Hopfen und Himmelbett
Ehemaliger Hopfenhof mit Gastwirtschaft und Fremdenzimmer wird zum Hotel
Mit dem Haus Ella hat die Innenarchitektin Heike Witzgall-Spörl einen ehemaligen Hopfenhof in der Hallertau in ein Hotel mit Gasthaus, Café und Veranstaltungsräumen verwandelt. Historische Spuren, neue Architektur und gelebte Gastlichkeit fügen sich dabei erstaunlich selbstverständlich zusammen.
Mit Hopfengärten, alten Kastanien und weitläufigen Wirtschaftshöfen erstreckt sich nördlich von München die Hallertau. Die Region steht selten im Rampenlicht. Genau diese stille Qualität machte sie für die Innenarchitektin Heike Witzgall-Spörl zum idealen Ort, um einem historischen Hopfenhof neues Leben einzuhauchen. „Die Holledau ist der stillere Teil von Oberbayern – unaufgeregt, nicht überladen und weniger frequentiert“, sagt Witzgall-Spörl. Gerade in den ehemaligen Hopfenhöfen sieht sie enormes Entwicklungspotenzial. „Diese Gebäude schlummern oft wie in einem Dornröschenschlaf. Es ist spannend, genau diese Qualitäten wieder freizulegen.“
Einer dieser Höfe steht in Au. 1905 errichtete der Hopfenbauer Xaver Mally dort einen Gasthof mit Fremdenzimmern und Festsaal. Mehr als hundert Jahre später entdeckte die Familie Haslberger das Anwesen für sich. Die Unternehmerfamilie stammt selbst aus dem Ort und erkannte die Möglichkeiten des Ensembles.
Inzwischen umfasst das Haus 43 Zimmer, Café, Gaststätte, Veranstaltungsräume und einen Biergarten unter alten Kastanien. Auffällig ist vor allem, wie nah die neue Nutzung an der ursprünglichen geblieben ist. „Feiern, essen, übernachten, zusammenkommen, Gemeinschaft erleben – das alles hat hier schon immer stattgefunden“, sagt Witzgall-Spörl.
Fenster in die Vergangenheit
Die Anlage besteht aus einem denkmalgeschützten Haupthaus, einem ehemaligen Saalbau und einem Neubau. Dessen gestalterischer Entwurf stammt ebenfalls von Heike Witzgall-Spörl, während die Gebäudegrundstruktur vom Ingenieurbüro Huber aus Mainburg geplant wurde. Statt die Geschichte des Orts zu überdecken, machte die Innenarchitektin die historischen Spuren im Bestand sichtbar. Beim Rückbau kamen historischer Putz, alte Fliesenbeläge und zahlreiche handwerkliche Details zum Vorschein. Vieles davon blieb erhalten. Die freigelegten Wandflächen wirken wie abstrakte Kompositionen aus unterschiedlichen Zeiten.
Die Bauherrin restaurierte gemeinsam mit ihrer Tochter historische Gasthausstühle und legte nach dem Entfernen alter Tapeten darunter liegende Putzschichten frei. Selbst alte Hopfensäcke vom Dachboden erhielten ein zweites Leben und dienen nun als Rollos in Schränken und Einbaumöbeln. Auch die frühere Eigentümerin wurde in den Prozess eingebunden. Als Nachfahrin von Xaver Mally verfolgte sie die Transformation ihres einstigen Familienbesitzes mit gemischten Gefühlen. Schließlich stellte sie historische Fotografien aus ihrem Archiv zur Verfügung, die heute Teil der Neugestaltung sind.
Regionales als Referenz
Die charakteristischen Hopfenstangen der Gegend finden sich als abstrahierte Motive in Geländern des Hauses wieder. Auch die Farbigkeit hat ihren Ursprung in der Landschaft. Viele Wandtöne greifen die warmen Terrakotta-Nuancen der Hallertauer Böden auf. Die Materialpalette hält die unterschiedlichen Gebäudeteile gestalterisch zusammen.
Wirtshaus bleibt Wirtshaus
Eine zentrale Rolle im Gesamtprojekt spielt das Erdgeschoss des denkmalgeschützten Hauses. Dort befand sich schon immer das Gasthaus – und es blieb bewusst ein Gasthaus. Alte Holzstühle treffen auf Industrieleuchten, historische Fotografien und sanfte Farbtöne. Statt inszenierter Landhausromantik entstand ein Ort, der zugleich vertraut und zeitgemäß wirkt. „Ich habe versucht, den alten Charme des Hauses zu erhalten“, erzählt Witzgall-Spörl. Obwohl heute deutlich anspruchsvoller gekocht werde als früher, werde das Restaurant weiterhin von der Bevölkerung angenommen. Die Idee des Hauses als Ort der Begegnung reicht jedoch weit über die Gaststube hinaus: Im Saal und den Veranstaltungsräumen finden mittlerweile Geburtstagsfeiern, Seminare, Yogakurse und Konzerte statt.
Sanfte Töne, starke Atmosphäre
Der behutsame Umgang mit Bestand und Material prägt auch die Gästezimmer. Geölte Hölzer, Kalkputze, natürliche Stoffe und warme Sand- und Erdtöne prägen das Interior. Maßgefertigte Himmelbetten setzen einen klaren Akzent in den ansonsten zurückhaltend gestalteten Zimmern. Mehrere Räume und der große Saal verfügen über ein Klavier. Musik gehört ebenso selbstverständlich zum Haus wie Gastlichkeit und Gemeinschaft. Man merkt: Im Hotel Haus Ella stehen Vergangenheit und Gegenwart nicht im Gegensatz zueinander, sondern ergänzen sich harmonisch.
FOTOGRAFIE Jonathan Sage Jonathan Sage
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