Zeitenwende im Stadthaus
Boutiquehotel Arthouse in Glasgow von A-nrd
Mit dem „Arthouse Glasgow“ hat im Künstlerbezirk der schottischen Metropole ein neues Hotel eröffnet, das die Geschichte eines viktorianischen Stadthauses weitererzählt. Die Innenarchitekt*innen von A-nrd setzten auf eine Mischung aus Maßanfertigungen und Vintage-Klassikern.
Gründe für einen Besuch in Glasgow gibt es genug. Die vielseitige Industriegeschichte, spannende Museen sowie eine lebendige Musikszene ziehen jedes Jahr über vier Millionen Tourist*innen an. Seit diesem Sommer haben Übernachtungsgäste ein Hotel mehr zur Auswahl. Im Künstlerviertel rund um die Bath Street eröffnete die neue Hospitality-Marke Oberland in einem viktorianischen Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert ihr erstes Hotel. Die Renovierung gaben die Hoteliers in die Hände des Architekturbüros A-nrd. Wichtig war ihnen, dass Arthouse Glasgow nicht nur ein Ort für Tourist*innen werden sollte. Das italienische Restaurant Celentano’s im Haus, das sich bereits an einem anderen Standort einen Namen gemacht hat, richtet sich auch an Bewohner*innen der Stadt.
Zwischen viel und wenig
Den Gründern von A-nrd, Alessio Nardi und Lukas Persakovas, war wichtig, das Hotel mit seinen 76 Zimmern und Suiten optisch im Umfeld der Bath Street zu verankern. Sie hatten den „imperfekten Perfektionismus“ von Künstlerwohnungen und -ateliers vor Augen. So bewegen sich die Räume zwischen reduziertem Werkstattflair und überbordender Nostalgie.
In der Lobby treffen diese beiden Seiten aufeinander. Runden Opalglas-Leuchten hat das Team von A-nrd gemeinsam mit den Designer*innen von LightsON maßgefertigte Metallschirme aufgesetzt, die ein angenehm diffuses Licht schaffen. Sie stehen symbolisch für den Erhalt historischer Elemente einerseits und moderne Interventionen andererseits. Gekonnt darauf abgestimmt sind Vintage-Sessel mit Sitzflächen aus Leder in Kombination mit Beistelltischen aus Metall des polnischen Labels NG Design. Dahinter zeugen original geflieste Wänden mit ihrer Patina von der Geschichte des Gebäudes. Minimalistische Stehpulte aus Walnussholz bilden die Rezeption. Ihnen gegenüber empfängt eine Sitzecke mit niedrigen Polstermöbeln, die von den Innenarchitekt*innen entworfen und mit einem lindgrünen Stoff von Kirkby Design bezogen wurden.
Stärken des Bestands
Nahtlos geht die Lobby in die Lounge über. Der hölzerne Dielenboden und die olivgrünen Wände geben ihr eine ruhige, wohnliche Atmosphäre. Sorgsam ausgewählte Vintage-Möbel und Teppiche gliedern den Raum in individuelle Sitzecken. Kaffeehausgardinen an den Bogenfenstern schirmen die Lounge vor Blicken von außen ab.
Zurückhaltender gestaltet ist das Restaurant Celentano’s. Seine schlichte Bistroästhetik stellt die Stärken des Bestands heraus, seien es aufgearbeitete Holzdielen, Zierleisten aus Nussbaumholz oder das freiliegende Mauerwerk. Die Wände in zartem Buttergelb und warmem Weiß sowie glasierte Fliesen nehmen sich gegenüber der von A-nrd entworfenen Bar zurück. Ihre Arbeitsplatte aus Zink entstand zusammen mit lokalen Handwerker*innen als Kontrast zu den Barhockern aus Holz von Frama. Verspielte Vintage-Leuchten an der Wand lockern die geradlinige Gestaltung auf, ohne dabei zu dominant zu wirken.
Die Gäste können bei der Buchung zwischen sechs Kategorien wählen, vom Mini-Zimmer bis zur großzügigen Suite mit Kunst aus lokalen Galerien. Ein historischer Fahrstuhl bringt sie in die oberen Stockwerke. In den Gängen setzt sich das Farbkonzept von Lobby und Restaurant fort: Helle Fliesen treffen dort auf dunkelgrüne Wände.
Originale Oberflächen, Vintage-Möbel und eigens entworfene Einbauten prägen das Arthouse Glasgow. Statt die Geschichte des Stadthauses zu überdecken, hat A-nrd sie um eine neue Schicht ergänzt.
FOTOGRAFIE Cody Bamford Cody Bamford
| Projektname | Arthouse Hotel Glasgow |
| Innenarchitektur | A-nrd |
| Ort | Glasgow, Schottland, Großbritannien |
| Fertigstellung | 2026 |
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