Was macht einen Ort gastfreundlich? Nicht nur Hotels und Restaurants, sondern auch Health Resorts und Pflegeeinrichtungen nutzen Hospitality heute als Gestaltungsprinzip. Vier Projekte von Vitra und Artek zeigen, wie Möbel, Materialien und räumliche Organisation Orientierung, Komfort und Identität schaffen.
Noch bevor ein Gespräch beginnt, entscheidet der Raum darüber, ob Menschen sich willkommen fühlen. Licht, Materialien, Gerüche und Möbel vermitteln in wenigen Augenblicken, ob ein Ort zum Verweilen einlädt oder kühl und distanziert wirkt. Für diese Qualität hat sich der Begriff Hospitality etabliert. Ursprünglich stammt er aus der Hotellerie und bedeutet wortwörtlich „Gastfreundschaft“.
„Räume kommunizieren permanent mit uns, auch ohne Worte“, sagt Corina Meroth, Director Hospitality beim Schweizer Designmöbelhersteller Vitra. Entscheidend sei nicht allein die ästhetische Wirkung, sondern eine Gestaltung, die intuitiv funktioniert und unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt. Wie sich dieser Anspruch umsetzen lässt, zeigen Projekte von Vitra und Artek aus Health, Care und Gastronomie.
Ruhe als Teil der Architektur
Im Lanserhof Sylt verschmelzen Architektur, Gesundheit und Interior zu einem Gesamtkonzept. Das von ingenhoven associates entworfene Health Resort versteht Regeneration nicht allein als medizinische Leistung, sondern als räumliches Erlebnis: Große Verglasungen öffnen den Blick in die Dünenlandschaft, natürliche Materialien und eine reduzierte Formensprache sorgen für ein harmonisches Gesamtbild.
Die Möblierung unterstützt diesen Ansatz mit gemütlichen Sitzgelegenheiten und klar definierten Rückzugsorten. „In einem Umfeld wie dem Lanserhof müssen Möbel höchste Anforderungen an Komfort, Ergonomie und Langlebigkeit erfüllen und gleichzeitig eine ruhige, leichte Atmosphäre schaffen“, so Meroth. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Funktion und Ästhetik.
Gastlichkeit im Care-Bereich
Dass Hospitality-Prinzipien auch im Care-Bereich an Bedeutung gewinnen, zeigt illerSENIO. Die Einrichtung für ältere Menschen versteht sich nicht als klassische Pflegeinstitution, sondern als Lebensraum: Aufenthaltsbereiche fördern Austausch, Rückzugsmöglichkeiten sichern Privatsphäre und die Möbel orientieren sich stärker am Charakter eines Wohnhauses als an einer institutionellen Umgebung.
Hier wird deutlich, dass Gastlichkeit nicht vom Anlass eines Aufenthalts abhängt. Vielmehr entsteht sie dort, wo Räume Orientierung, Sicherheit und Selbstbestimmung fördern. Angesichts des demografischen Wandels gehe es zunehmend darum, Lebensräume statt Pflegeeinrichtungen zu gestalten, sagt Meroth: Design müsse „Sicherheit vermitteln, ohne fürsorglich zu wirken, und Geborgenheit bieten, ohne an Eigenständigkeit einzubüßen“.
Bühne für die Kulinarik
Im Düsseldorfer Restaurant La Vie werden die Vitra-Möbel Teil einer präzise komponierten räumlichen Dramaturgie. Das von Kitzig Design Studios gestaltete Interior lebt von markanten Materialien und Natursteinobjekten. Die Sitzmöbel treten dagegen bewusst zurück und schaffen eine Bühne für Architektur und Kulinarik.
Herzstück ist die Vitra-Stuhlfamilie Mikado von Edward Barber und Jay Osgerby. Die erstmals in Barhöhe realisierte Ausführung des Produkts ergänzt die Stühle, Lounge-Sessel und Tische zu einem durchgängigen Konzept. „Die Einrichtung des La Vie folgt der Handschrift der Küche: präzise, klar und sinnlich“, beschreibt Meroth den Ansatz. Mikado funktioniere dabei wie eine „Leinwand“, die die Wirkung der Materialien unterstreiche, statt mit ihnen zu konkurrieren.
Unterschiedliche Charaktere
Hospitality folgt keiner einheitlichen Designsprache. Das Restaurant Müllers auf Norderney zeigt, wie unterschiedlich diese aussehen kann. Dort prägen die warmen Holzoberflächen und das indirekte Licht von Artek-Produkten den Gastraum. Möbel und Leuchten verleihen dem Restaurant eine zurückhaltende, nordisch inspirierte Atmosphäre, die den Charakter des Ortes unterstreicht, ohne sich aufzudrängen.
