Zwischen Bauwende und Planungspraxis
GREENTERIOR zum zweiten Mal beim Klimafestival für die Bauwende in Berlin
Zirkuläres Bauen beginnt nicht mit dem Entwurf, sondern mit den Rahmenbedingungen. Als Interiorformat des „Klimafestivals für die Bauwende“ fragt „GREENTERIOR 2026“, wie Innenarchitektur die Bauwende gestalten kann – und wo sie an ihre Grenzen stößt.
Ob ein Innenraum zirkulär wird, entscheidet sich selten nur am Zeichentisch. Vergabeverfahren, Mietverträge, Budgets und Normen setzen den Rahmen, lange bevor der erste Strich gezogen ist. Hier setzt GREENTERIOR an, das Interiorformat innerhalb des Klimafestivals für die Bauwende, das am 18. und 19. November 2026 in der Station Berlin stattfindet. Im Mittelpunkt steht weniger das einzelne Material als vielmehr die Fragen, wie Innenarchitektur bestehende Räume transformieren kann, statt neue zu schaffen, und wie sich Kreislaufwirtschaft, CO₂-Bilanzen und adaptive Nutzung in die Planungspraxis übersetzen lassen. Rund zwanzig Aussteller zeigen Produkte und Lösungen für nachhaltige Innenräume.
Umfangreiches Bühnenprogramm
Das Programm rückt die Entscheidungen in den Blick, die dem Entwurf vorausgehen. Zum Auftakt am 18. November diskutieren Kim Le Roux von LXSY Architektur aus Berlin und Marie Persson vom gleichnamigen Kopenhagener Studio im Thementalk „Die Bauwende entscheidet sich vor dem Entwurf“, warum zirkuläres Bauen so oft an Vergabeverfahren, Mietverträgen und Budgets scheitert und wie Innenarchitekt*innen frühzeitig Einfluss auf diese Prozesse nehmen können. Deutsche und dänische Praxis treffen dabei direkt aufeinander. Die anschließende Podiumsdiskussion „Warum Räume verschwinden“ richtet den Blick auf die Lebensdauer von Arbeitswelten. Angelika Donhauser (Henning Larsen), Sabine Krumrey (brandherm + krumrey interior architecture) und Prof. Dr. Stefan Rief vom Fraunhofer IAO fragen, inwiefern ökonomische Zyklen und emotionale Bindungen darüber entscheiden, wie lange ein Büro genutzt wird, und was Planer*innen dem entgegensetzen können.
Vom Diskurs zur Praxis
Der zweite Tag gehört der Praxis. In ihrem Vortrag „Offene Ordnungen“ stellt Dr. Tanja Remke (Remke Partner) Beteiligungsprozesse als Werkzeug nachhaltiger Planung vor und plädiert für eine Prozessarchitektur, die Räume offen für künftige Nutzungen hält. Johanna Rybak von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) widmet sich im Praxis-Check „Wo ein Wille ist …“ den rechtlichen und organisatorischen Hürden, die der Wiederverwendung von Bauteilen im Weg stehen, und entwickelt gemeinsam mit dem Publikum Lösungsansätze.
Der bdia bringt zudem das im Mai im Transcript Verlag erschienene Fachbuch „Nachhaltige Innenarchitektur – Strategien für Raum, Struktur und Material“ auf die Bühne. In der Session vertiefen die Herausgeber*innen Wibke Schaeffer, Anna Tscherch und Carsten Wiewiorra die drei Leitfragen des Buchs und zeigen, wie sie sich in konkrete Strategien für zirkuläre Raumgestaltung übersetzen lassen. Kurze Project-Insights der ausstellenden Unternehmen ergänzen das Programm um Beispiele aus der Praxis.
Wo Innenarchitektur mitentscheidet
Dass Kreislaufdenken gestalterisch anspruchsvoll sein kann, haben Projekte wie das CRCLR-House von LXSY Architektur längst gezeigt. Die eigentlichen Hürden liegen aber woanders: in fehlenden Bauteildatenbanken, ungeklärten Haftungsfragen oder Normen, die auf lineares Bauen ausgelegt sind. Auch Mietverträge und wirtschaftliche Zyklen entziehen sich weitgehend dem Einfluss der Planenden.
GREENTERIOR nimmt diese Abhängigkeiten zum Ausgangspunkt und fragt, wie Innenarchitekt*innen vom Entwurf in die Moderation von Planungsprozessen wechseln können, indem sie nicht nur Räume gestalten, sondern auch die Bedingungen, unter denen diese entstehen. In den kommenden Wochen begleitet BauNetz id GREENTERIOR mit Beiträgen zu den Themen, Referent*innen und Ausstellern.
Ein kostenfreies Community-Ticket (Promo-Code DESIGN26) gibt es hier: klimafestival.heinze.de.
Weitere Beiträge zu Ausstellern und Referent*innen finden Sie in den kommenden Wochen in unserem GREENTERIOR-Dossier.
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