Vereinte Dualität
Hotel Hans in Kopenhagen von Norrøn Architects
Zwischen zwei ungleichen Vierteln Kopenhagens, Nørrebro und Frederiksberg, hat das Hotel Hans eröffnet. Norrøn Architects ist es gelungen, die Kontraste zu einem narrativen Raumsystem zu verbinden. Außerdem ergänzen nun zeitgenössische Elemente den historischen Charakter des Gebäudes.
„Das Hotel Hans liegt zwischen Nørrebro und Frederiksberg, zwei Stadtteilen mit sehr unterschiedlichen Identitäten. Statt diesen Kontrast zu glätten, wollten wir, dass das Hotel ihn widerspiegelt und zu einem architektonischen Dialog zwischen den beiden Teilen der Stadt wird“, erzählt Poul Høilund, Co-Founder von Norrøn Architects. Im Jahr 1900 entwarf der Architekt Emil Blichfeldt, bekannt für die Gestaltung des ikonischen Eingangs zum Tivoli-Park, das heute denkmalgeschützte Backsteingebäude, das Norrøn Architects in das neue Boutiquehotel transformierten.
In der Lobby empfängt die Gäste ein skulpturales, von Norrøn Architects entworfenes und vor Ort gefertigtes Eichenmöbel mit schwarz glänzendem Lack. Es dient zugleich als Sofa, Tisch und zentraler Treffpunkt. Die Wirkung der reflektierenden Oberfläche verändert sich im Laufe des Tages mit den wechselnden Lichtverhältnissen. Darüber schwebt ein fünfstöckiger Kronleuchter, der wie eine vertikale Lichtsäule das Treppenhaus erhellt.
Vom Eingangsbereich ausgehend, entfaltet sich die Erzählung zweier Stadtteile, die das Hotel Hans prägen: Der rauere Charakter von Nørrebro und die Eleganz von Frederiksberg. „Die räumliche Dramaturgie bewegt sich zwischen zwei Stimmungen. Von der eher urbanen, energiegeladenen Seite Nørrebros gelangen die Gäste allmählich in die grüne, ruhigere Atmosphäre von Frederiksberg, fast so, als würde man sich durch zwei Kapitel derselben Geschichte bewegen“, so Poul Høilund.
Beleuchtung aus Straßenlaternen
Auf der Nørrebro-Seite spiegeln graue Terrazzo-Böden und skulpturale Wandelemente aus Aluminium die Bewegungen und Farben der umliegenden Straßen wider. Maßgefertigte Leuchten von Archii, die ebenso rough wie raffiniert wirken, erinnern an Oldtimer-Scheinwerfer oder die Straßenlaternen des Viertels. Als visuelles Leitmotiv erstreckt sich das lineare Beleuchtungssystem durch das gesamte Haus – von der Lobby über das Treppenhaus bis in die Hotelzimmer.
Den Frederiksberg-Teil prägt ein Interieur, das als Erweiterung des Innenhofs gedacht ist. Ein Bodenmuster aus grünem Terrazzo verbindet optisch den Innen- und Außenbereich des Hotels. Die tiefgrüne Kassettendecke schreibt dieses Farbkonzept fort. Durch die raumhohe Verglasung und die verspiegelten Wandpaneele fällt Tageslicht bis tief in die Räume.
„Für uns bestand die größte Herausforderung darin, mit den beiden sehr unterschiedlichen Atmosphären zu arbeiten, ohne dass das Hotel fragmentiert erscheint“, sagt Poul Høilund. „Unsere Lösung sind Elemente, die sich durch das gesamte Gebäude ziehen, wie die Beleuchtung und die Materialpalette, sodass die Kontraste harmonisch verbunden und nicht getrennt wirken.“
Optische Oppositionen
In den 91 Zimmern und Suiten findet die gestalterische Dualität Ausdruck in Form von dunkelgrünen Decken und salbeifarbenen Wänden. Auf Maß gefertigte Beistelltische, Schreibtische und Schränke erinnern an die Handwerkstradition des 19. Jahrhunderts, ergänzt durch zeitgenössische Frische. Die Teppiche von Ege Carpets imitieren Sonnenstrahlen, die durch Blätter fallen. Sie greifen die Vegetation des Stadtteils Frederiksberg auf, ebenso wie das sanft geschwungene Interieur und die grünen Fliesen der Badezimmer, die als einladende, luxuriöse Rückzugsorte konzipiert sind.
