Zwischen Blüte und Disco
Tatjana von Stein gestaltet das Münchener Hotel The Dean
Jugendstil und das Nachtleben der Achtzigerjahre: Die Interiordesignerin Tatjana von Stein verbindet im neuen „The Dean“-Hotel in München zwei überraschende Kapitel der Stadtgeschichte. Samt, florale Muster und geschwungene Formen treffen auf Lack, Metall und den coolen Glamour eines Clubs.
Im neuen Hotel The Dean in München setzt Tatjana von Stein auf die Spannung zwischen Elementen aus dem Jugendstil und der Achtzigerjahre-Clubkultur. Das Ergebnis wirkt weder nostalgisch noch geschniegelt. Gerade die Gegensätze geben den Räumen ihre Energie. Warme Terrakotta-, Orange-, Gelb- und Ockertöne treffen auf schwarze Möbel, kühle Metallverkleidungen und glatte Oberflächen. Samtige Polster und florale Teppiche bringen Weichheit in die Räume, während dunkle Tische und Metall für eine kühlere, clubartige Note sorgen. Dazwischen tauchen geschwungene Leuchten und verspielte Formen auf.
Eine persönliche Verbindung zu München
Tatjana von Stein, die seit 2016 ein Studio in London betreibt, ist in München aufgewachsen. Sie hat deshalb eine besondere Verbindung zur bayerischen Metropole, die sich auch in ihrem Hotelprojekt widerspiegelt. „München ist eine Stadt mit einer tief verwurzelten Geschichte, die sich zugleich immer wieder neu erfindet“, sagt sie. „Diese Spannung zwischen Eleganz und Überschwang wollte ich einfangen und sie zum Leitmotiv für jede Oberfläche, jedes Objekt und jede gestalterische Geste machen.“ Dazu gehört auch der Blick auf eine Seite Münchens, die im Stadtbild weniger präsent ist: „Die reiche Musik- und Kulturszene, die den Charakter der Stadt auf subtile Weise prägt.“
Samt, Lack und geschwungene Formen
Diese Idee zieht sich durch die Gestaltung des gesamten Hotels. Maßgefertigte Möbel von Tatjana von Stein stehen neben Vintage-Stücken und Leuchten der Kölner Designerin Hannah Kuhlmann. In der Lobby treffen cremefarbene Lack- und silberne Metallwände auf orangefarbenen Samt und kelchförmige Applikationen. Die Hotelzimmer schlagen dagegen einen ruhigeren Ton an: Sanfte Grüntöne, subtile Jugendstil-Anklänge und haptische Details bilden einen Rückzugsort abseits der expressiven öffentlichen Räume.
Ein Ort, an den man gehört
Noch deutlicher übersetzt von Stein ihre Idee im Ibasho, dem japanischen Restaurant des Hotels. Rosafarbene Verner-Panton-Stühle gruppieren sich um eine rot marmorierte Bar, darüber liegt eine schwarze Spiegeldecke. In tiefergelegten Sitznischen kann man auf ockerfarbenen Samtsofas Platz nehmen. Glaselemente und gerahmte Blickachsen spielen mit Offenheit und Privatsphäre. Das Menü verantwortet der Küchenchef Alex Craciun, der unter anderem in den Drei-Sterne-Restaurants Kikunoi und RyuGin in Japan gearbeitet hat. Im Mittelpunkt stehen saisonale Produkte, Sushi, Sashimi und Gerichte vom Robata-Grill. Dazu kommt eine umfangreiche Auswahl an Sake.
Kunst aus der Stadt
Zum Interior kommt ein eigenes Kunstprogramm. Unter dem Titel The City Beneath the City hat Christian Ganzenberg, Kurator und Direktor des Kunstfestivals Various Others, zeitgenössische Positionen aus München für das Hotel ausgewählt. Beteiligt sind unter anderem Ju Young Kim, Veronika Hilger, Jieun Park, Sebastian Quast und Künstler*innen des Der Greif Studio. Auch die versteckt gelegene Bar Noren folgt dem Gedanken des Verborgenen: Die „Listening-Speakeasy-Bar“ ist nur auf Einladung zugänglich und hat eine „No-Phone-Policy“. Sie ist als intimer Rückzugsort innerhalb des Hotels gedacht. So erzählt The Dean Munich weniger von einem historischen München als von unterschiedlichen Versionen der Stadt: vom ornamentalen Jugendstil bis zur Clubkultur der Achtziger. Gerade die Lust am Kontrast macht daraus ein Interior, das gleichzeitig gemütlich, verspielt und ziemlich cool wirkt.
FOTOGRAFIE Dean Hearne Dean Hearne
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