Pahl, CEO von Bette, spricht im Interview über das Bad als analogen Ort und über Farben, die er nie aus dem Sortiment nehmen würde.

von Judith Jenner, 05.10.2025

Seit mehr als 70 Jahren arbeitet Bette mit nur einem Werkstoff, glasiertem Titan-Stahl. Welche Besonderheiten hat dieses Material?
Es ist besonders haltbar und hat eine geschlossene glasartige Oberfläche. Dadurch lässt es sich sehr leicht reinigen. Kein Badezusatz, keine Ablagerung kann ins Material hineindiffundieren. Das gilt für den gesamten Lebenszyklus. Glasierter Titanstahl ist eine sehr robuste, dauerhaft schöne und zudem sehr hygienische Oberfläche. Auf das Material geben wir eine 30-jährige Herstellergarantie auf Fabrikations- und Konstruktionsfehler. Nach dem Saubermachen sieht sie aus wie frisch aus der Produktion. 

Welche Grenzen gibt das Material gestalterisch vor?
Zuerst einmal muss der Stahl in Form gebracht werden. Dafür muss das Material fließen können. Scharfe Kanten und Ecken können schwierig werden, da auch der tollste Stahl Grenzen in der Formgebung hat. Freischwebende Flächen sind ebenfalls eine Herausforderung. Denn wir brauchen eine Form, die die Stabilität gibt. Es liegt an uns als Produzent, gute Wege zu finden, um die Herausforderungen zu meistern. 

Wie arbeitet Bette unter diesen Voraussetzungen mit externen Designer*innen zusammen?
Als stolzer Produzent freuen wir uns immer, wenn wir Besuchern unsere Produktion zeigen können, auch unseren Designern. Allerdings versuchen wir vorher kein Limit zu setzen. Nach der Devise: Freigeist, tob dich aus und dann versuchen wir hinterher, aus deiner Idee Wirklichkeit werden zu lassen.

Gilt das auch für Sonderlösungen im Projektgeschäft?
Für uns ist das Allerschönste, wenn Endkunden mit einer besonderen Anfrage auf uns zukommen. So etwas machen wir sehr gerne, da wir eine Anforderung vom Markt spüren und wissen, das Produkt findet Verwendung. Wenn wir mit Designern arbeiten, dann entscheidet der Markt später, ob sich die Idee durchsetzt. Deshalb ist es für uns das Beste, wenn die Anforderung aus dem Projekt kommt. 

Haben Sie bereits Produkte aus Projektanfragen in die Kollektion übernommen? 
Wir haben bereits Produkte, für die es eine konkrete Marktanforderung gab, für die Kollektion weiterentwickelt. Das sind häufig die erfolgreichsten Kollektionen. Deshalb ist es für uns wichtig, oft auf Baustellen zu sein, um zu verstehen, was der Markt benötigt. Die Herausforderung besteht dann darin, dass der Vertrieb die Marktanforderungen übersetzt kriegt ins Werk.

Wie wichtig sind Bette Designtrends vor dem Hintergrund der Langlebigkeit Ihrer Produkte?
Ein sehr spitzes Design hat bei der Anmutung, beim Geschmack des Betrachters, manchmal eine kürzere Lebensdauer. Aber letztlich hat unsere Designsprache immer sehr lange Bestand. In unserer Branche ist es nicht so leicht, ein neuartiges Designprodukt schnell in den Markt zu bringen. Wir sind nicht die Fashionindustrie. Trotzdem versuchen wir in der Designsprache mit Trends zu gehen. Duschwannen sind inzwischen so flach, dass das Gefälle kaum noch sichtbar ist. Das Design nimmt sich stark zurück. Gleichzeitig greifen wir über Farben Trends auf. Auf der letzten ISH war der Grünton Salvia ein starkes Thema. Solche Farbtrends versuchen wir zu antizipieren. Gleichzeitig behalten wir die Fliesentrends im Auge, schließlich sollen die Übergänge stimmen. Mit Fliesen stehen wir im starken Wettbewerb. Wird ein Duschplatz gefliest, sind wir raus. Aus unserer Sicht bietet die geschlossene, glasartige Oberfläche im Duschbereich Vorteile bei Reinigung und Pflege. Fugen und Übergänge können je nach Ausführung zusätzlichen Reinigungsaufwand verursachen. Daher sehen wir in der Dusche immer unser Material vorne. Der notwendige Materialwechsel von der Fliese zum glasierten Titanstahl soll durch ähnliche Farbgebung dann nicht auffallen.

Gibt es Farben, die immer gehen?
Allzeitklassiker sind Bahama Beige und Moosgrün. Sie werden immer dann bestellt, wenn bei der Renovierung die Fliesen dranbleiben sollen, und dann kommt wieder eine moosgrüne Wanne rein. Diesen Farbton würden wir nie aus dem Sortiment nehmen. Denn Sanierungen sind von jeher unser Kerngeschäft. Der Neubau ist insofern wichtig, als dass es dort oft um größere Mengen geht. Denken wir an Wohnungsbaugesellschaften oder Hotels.

Seit Ende September gelten die neuen EU-Regeln für Umweltaussagen (EmpCo). Wie wirkt sich das auf die Kommunikation bei Bette aus?
Wir haben uns nie für Nachhaltigkeit engagiert, damit wir darüber reden konnten, sondern weil es wirtschaftlich sinnvoll ist. Unsere Materialien sind recyclingfähig. So kann der enthaltene Stahl nach der Nutzungsphase wieder als Sekundärrohstoff genutzt werden. Am Standort Delbrück erzeugen wir einen Teil der benötigten Energie über Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke. 

Für uns ist der effiziente Umgang mit Rohstoffen ein wichtiger Bestandteil der Produktentwicklung und Produktion. Mit großem Interesse verfolgen wir den Weg der Stahlindustrie hin zu CO₂‑freier Produktion. Wir möchten den Weg der Stahlindustrie nach unseren Möglichkeiten unterstützen, weil wir uns diesem Material maximal verbunden fühlen und es für uns auch keine echte Alternative gibt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Badens und des Bades?
Gerade in Zeiten, die immer digitaler werden, bleiben Baden, Duschen und Waschen analoge Prozesse. Mit zunehmender Technisierung und Digitalisierung wird das Bad ein bewusster Ort bleiben, an den man sich zurückziehen kann, an dem man Digital Detox betreiben, die Welt hinter sich lassen und wirklich zur Ruhe kommen kann. Wenn wir dazu beitragen können, dann ist das eine schöne Zukunftsperspektive.

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BETTE

Bette ist ein deutsches Familienunternehmen. Seit 1952 produzieren wir in Delbrück hochwertige architektonische Badelemente aus glasiertem Titan-Stahl. Bette Produkte geben größtmögliche Gestaltungsfreiheit im Bad. Exzellentes Design, einzigartige Materialqualität und extrem hohe Maßvariabilität prägen unser Angebot. Jedes Bette Badelement kann durch zusätzliche Ausstattungen oder Maßanpassungen mittels Installationszubehör individuell konfiguriert werden.

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