Ein mexikanisches Esszimmer
Atelier Raumfragen gestaltet das Restaurant Comedor in Berlin
Für ein mexikanisches Restaurant in Berlin-Charlottenburg hat Atelier Raumfragen ein Interiorkonzept entwickelt, das bewusst auf Klischees verzichtet. Stattdessen werden prägnante Facetten der vielfältigen Kultur Lateinamerikas auf zeitgemäße Weise sichtbar gemacht.
Im Jahr 2004 zog es Raúl Oliver Arriaga aus Mexiko-Stadt zunächst nach Barcelona und später nach Berlin, um sich als Küchenchef zu etablieren. Seitdem bietet er seinen Gästen „alles, was von einem guten Mexikaner erwartet wird“ – und das mit großem Erfolg: Seine kulinarischen Kreationen werden mittlerweile auch bei Empfängen der mexikanischen Botschaft in der deutschen Hauptstadt serviert.
Bei seinem jüngsten Projekt setzt Arriaga auf ein innovatives Konzept. Im Restaurant Comedor – spanisch für Esszimmer – trifft in der Berliner Kantstraße mexikanische Kochkunst auf europäische Einflüsse. Dieser weltoffene Ansatz spiegelt sich auch im Interior wider, das Sandra Bruns und Carsten Scheibe von Atelier Raumfragen gestaltet haben.
Räumliche Dramaturgie und die Kraft der Farben
Die Interiordesigner*innen nutzten den verwinkelten Grundriss des Restaurants geschickt aus, um differenzierte Zonen zu schaffen. Während der großzügige Salón de la amistad (Saal der Freundschaft) als kommunikative Begegnungsstätte fungiert, bietet die kleine Sala de los muertos (Raum der Toten) eine intime, beinahe sakrale Atmosphäre. Farbblöcke in Magenta, Blau, Orange und Cremegelb strukturieren das Raumgefüge und suggerieren gleichzeitig die Leuchtkraft Lateinamerikas, ohne in folkloristische Muster zu verfallen.
Lehmputz und hölzerne Webrahmen
Das haptische Zentrum bildet der Einsatz natürlicher Materialien. In Anlehnung an die traditionellen Lehmbauten Mexikos, die Arriaga an sein Elternhaus erinnern, erhielt der Salón de la amistad einen terrakottafarbenen Lehmputz. Dieser verleiht dem Raum eine archaische Wärme. Einen Kontrast dazu bilden die maßgefertigten Raumteiler aus geölter Kernbuche, die wie traditionelle Webrahmen mit bunten Fäden bespannt sind.
Interkontinentaler Dialog aus Textilien
Textile Werke schlagen eine Brücke zwischen der Topografie Mexikos und dem Klang der Marimba, die als Nationalinstrument des Landes gilt. Als Inspiration diente die Tonaufnahme eines Straßenmusikers aus San Cristóbal, deren Rhythmen von mexikanischen Künstlerinnen in feine, am Pedalwebstuhl gefertigte Bordüren übersetzt wurden. Ergänzt wird dieser Dialog durch eine Wandcollage der Berliner Künstlerin Karolin Reichardt, die den kulturellen Wandel thematisiert und eine symbolische Verbindung zwischen der Tradition Mexikos und der Moderne Berlins schafft.
Licht als Finish
Abgerundet wird das Konzept durch eine flexible Lichtplanung mit Leuchten von iGuzzini. Über eine Steuerung passt sich die Stimmung den Anlässen und Tageszeiten an. Indirekte Lichtquellen betonen die Kunstwerke sowie die Farbkontraste und unterstreichen die Vielschichtigkeit dieses Projekts von Atelier Raumfragen.
FOTOGRAFIE Florian Kroll
Florian Kroll
| Projektname | Comedor |
| Entwurf | Atelier Raumfragen |
| Ort | Berlin-Charlottenburg |
| Fertigstellung | 2024 |
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