Behutsam weitergedacht
OUI verwandelt ein Pariser Lederwarengeschäft in das Café CULT
Als ein Pariser Handwerksbetrieb in zentraler Lage seine Tätigkeit einstellte, übernahmen zwei befreundete Kaffee-Liebhaber*innen die Ladenfläche mit Untergeschoss. Sie eröffneten dort ihr Café CULT, das Kulinarik, Historie und Design auf selbstverständliche Weise miteinander verbindet.
Mit dem Umbau der insgesamt 80 Quadratmeter großen Räumlichkeiten beauftragten die Gründer*innen das Pariser Architektur- und Innenarchitekturbüro OUI, dessen drei Buchstaben für „Office for Urban Innovation“ und für eine konsequente Haltung stehen: Die Architekt*innen gestalten städtische Alltagsorte mit einer ausgewogenen Kombination von Historie, Funktion und Ästhetik. Auch bei der Konzeption des Pariser Coffeeshops CULT setzten sie auf behutsame Transformation statt auf radikale Eingriffe. Bestehende Elemente der ehemaligen Lederwarenboutique blieben weitgehend erhalten und wurden durch neue, funktionale Einbauten ergänzt.
Architektonisches Erbe und grafische Elemente
So erhielt die charakteristische Außenfassade mit ihrer lang gestreckten Fensterfront lediglich einen neuen Farbanstrich, während im Innenraum die originale Stuckdecke mit ihrer reichen Ornamentik sorgfältig restauriert wurde. Dieses architektonische Erbe ergänzten die Planer*innen durch mineralischen Kalkputz, der den Wänden Tiefe und eine feine Textur verleiht, sowie einen Boden aus poliertem Beton, der das Interieur ruhig und zeitgemäß erdet. Reflektierende Spiegelelemente vergrößern den Raum optisch und zitieren die Tradition Pariser Bistros, während vertikale industrielle Lichtrohre und schwebende lineare Leuchten im Innenraum mit seinen 24 Sitzplätzen eine klare, zeitgenössische Handschrift erkennen lassen.
Handwerk trifft auf kuratierte Musik
Im Mittelpunkt der Gestaltung des Café CULT steht jedoch handwerkliche Präzision. Maßgefertigte Holzbänke und Geländer sind in Zusammenarbeit mit einem Schreiner aus der Loire-Region entstanden, Tische aus gebürstetem Edelstahl, minimalistische Hocker und den Tresen hat ein Metallbauer aus der Normandie gefertigt. Die Spiegelelemente wurden von einem Pariser Glaser individuell zugeschnitten und montiert.
Im hinteren Bereich des Raums setzte das Team von OUI mit einem schwebenden Vinylregal zudem einen interessanten erzählerischen Akzent: Eine kuratierte Musikauswahl – von Fela Kuti bis Sade – unterstreicht das subtile Konzept, das sowohl Tourist*innen als auch Einheimischen einen lässigen Ort zum Verweilen bietet.
FOTOGRAFIE Yvan Moreau Yvan Moreau
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