Vom Bürostuhl zum CO2-Speicher
Wie Vepa Hanf, Bioharz und Biokohlenstoff in die Serienfertigung bringt
Partner: Vepa the furniture factory
Der „Hemp Carbon“-Stuhl von Vepa kombiniert Hanffasern, Bioharz und Kohlenstoff aus recyceltem Holz. Er ist damit nicht nur ein Sitzmöbel, sondern auch ein Beispiel dafür, wie nachwachsende und wiederverwertete Rohstoffe zu einem neuen Materialkonzept verbunden werden können.
Alle reden über Carbon Capture, also Verfahren, die CO₂ aus Industrieabgasen oder direkt aus der Luft abscheiden und speichern. Der niederländische Möbelhersteller Vepa verfolgt mit seinem Bürostuhl Hemp Carbon einen etwas anderen Ansatz: Die Sitzschale kombiniert Hanffasern, biobasiertes Harz und Biokohlenstoff. Was der Hanf während seines Wachstums an CO₂ aufnimmt, bleibt als Kohlenstoff im Material gebunden. Der zugesetzte Biokohlenstoff verleiht der Schale ihre markante anthrazitfarbene Optik.
Hanf und Harz als Möbel
Die Entwicklung des Modells knüpft an frühere Materialexperimente des Unternehmens an. „Die Entwicklung geht auf unseren ersten Hanfstuhl zurück. Wir kennen Hanf in Holland sehr gut“, sagt Gertjan de Kam, Design- und Development-Manager bei Vepa. „Früher wurden aus den Fasern der Stängel Seile hergestellt – etwa für Segeltücher. Hanf ist leicht anzubauen, er wächst in unserer Umgebung, und das sehr schnell. Trotzdem wird viel davon nicht mehrverwendet, besonders die Fasern, die bei der Kosmetikproduktion als Restmaterial übrigbleiben. Das fanden wir interessant. Um daraus etwas herzustellen, brauchte es jedoch ein biologisches Harz.“ Das verwendete Harz basiert auf einem Reststoff der Zuckerrübe und wurde ursprünglich an der Universität Amsterdam entdeckt. Heute wird das Material vom Start-up Plantics vermarktet. Bei Vepa werden die Fasermatten mit diesem biologischen Harz imprägniert, gepresst und erhitzt.
Der gebackene Stuhl
Dass sich aus diesem Ansatz überhaupt ein Serienprodukt entwickeln ließ, erforderte nicht nur Materialforschung, sondern auch neue Produktionswege. Für die Verarbeitung musste Vepa eigens neue Maschinen entwickeln, weil sich die Hanf-Harz-Mischung nicht mit den für konventionelle Sitzschalen üblichen Verfahren verarbeiten ließ. Stattdessen wird die Sitzschale aus Hanf nun gewissermaßen „gebacken“. Dahinter steht ein langfristiger Entwicklungsprozess, der nur mit Partnern und einem klaren gemeinsamen Anspruch an Skalierbarkeit und praktische Anwendbarkeit umzusetzen war.
Tatsächlich ist der Hemp Carbon nicht der erste Schritt in diese Richtung. „Das erste Produkt, das wir auf diese Weise hergestellt haben, war unser Stuhl Hemp Fine und später der Hemp Fine Coffee mit Jutesäcken, die bei der Verarbeitung importierter Kaffeebohnen in den Niederlanden zurückbleiben. Jedes der Sitzmöbel war ein Unikat. Ganz neu in der Kollektion ist jetzt der Hemp Carbon“, sagt de Kam.
Biokohlenstoff als neue Zutat
Neu am Hemp Carbon ist vor allem die zusätzliche Verwendung von Biokohlenstoff, der neben Hanffasern und biobasiertem Harz als weiterer kohlenstoffhaltiger Bestandteil in die Sitzschale einfließt. Er gibt dem Stuhl nicht nur seinen Namen, sondern prägt auch sein Erscheinungsbild: Die anthrazitfarbene Optik hebt das Modell von den eher naturbelassen wirkenden Vorgängern ab und unterstreicht Vepas Anspruch, Materialinnovation und Gestaltung enger zu verbinden.
Auch hinsichtlich der Funktionalität ist der Stuhl für ein breites Anwendungsspektrum konzipiert. Er ist in drei Höhen erhältlich – als klassischer, bequemer Stuhl und als Barhocker in zwei Höhen – und eignet sich somit für verschiedene Büro- und Kommunikationssituationen. „Er sitzt sich in allen Varianten gut und ist daher auch äußerst flexibel einsetzbar, ob in Besprechungsgräumen, im Homeoffice oder in sozialen Meeting-Areas. Auch eine Reihenbestuhlung ist möglich. Er ist stapelbar und dank des Stahlrahmens ist der Hemp Carbon sehr robust“, sagt de Kam.
Gemütliche Gezelligheid
Inhaltlich fügt sich das Modell in eine Entwicklung ein, die Vepa seit Jahren verfolgt: Der Hersteller möchte Möbel nachhaltiger, kreislauffähiger und zugleich wohnlicher gestalten. Gerade in den Niederlanden ist der Gedanke eines auf Aufenthaltsqualität ausgerichteten Büros, das sogar Gemütlichkeit vermitteln soll, fest verankert. Dafür gibt es auch ein spezielles Wort: gezelligheid. Ähnlich wie das dänische hygge vermittelt gezelligheid Farbe, Fröhlichkeit und Komfort. Diese Haltung prägt auch das Verständnis von Arbeitsplatzgestaltung bei Vepa. Ziel ist es, Räume zu schaffen, in die Menschen gern zurückkehren. De Kam beschreibt diesen Ansatz auch als Teil der Unternehmenskultur: „Viele Menschen arbeiten bereits seit Jahrzehnten in unserem Familienunternehmen. Wer gern zur Arbeit kommt, ist produktiver.“
Farbe und Vielfalt
Innerhalb der Kollektion positioniert Vepa den Hemp Carbon als Teil eines abgestimmten Sortiments aus langlebigen Basics und eigenständigeren Produkten. „Was alle gemeinsam haben: Sie sind zirkulär und werden in Holland produziert. Wir haben von uns aus sehr viele Farben und Materialien im Sortiment und beides aufeinander abgestimmt“, erzählt de Kam.
Er betont die gestalterische Offenheit und das Angebot individueller Farbkonzepte bei Vepa. Das Unternehmen ziele damit auf eine große Planungsfreiheit ab, die sich sowohl an Architekt*innen als auch an Endkund*innen richte.
Flexible Zukunft
Für die Zukunft sieht de Kam vor allem Potenzial in größerer Flexibilität. „Wir haben diese Standards in der Büromöbelindustrie, dabei könnten wir mit unseren Maschinen in Holland jedes denkbare Maß herstellen und damit auch ungewöhnlicheren Grundrissen gerecht werden. Darüber hinaus arbeiten wir natürlich ständig an neuen Materialien und Produkten. Das liegt in unserer DNA“, sagt er.
Vepa the furniture factory
Vepa the furniture factory verbindet Dutch Design mit echter Verantwortung. Als Vorreiter im Bereich Kreislaufwirtschaft setzen wir auf innovative und nachhaltige Büromöbel. Durch markenunabhängige Refurbishment-Konzepte verlängern wir Produktlebenszyklen und schaffen inspirierende Arbeitswelten.
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