Für Meroth liegt darin die Stärke des Portfolios: Unterschiedliche Hospitality-Konzepte verlangen nach eigenen gestalterischen Antworten. Während Vitra ein heterogenes Produktportfolio aus Klassikern von beispielsweise Charles und Ray Eames, Jean Prouvé oder Verner Panton und aus Entwürfen zeitgenössischer Designer*innen pflegt, eröffnet Artek mit nordischer Formensprache und Materialität andere Möglichkeiten, die Identität eines Ortes zu betonen.
Langfristig denken
Neben Atmosphäre und Komfort gewinnt die Lebensdauer der Ausstattung in Hospitality-Projekten an Bedeutung. Hotels, Restaurants und öffentliche Einrichtungen nutzen Möbel intensiv. Entsprechend wichtig sind belastbare Materialien, Reparierbarkeit und die Möglichkeit zur Wiederaufbereitung.Für Planer*innen wird damit die Lebenszyklusbetrachtung ebenso wichtig wie Anschaffungskosten und ästhetische Fragen. Kreislauffähige Lösungen und Angebote wie „Vitra Circle for Contract“ reagieren auf die wachsende Nachfrage nach langlebigen, wiederverwendbaren Einrichtungskonzepten.
Vitra
Zum ShowroomMehr Stories
Die unsichtbare Seite des Arbeitsplatzes
Fellowes vereint technische Infrastruktur zu einem System
Schwebende Ordnung
USM zerlegt in Kopenhagen seinen Designklassiker
Inseln im Großraumbüro
Wie Office Pods den Rückzug neu organisieren
Kostbarer Platz
Wie Unternehmen ihre Büroflächen besser nutzen können
Komfort mit Kontur
Wie Brunner mit ray executive den Konferenzsessel weiterdenkt
Hat man in der Hand
Wenn der Türgriff zur Entwurfsentscheidung wird
Gedächtnis der Materialien
Ausstellung über Stahl und Transformation von Wilkhahn
Farben als System
Brunner entwickelt modulares Farb- und Designkonzept
Oberfläche mit Haltung
Mosaik als Entwurfsmaterial
Erst Mensch, dann Fläche
Neustart für Activity Based Working
Bunt und metallisch
JUNG kooperiert mit Melon Breakers und DORNBRACHT
Textile Architektur
Bodenbeläge im Objektbereich als strategisches Gestaltungselement
Vom Möbel zur Infrastruktur
Warum das flexible Büro oft scheitert
Talentwettbewerb in der Arbeitswelt
Warum Büroplanung zum strategischen Erfolgsfaktor wird
Wenn Möbel wachsen lernen
Myzel im Interior zwischen Hightech und Handwerk – Teil 2
Möbel à la carte
Myzel im Interior zwischen Hightech und Handwerk - Teil 1
Im Kreis gedacht
Strategien für lang lebende Möbel bei Brunner
GREENTERIOR
Auftakt für das Sonderformat von BauNetz id beim Klimafestival in Berlin
Bereit für eine neue Arbeitswelt
String Furniture bringt System in die Bürogestaltung
Projekte mit Impact
Zirkuläre Konzepte für moderne Arbeitswelten von Fenyx
Von der Bank zum Baukasten
COR erweitert die Möbelfamilie Mell von Jehs+Laub
Flexibles Arbeiten
Leitfaden für eine zeitgemäße Bürogestaltung von Hushoffice
Zukunftsorientierte Gestaltung
Wie Brunner gutes Design mit verantwortungsvollem Handeln verbindet
Von rau bis hedonistisch
Wie verändert die Kreislaufwirtschaft das Interiordesign?
Neue Impulse setzen
DOMOTEX 2026 präsentiert sich mit erweitertem Konzept
Nachhaltig und komfortabel
Mit einem archetypischen Bürostuhl revolutioniert Wilkhahn das ergonomische Sitzen
Büro im Kreis gedacht
WINIs nachhaltige Möbelstrategie am Beispiel einer Spanplatte
Zwei Marken, eine Mission
Wie Fellowes und Filex den Arbeitsplatz von morgen neu denken
Analog sitzen, virtuell denken
Wie Interstuhl seine Designkompetenz ins Digitale erweitert
Wilkhahn Refurbishment
Ein zweites Leben für besondere Modus-Drehsessel