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„Nutzer wollen verstehen, wie Gebäude funktionieren“

Über Smart-Home-Interfaces, Türkommunikation und die Zukunft intelligenter Architektur

Von der Wohnanlage bis zum Quartier: Auf der Light + Building 2026 präsentierte Gira mehrere Neuheiten für die Gebäudeautomation. Designchef Hans-Jörg Müller spricht über aktuelle Anforderungen an Vernetzung, Nutzerführung und die Integration technischer Funktionen in zunehmend komplexen Umgebungen.

von Kathrin Spohr, 13.07.2026

Wie verändert Digitalisierung die Gestaltung von Bedienelementen insgesamt?
Sie führt zu einer Verschiebung: weniger einzelne Funktionen, mehr systemische Bedienlogik. Das bedeutet entweder Verdichtung über Displays oder bewusste Reduktion über klare, haptische Interfaces. Beides existiert parallel – je nach architektonischem Kontext.

Mit Gira G1 und Gira G1 XS entwickelt Gira das Interface für das Smart Home weiter. Was ist hier neu?
Mit dem neuen G1 vereinen wir erstmals Türkommunikation und Gebäudesystemtechnik in einem Gerät. Diese Kombination ist noch nicht selbstverständlich am Markt, obwohl sie für die Nutzung sehr zentral ist. Es geht nicht so sehr um einen komplett neuen Entwurf als um eine Weiterentwicklung. Diese liegt weniger in zusätzlichen Funktionen als in der Qualität: bessere Bild- und Audioqualität, schnellere Reaktion und eine optimierte Bedienung.

Es kommt auch in sehr großen oder komplexen Umgebungen stabil zurecht. Gerade in weitläufigen Objekten war Performance bisher oft eine Herausforderung. Etwa in Villen mit langen Leitungswegen von mehreren hundert Metern oder bei stark vernetzten Smart-Home-Installationen mit 20, 30 oder mehr Geräten.

Haben Sie ein konkretes Beispiel für das verbesserte User-Erlebnis?
Wenn es klingelt, erscheint mit dem neuen G1 im Haus sofort ein Bild. Bisher konnte das einige Sekunden dauern – insbesondere dann, wenn das Netzwerk zeitgleich stark ausgelastet war.

Die Geräte bieten eine sehr große Funktionsvielfalt in der Gebäudesystemtechnik – von Licht über Jalousien bis hin zur Heizungssteuerung.
Das Gerät kann sehr umfassend genutzt werden, muss es aber nicht. Es kann genauso gut auf einzelne Funktionen wie Lichtsteuerung reduziert werden. Ein guter Vergleich ist die Verwendung eines Computers: Er kann sehr spezialisiert oder sehr breit eingesetzt werden. Die technische Basis ermöglicht beides. Die konkrete Nutzung hängt vom Bedarf und der Konfiguration ab.

Wie verändert sich die Interaktion in komplexen Gebäuden konkret?
Intuitive Bedienung entsteht nicht durch mehr Funktionen, sondern durch Klarheit. Wir sehen eine deutliche Bewegung hin zu größeren, ruhigeren Bedienflächen und reduzierter visueller Komplexität. Technik tritt in den Hintergrund, bleibt aber leistungsfähig. Das schafft Orientierung – besonders in komplexen Gebäuden. Maximale Flexibilität im Hintergrund, aber einfache und intuitive Bedienung im Alltag.

Mit Türko IP erweitert Gira den Bereich vernetzter Zugangssysteme. Welche Rolle spielt Türkommunikation in intelligenten Gebäuden heute – und wohin entwickelt sie sich?
Türkommunikation wird zunehmend Teil der Gesamtarchitektur des Gebäudesystems. Zugang, Sicherheit und Gebäudesteuerung wachsen stärker zusammen. Entscheidend sind dabei die einfache Inbetriebnahme und die nahtlose Integration in bestehende Strukturen. Skalierbarkeit ist ebenfalls wichtig: Das Spektrum reicht von kostengünstigen Lösungen für große Wohnanlagen bis hin zu hochwertigen Systemen mit Display und erweiterten Funktionen.

Wo liegt derzeit viel Potenzial?
Vor allem in großen Gebäuden und Quartieren entstehen neue Anforderungen. Dort braucht es zentrale Kommunikations- und Steuerpunkte sowie Lösungen für komplexe Zugangsstrukturen. Entscheidend ist ein enger Austausch mit Planern und Nutzern, um diese Anforderungen frühzeitig zu verstehen. Ein Beispiel ist der Mieterwechsel: Namen an Türstationen ändern oder Geräte zurücksetzen lässt sich heute aus der Ferne erledigen. Solche Prozesse müssen effizient funktionieren, da Vor-Ort-Einsätze oft unpraktisch sind.

Welche Herausforderungen sehen Sie für den Smart-Home-Markt in den kommenden Jahren?
Mehr Einfluss als technologische Innovationen werden Faktoren wie Kostenentwicklungen nehmen. Steigende Baupreise, geopolitische Einflüsse, Embargos und auch der zunehmende Einsatz von KI in der Chipproduktion treiben die Preise für Smart-Home-Technologien weiter nach oben. Das kann dazu führen, dass konventionelle Lösungen wieder attraktiver werden.

Einen ähnlichen Effekt haben wir bereits vor einigen Jahren bei Smartphones gesehen, als die Preise deutlich gestiegen sind. Gerade im Neubau spielt das eine große Rolle: Junge Menschen überlegen sich sehr genau, ob sie 30.000 bis 40.000 Euro in ein Smart Home investieren – oder eher 10.000 Euro in eine klassische Installation.

Welche Themen werden die Entwicklung intelligenter Gebäude besonders prägen?
Zentral wird das Thema Energie sein: die intelligente Steuerung von Verbrauch, Speicherung und Erzeugung. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Transparenz und einfache Bedienbarkeit. Nutzer wollen verstehen, wie Gebäude funktionieren, ohne sich mit der technischen Komplexität auseinandersetzen zu müssen. Die eigentliche Herausforderung bleibt: maximale Komplexität im Hintergrund, maximale Klarheit in der Anwendung. UI/UX wird zunehmend Teil der gesamten architektonischen Planung.

Sind Infrastrukturen wie KNX für Planer*innen weiterhin aktuell?
Offene Standards bleiben für Planerinnen und Planer zentral. Sie sichern herstellerübergreifende Kompatibilität, reduzieren Abhängigkeiten und ermöglichen langfristig flexible Erweiterungen. KNX ist dabei weiterhin einer der wichtigsten Standards in der Gebäudeautomation in Europa und wird dank der großen Zahl kompatibler Hersteller und Produkte breit eingesetzt – im Neubau ebenso wie im Bestand.



Welche Rolle möchte Gira künftig im Zusammenspiel von Architektur, Technologie und Nutzererlebnis einnehmen?
Wir möchten einen ausgewogenen Gleichklang schaffen – zwischen Komfort, Effizienz, Transparenz im Umgang mit Daten und einem hohen Anspruch an Sicherheit, auch im digitalen Bereich. Dazu entwickeln wir Produkte, die funktional überzeugen, dabei aber unaufdringlich und wertig wirken. Im Fokus stehen eine hohe Integrationsfähigkeit in unterschiedliche architektonische Kontexte sowie eine intuitive, selbstverständlich wirkende Bedienung.

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