Möbel von Fredericia Furniture, Carl Hansen & Søn und Møbel Copenhagen ergänzen die Maßanfertigungen in den Räumen. Das Interiordesign setzt auf eine visuelle Vielschichtigkeit, die auch in der dänischen Hauptstadt zu erleben ist. Poul Høilund sagt: „Kopenhagen hat viele schöne Designhotels, aber das Hotel Hans ist ganz spezifisch für seinen Standort. Es spiegelt zwei Seiten der Stadt gleichzeitig wider, sodass es nicht nur um das Hotelerlebnis geht, sondern auch darum, hier Kopenhagen selbst zu spüren.“
FOTOGRAFIE Ed Gumuchian Ed Gumuchian
Hotel Hans
www.brochner-hotels.comMehr Projekte
Aus finnischen Wäldern
Nachhaltiges Gebäude in Massivholzbauweise von Anttinen Oiva Architects in Helsinki
Das Haus als Feldsteinhaufen
Regenerative Architektur in Brandenburg von undjurekbrüggen
Ein mexikanisches Esszimmer
Atelier Raumfragen gestaltet das Restaurant Comedor in Berlin
Out of the Blu(e)
Interiordesign von KIDZ Studio für eine Pizzeria in Abu Dhabi
Behutsam weitergedacht
OUI verwandelt ein Pariser Lederwarengeschäft in das Café CULT
Grüner Wirbel
Matcha-Café Niko Neko von Spacemen Studio in Kuala Lumpur
Regionale Rezeptur
Umbau eines französischen Weinguts von Studio Mumbai und Studio Méditerranée
Tradition, neu interpretiert
Modernes Raumkonzept für Pfaffenhofens letzte Brauerei
Burgerbude de luxe
Stilvolle Fast-Food-Restaurants rund um den Globus
Glut und Grandezza
Rockwell Group gestaltet ein neues Steakhaus in New York
Hochburg der Gestaltung
Space Copenhagen modernisiert das Schweizer Restaurant und Hotel Schloss Schauenstein
Klare Kante
Weinbar Ernst Cave von Salem Charabi in Berlin
Revival mit Grandezza
Café Vertigo im Amsterdamer Vondelpark von Studio Modijefsky
Architektur zum Anbeissen
MoDusArchitects verwandeln das Loacker-Flaggschiff in Heinfels in eine räumliche Erlebniswelt
Transparenter Lückenfüller
OPA gestaltet das Restaurant Plumbago in Mexiko-Stadt
Gestalten im Dreieck
Multifunktionale Section80 Bar in Mailand von Studio Wok
Kraftwerk als Kulturstätte
Live-Club Barbastelle von Arnold / Werner in München
Blickfang Manhattan
Holloway Li gestalten Private-Member-Club in New York City
Café im Palazzo
Wie AMAA mit dem Caffè Nazionale den Charme des Unvollendeten feiert
Basler Bankgeheimnis
Herzog & de Meuron erfinden das Grand Hotel Les Trois Rois neu
Urbaner Abschlag
Industriell geprägter Indoor-Golfplatz Muni in Montreal von Ivy Studio
Geschichtsträchtige Oase
Parkhotel Mondschein mit Bar und Restaurant Luna in Bozen von Biquadra
Ästhetische Präzision
Restaurant Kramer in Berlin-Neukölln von Thilo Reich
Aalto forever
Fyra gestaltet den Besucherbereich der Finlandia-Halle von Alvar Aalto in Helsinki neu
Handwerk statt Hektik
Das Designstudio loeserbettels gestaltet die Nomad Bakery in Chemnitz
Genuss unter Freunden
Restaurant Ninyas in Mexiko-Stadt von Ignacio Urquiza Arquitectos
Ein Eiscafé wie ein Dessert
Das Affogato von kaviar:collaborative in Mumbai
Feuer und Fermentation
Koreanisches Restaurant Odem in Singapur von Nice Projects
Alternative zum Büro
Kafeterija in Belgrad von KIDZ
Wohnliche Aussichtstürme
Elva Hotel in Norwegen von Mange Bekker Arkitektur