Grüner Wirbel
Matcha-Café Niko Neko von Spacemen Studio in Kuala Lumpur
Inspiriert von der japanischen Tradition übersetzt Spacemen Studio in Kuala Lumpur das Ritual der Teezeremonie in Raum und Material. Handgefärbte Seide, gefiltertes Licht und reduzierte Möbel aus Aluminiumprofilen werden zu einem Café zwischen Labor, kulinarischem Erlebnis und kontemplativem Rückzugsort.
Wie so viele andere Dinge und Tätigkeiten ist auch das Zubereiten und Genießen von Matcha in Japan mehr als bloßes Teetrinken. Es ist eine Zeremonie, die dem Konzept des „Ichigo Ichie“ folgt, ein einzigartiger Moment, der so nie wiederkommt. Das Reinigen der Werkzeuge, das Abmessen des Pulvers, das Erhitzen des Wassers, das Schlagen mit dem Bambusbesen – all diese Schritte dienen nicht allein dem Getränk als Ergebnis, sondern zelebrieren das Dazwischen mit seinem Rhythmus, den Handgriffen und der achtsamen Ausführung.
Von diesem komplexen und philosophischen Ritual inspiriert, wurde das Matcha-Café Niko Neko in Kuala Lumpur eingerichtet. Der Shop ist Teil einer Kette, deren einzelne Filialen individuell gestaltet werden, jedoch immer einem übergeordneten Thema folgen. „Jedes Mal, wenn wir ein neues Zuhause eröffnen, geht es nicht nur darum, einen weiteren Concept-Store zu schaffen. Es ist eine Gelegenheit, unsere Identität auf eine Weise zum Ausdruck zu bringen, die sich zugleich frisch und zutiefst bedeutungsvoll anfühlt“, sagen die Gründer*innen von Niko Neko.
Indigoblau + Goldgelb = Matchagrün
In der fünften Niederlassung im Stadtteil Mont Kiara, die Spacemen Studio gestaltet hat, widmet sich das Designkonzept dem wolkigen Swirl des grünen Matchas in der Milch. Da das Café Niko Neko 50 Quadratmeter des offenen Erdgeschosses eines Bürogebäudes bespielt, erfolgt die Abgrenzung über die räumliche Inszenierung. Der Raum wird mithilfe eines minimalen Podests leicht angehoben und durch eine Deckeninstallation aus hängenden Stoffbahnen von oben wie von einem textilen Himmel eingefasst.
Der semitransparente, vanillefarbene Stoff wurde von Ummi Kalthum Junid und ihrem Label Dunia Motif in unterschiedlichen Grüntönen mit einem Dip-Dye-Effekt eingefärbt. Die Künstlerin hat sich auf Pigmente aus der Natur und das handwerkliche Arbeiten spezialisiert. „Diese Reise begann mit 450 Metern Seide: einer leeren Leinwand, die bereit war, die Farben der Natur aufzunehmen“, beschreibt sie den Prozess. Um das perfekte Matcha-Grün zu erhalten, musste der Stoff drei Tauchgänge durchlaufen: zwei in blauem Indigo und einen in goldenem Tegeranholz.
Wirbelnde Seidenwolke
Das Ergebnis changiert zwischen einem satten Waldgrün und leuchtenden Wiesennuancen und erinnert an das atmosphärische Himmelsphänomen der Aurora Borealis. Der Farbverlauf verweist auf die Transformation des Tees beim Aufschlagen, wenn das dunkelgrüne Pulver in der Flüssigkeit zu einer hellgrünen, schaumigen Suspension wird. Die Textilbahnen aus Seide laufen parallel zueinander in einer Wellenform und bewegen sich durch die Leichtigkeit des Stoffs mit den Luftströmungen im Raum.
„Wenn man unter der Seide steht, kann man beobachten, wie sie sich sanft im Wind bewegt und wirbelt. Ihre Oberfläche flüstert die Geschichte einer langsamen, sorgfältigen Verwandlung“, erklärt Junid. Gleichzeitig nimmt das unmittelbar durch die Fenster einfallende Tageslicht Einfluss auf die farbliche Wirkung des Stoffs und des Raums. Das direkte Sonnenlicht wird durch die Bahnen gefiltert und erscheint diffus. Außerdem färben die Tageszeiten das Licht mal weißblau, mal orangerot und machen die Installation so zu einem Spiegel der Wetterveränderungen.
Zeremonielles Labor
Unter dem schwebenden Textilhimmel bildet die klare und reduzierte Möblierung des Cafés einen minimalistischen Gegenpol, bei dem Handwerk und Material im Mittelpunkt stehen. Das Team von Spacemen Studio verwendete dafür vor allem mattierte Aluminiumprofile, aus denen Wandverkleidungen, Tresen, Tischchen und Bänke gefertigt wurden. Der sanfte Glanz dieses industriellen Halbzeugs erinnert an die Ausstattungselemente eines Labors und ist somit eine Referenz zur strengen, strukturellen Organisation einer Teezeremonie. Hier gilt es, sich mit konzentrierter Klarheit auf die einzelnen Schritte und ihre Ordnung zu fokussieren. Gleichzeitig steht sie im Kontrast zur tropischen Flora vor dem Fenster sowie zur unkontrollierbaren Bewegung und leisen Dynamik der schwebenden, grünen Stoffbahnen. So entsteht ein Raum der Ruhe, der den Gästen der darüber liegenden Büros und den Besucher*innen aus der Nachbarschaft neben dem kulinarischen Erlebnis auch einen kontemplativen Moment bietet.
FOTOGRAFIE David Yeow Photography David Yeow Photography
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