Zwischen Bestand und Neuanfang
Depo gestaltet die Buchhandlung SENS in Kiew
In der Innenstadt von Kiew haben die Architekt*innen des Büros Depo die klassische Buchhandlung neu gedacht: Sie verwandelten ein schlichtes Verwaltungsgebäude in einen facettenreichen Bookshop und integrierten dabei die architektonische Vergangenheit der Immobilie in ihr innovatives Konzept.
Wer die Buchhandlung SENS in der belebten Khreshchatyk-Straße – der Prachtmeile von Kiew – betritt, spürt sofort den Dialog zwischen verschiedenen Zeitepochen. Statt den originalen Baustil des ehemaligen Verwaltungsgebäudes aus den Fünfzigerjahren hinter modernen Wandverkleidungen zu verstecken, machte das Team des ortsansässigen Architekturbüros Depo die bestehenden Strukturen zum sichtbaren Bestandteil des Entwurfs: Die Planer*innen kombinierten Betonelemente, Mauerwerk und freigelegte Tragstrukturen der zweistöckigen Immobilie mit einer reduzierten Materialpalette aus warmem Sperrholz, gezielt gesetzten Farbakzenten und einem stimmungsvollen Lichtkonzept.
Platz für Bücher, Kultur und Freizeit
Das Projekt sollte jedoch nicht nur die größte Buchhandlung der Ukraine beherbergen, sondern auch Raum für Freizeitaktivitäten bieten. Dafür gestaltete Depo die beiden Etagen mit offenen Grundrissen und einer flexiblen Zonierung, die auf insgesamt 1.446 Quadratmetern zum Flanieren und Verweilen einlädt.
Einladendes Erdgeschoss
Zugänglich ist das SENS über zwei Eingänge, die direkt von der stets gut besuchten Khreshchatyk-Straße ins Erdgeschoss des Geschäfts führen. Dort laden deckenhohe Bücherregale zum Stöbern ein und führen unmittelbar in das Café der Buchhandlung. Für Kinder gestalteten die Planer*innen einen separaten Bereich mit organischen Formen und leuchtenden Farben, während Lesenischen den Besucher*innen mehrere Rückzugsorte innerhalb des offenen Grundrisses bieten.
Struktur im Zwischenraum
Über das Erdgeschoss erstreckt sich eine Mezzaninebene, die das Raumvolumen nicht nur visuell unterteilt, sondern zusätzliche Nutzfläche schafft: Auf dem Zwischengeschoss befinden sich Büros und Besprechungsräume für die Mitarbeitenden des modernen Bookshops.
Das Obergeschoss konzipierten die Architekt*innen wiederum als wandelbaren Veranstaltungsraum, der sich dank mobiler Trennwände in kürzester Zeit an unterschiedliche Veranstaltungsformate wie Podiumsdiskussionen, Lesungen oder Workshops anpassen lässt. Für das Catering oder für Erfrischungen bei längeren Veranstaltungen gibt es dort zudem einen Barbereich.
Flexible Räume, fixe Ankerpunkte
Trotz der fließenden Grenzen und flexiblen Nutzung prägen auch maßgefertigte Einbauten den Entwurf: Während ein maßgeschneidertes Leitsystem mit Lichtboxen für Orientierung in den weitläufigen Räumlichkeiten sorgt, verleiht ein gelber Harzboden dem Interior eine prägnante Identität. Zudem sind die Bücherregale, die Kassentische, der Café-Tresen und die in die Fensternischen integrierten Sitzbänke eigens entworfene Bestandteile des Interieurs.
Poesie als Verkaufsschlager
Neben einer sorgfältig zusammengestellten Auswahl an internationalen Büchern sowie dem Anspruch, einen attraktiven Treffpunkt zum kulturellen Austausch und zum entspannten Verweilen zu schaffen, möchte der Betreiber mit dem SENS auch verstärkt die ukrainische Literatur fördern. Dieses Konzept scheint aufzugehen: Mitarbeitenden zufolge gehören zu den Bestsellern der Buchhandlung ukrainische Gedichtsammlungen, die ausschließlich im SENS erhältlich sind.
FOTOGRAFIE Andriy Bezuglov Andriy Bezuglov
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