Latex und Bauhaus
Boutiquehotel The Dean in Berlin von Rachael Gowdridge
Muster von Anni Albers, Furniere von Ettore Sottsass, viel Kunst, Patina und frische Backwaren: Im neuen Hotel The Dean Berlin bringt Rachael Gowdridges Designkonzept Rauheit mit Raffinesse in Einklang. Das Interior ist ein eklektischer Mix aus all dem, was die deutsche Hauptstadt liebenswert macht.
Vielschichtig, einladend, überraschend: In Charlottenburg hat die neue Lifestyle-Herberge The Dean Berlin eröffnet. Unweit vom Ku'damm verwandelte die Londoner Interiordesignerin Rachael Gowdridge ein Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert in eine Unterkunft mit zahlreichen Berlin-Referenzen. Schon zuvor fungierte das Haus als ein Hotel mit sehr kompakten und ungewöhnlich proportionierten Räumen. „Wir wollten die Grundrisse nicht korrigieren sondern sahen die Gegebenheiten als Chance, daraus ein individuelles Design zu entwickeln“, sagt Rachael Gowdridge.
In der Lobby duftet es nach den Backwaren des Cafés Benedict, das täglich frische Brote, Brioches und Croissants für das Frühstück aus dem Ofen zaubert. Gegenüber befinden sich das dazugehörige Restaurant und eine Bar. Zwischen den Food-Zonen sind die Rezeption und eine Lounge-Bibliothek untergebracht, in der ein Regal mit ikonischem Ettore-Sottsass-Furnier, zeitgenössische Möbel und Vintage-Stücke für das Flair eines privaten Wohnzimmers sorgen.
Kontrast und Spannung
Viele ihrer gestalterischen Entscheidungen traf die Designerin direkt vor Ort. „Dieser praxisorientierte Prozess, quasi mit dem Hammer in der Hand, ist der Grund dafür, dass die Architektur die Formensprache bestimmt“, erzählt Gowdridge. Wo es möglich war, ließ sie originale, freigelegte Oberflächen bestehen, um die Geschichte des Gebäudes zu zeigen. Patina und Unvollkommenheiten bilden so einen spannungsvollen Gegensatz zu klaren, zeitgenössischen Eingriffen.
Ein wichtiges Gestaltungselement ist die Palette aus satten Tönen und neutralen Nuancen. „Die Farben sind von der Architektur Charlottenburgs inspiriert. Sie sollen eine individuelle Atmosphäre, Kontrastmomente und Übergänge im gesamten Hotel schaffen“, erklärt Gowdridge. Der edle, tiefe Rotton der Lobby findet sich in den Vorräumen der Zimmer wieder und schafft dort einen sanften Übergang vom Öffentlichen zum Privaten. Der Holzboden am Zimmereingang dient als Schwelle, dahinter erstreckt sich Teppich.
Spielerische Momente
Getäfelte Wände in Mauve-Tönen und raumhohe Vorhänge machen die Zimmer gemütlich. Ein Hingucker sind die im Kopfteil des Betts eingearbeiteten Muster der Bauhaus-Künstlerin Anni Albers. „Mit den Textilien wollten wir Textur und Tiefe erzeugen. Die strukturierten, ausdrucksstarken Webarbeiten von Anni Albers passten zum übergeordneten Konzept der Spannung im Projekt und beeinflussten die Auswahl der Stoffe in den Räumen“, sagt die Designerin.
Auffällig ist auch die Silhouette der maßgefertigten Deckenleuchten, die auf den ersten Blick aus zartem Porzellan gefertigt zu sein scheinen. Bei näherer Betrachtung offenbart sich jedoch Latex als Obermaterial. Für Rachael Gowdridge ist das ein subtiler Hauch von Unkonventionalität und eine Anspielung auf Berlins Nachtkultur. Mit dem diversen Mix aus Vintage-Möbeln und der umfangreichen Kunstsammlung nimmt sie ebenfalls Bezug auf Berlins kreatives, avantgardistisches Image.
Selbstbewusst, aber zurückhaltend
Vorhandenes wiederzuverwenden, Möbel neu zu beziehen, Vintage-Stücke umzugestalten und natürliche, langlebige Materialien aus Europa zu nutzen, zeigt Gowdridges Bestreben nach Nachhaltigkeit. Sie fasst zusammen: „Bei diesem Hotel geht es um Kontraste, um Zurückhaltung und Momente des Innehaltens. Wir wollten das typische anonyme Hotelgefühl vermeiden und Räume schaffen, die Fragen aufwerfen. Die Größe vom The Dean gab uns die Freiheit zum Experimentieren.“
FOTOGRAFIE Dean Hearne Dean Hearne
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