Projekte

Viktorianische Zeitkapsel

The Randolph Hotel von Upperworth Studios und SHH in Oxford

Hotellegenden leben länger. Die vornehmste Adresse in Oxford trägt den Namen The Randolph. Nach mehrmonatiger Umgestaltung durch die Innenarchitekten von Upperworth Studios und SHH erstrahlt das viktorianische Haus in neuem Glanz. Vor allem die Bäder lohnen einen genaueren Blick.

von Norman Kietzmann, 26.10.2022

Absolvent*innen verbindet ein lebenslanges Band mit ihrer Universität. Umso mehr, wenn diese einen klangvollen Namen hat. Nicht nur frühere Student*innen kehren von Zeit zu Zeit an jenen Ort zurück, an dem ihre Karriere begann. Auch Eltern statten ihren Sprösslingen während der Studienjahre immer wieder einen Besuch ab. Dass sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln lässt, zeigt die 2014 gegründete Kette Graduate Hotels. Sie unterhält mittlerweile 30 Häuser in den USA und zwei in England, die sich jeweils in der Nähe berühmter Bildungseinrichtungen befinden. Deren Stil und Charakter soll sich in der Inneneinrichtung widerspiegeln. Schließlich wollen sich die Heimkehrer*innen sogleich wie zu Hause fühlen.


Haus mit Geschichte
In Oxford dürfte dies mit Leichtigkeit gelingen. Denn mit The Randolph Hotel ist eine der berühmtesten Adressen der Stadt gerade neu aktiviert worden. Das 1866 im neugotischen Stil errichtete Haus in der Beaumont Street (Ecke Magdalen Street) gewann nach einem Besuch von Kronprinz Albert und Prinzessin Alexandra rasch an Popularität und wurde zum gesellschaftlichen Treffpunkt für Gäste und Bewohner*innen der Stadt. 1894 wurde der Aufzug eröffnet. 1899 kam ein Ball­saal hinzu, in den Zwanzigerjahren der Ladies’ Coffee Room, eine Raucherlounge und ein Billardzimmer. 2015 wurde das Hotel durch einen Brand beschädigt. Der Auslöser ging ebenso durch die Presse wie das Feuer selbst: Ein in der Küche zubereitetes Bœuf Stroganoff soll angeblich mit zu viel Cognac flambiert worden sein. Das Hotel eröffnete nur wenige Tage später wieder, wobei das betreffende Gericht zuvor von der Karte genommen wurde. Doch ein umfassender Umbau blieb unausweichlich.

Viktorianische Farben
Nach einer sechsmonatigen Renovierung ist The Randolph Anfang 2022 neu eröffnet worden. Die Umgestaltung der 141 Zimmer und zehn Suiten oblag der Innenarchitektin Karen van Eeden, Gründerin des Innenarchitekturbüros Upperworth Studios mit Dependancen im englischen Derbyshire sowie in Berlin. Das übliche Einerlei aus neutralen Beigetönen – wie in vielen Fünf-Sterne-Hotels der letzten Jahre – ist hier nicht zu befürchten. Eine Palette von gedeckteren, viktorianischen Farben entführt in die frühe Glanzzeit des Hotels, darunter ein schwelgerisches Salbeigrün, ein dunkles Burgund oder ein munteres Marineblau. Florale Muster bevölkern Teppiche, Tapeten, Polsterstoffe und Vorhänge. Die Zimmer gehobener Kategorie warten mit gemütlichen Sitzecken und teils mit Himmelbetten auf. Sämtliche Suiten verfügen über einen abgetrennten Wohnbereich mit Schlafsofa.

Duschwannen aus Titan-Stahl
Einen besonderen Blick lohnen die Bäder. „Sie wurden mit Walk-in-Duschen anstelle von Badewannen mit Dusche ausgestattet“, erklärt Karen van Eeden. Hierbei kamen Duschwannen aus der Serie BetteUltra von Bette zum Einsatz. „Obwohl wir standardisierte Größen bevorzugen, war es hilfreich, dass die Bette-Duschwannen in vielen verschiedenen Größen erhältlich sind, die zu jedem Raumtyp passen“, so die Innenarchitektin weiter. Monotonie ist also nicht zu befürchten. Die Duschwannen finden in vierzehn verschiedenen Zuschnitten Verwendung, um sie maßgenau in die historisch gewachsenen Grundrisse des Hotels einzufügen. Mit dem Programm können Formate von 700 mal 700 Millimeter bis 2000 mal 1600 Millimeter abgedeckt werden. Die Materialität von glasiertem Titan-Stahl ist pflegeleicht und langlebig – Qualitäten, die im laufenden Hotelbetrieb von nachhaltiger Wirkung sind. Unterhalb der Wannenkörper platzierte Matten dämmen den Schall, sodass keine störenden Geräusche in die Nachbarzimmer dringen. Eine rutschhemmende Oberfläche sorgt für Sicherheit beim Gehen und Stehen in der Dusche.

Dinieren im Wunderland
Das gesamte Erdgeschoss wurde vom Londoner Interiordesign-Büro SHH umgestaltet. Ein über der Rezeption eingezogenes Vordach wurde entfernt, um den Blick auf das vierstöckige Haupttreppenhaus freizulegen, wo dreißig freihängende  Wappenbanner die verschiedenen Colleges in Oxford symbolisieren. Im The Alice Dining Room dominieren vier lange, rosafarbene Bänke, die von Holzstühlen mit grünen Sitzpolstern flankiert werden. Die großformatigen Kassetten der Holzdecke sind mit einer floralen Tapete bezogen, deren blauer Untergrund mit jenen Sesseln korrespondiert, die an den Längsseiten des Raumes platziert sind.

An den Wänden hängen elf Gemälde der englischen Künstlerin Amy Wiggin mit Motiven aus dem Buch Alice im Wunderland, dessen Autor, Lewis Carroll, ebenfalls in Oxford studiert hatte. Ein bogenförmiger Durchgang führt hinüber zur Alice Bar mit einem Tresen aus Carrara-Marmor und roten Polsterhockern. Die Flaschen stehen auf einem filigranen Regal, hinter dem sich zwei raumhoch eingebaute Bücherschränke erheben. Die berühmte Morse Bar – benannt nach der britischen TV-Serie Inspector Morse (1987-2000), die mehrfach im und am Hotel spielte – blieb hingegen fast unangetastet. Schließlich wird in der Nachfolgeserie Lewis bis heute weiter in der berühmten Bar ermittelt.

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BETTE

Bette ist ein deutsches Familienunternehmen. Seit 1952 produzieren wir in Delbrück hochwertige architektonische Badelemente aus rein natürlichem glasiertem Titan-Stahl. Bette Produkte geben größtmögliche Gestaltungsfreiheit im Bad. Exzellentes Design, einzigartige Materialqualität und extrem hohe Maßvariabilität prägen unser Angebot. Jedes Bette Badelement kann durch zusätzliche Ausstattungen oder Maßanpassungen mittels Installationszubehör individuell konfiguriert werden.

Zum Showroom

The Randolph Hotel

www.graduatehotels.com

Projektarchitekten Zimmer und Suiten

Upperworth Studios

www.upperworthstudios.com

Projektarchitekten Restaurants und Bars

SHH

www.shh.co.uk

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