Recycelte Materialien tragen oft sichtbare Spuren ihrer Herkunft. „Cura Loop“ von Gabriel geht einen anderen Weg: Der Möbelstoff besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Polyester aus Textilabfällen und orientiert sich bei Konstruktion, Spezifikationen und Optik am etablierten Stoff „Cura“. Gabriel präsentiert sein Sortiment bei GREENTERIOR am 18. und 19. November in Berlin.
Die Grundlage für Cura Loop bildet Cura, ein Bezugsstoff, den Gabriel seit Jahren im Sortiment führt. Cura besteht aus recyceltem Polyester aus gebrauchten Plastikflaschen, Cura Loop ersetzt diesen Rohstoff durch Textilabfälle. Konstruktion, Gewicht und visuellen Charakter teilen beide Stoffe, ebenso die Farbpalette. Die von dem Designer Cenk Kivrikoglu entwickelten Farben reichen von hellen Neutral- und Naturtönen über Grün bis zu gedecktem Rot und tiefem Blau.
Für Projekte, in denen Cura bereits vorgesehen ist, ergibt sich damit eine naheliegende Alternative: Cura Loop übernimmt die gestalterische Anmutung des bekannten Stoffs, verändert aber die Herkunft des Materials.
Vom Textilabfall zur Faser
Verarbeitet werden polyesterreiche Textilabfälle – sowohl Produktionsreste als auch bereits genutzte Textilien. In einem Aufbereitungsprozess werden sie in ihre Grundbausteine zerlegt, woraus eine neue Faser entsteht. Die genaue Technologie legt der Hersteller nicht offen. Gabriel beschreibt den Prozess als Teil seiner Recyclingstrategie Gabriel Loop, unter der seit 2023 verschiedene Wege für die Verarbeitung von Textilabfällen gebündelt werden. Dabei kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.
Cura Loop entsteht aus Textilabfällen anderer Herkunft, die chemisch recycelt werden. Weitere Loop-Produkte verarbeitet Gabriel thermomechanisch aus selbst gesammelten Abfällen. Der gemeinsame Ansatz: Aus gebrauchten oder anfallenden Textilresten soll wieder Rohstoff für neue Produkte werden.
Eine Oberfläche für den Alltag
Optisch unterscheidet sich Cura Loop nicht grundsätzlich von einem konventionellen Möbelstoff. In die verschiedenen Farbtöne sind schwarze Fasern eingearbeitet. Die daraus entstehende Melange gibt der Oberfläche Tiefe und hilft laut Gabriel dabei, Schmutz und Gebrauchsspuren weniger auffällig erscheinen zu lassen.
Im Objektbereich ist das mehr als eine gestalterische Frage. Je weniger Gebrauchsspuren unmittelbar zum Austausch eines Bezugs führen, desto länger kann ein Möbel genutzt werden. Der Bezugsstoff ist für eine intensive Beanspruchung ausgelegt und erreicht 100.000 Scheuertouren nach Martindale. Gabriel gibt zudem zehn Jahre Garantie gegen Durchscheuern.
Nach Angaben des Herstellers ist Cura Loop bei 60 °C waschbar und beständig gegen chlorhaltige Reinigung. Für den Brandschutz erfüllt er unter anderem EN 1021-1/-2 sowie DIN EN 13501-1 B-s1,d0 – ohne Flammschutzmittel. Dazu kommen das EU Ecolabel und die Zertifizierung nach OEKO-TEX Standard 100.
Wenn aus Textil wieder Textil wird
Die Besonderheit des neuen Möbelstoffs liegt damit weniger in einer auffälligen Recyclingästhetik als in seinem Rohmaterial. Statt den Recyclinganteil über eine sichtbare Materialstruktur zu kommunizieren, übernimmt der Stoff die vertraute Optik eines bestehenden Produkts.
Laut Gabriel ist Cura Loop auf einen weiteren Materialkreislauf ausgelegt: Verschnittreste, die während der Verarbeitung beim Möbelhersteller anfallen, können über den Ressourcenkreislauf zurückgeführt und zu neuen Garnen verarbeitet werden. Beschrieben wird damit ein kreislauffähiger Ansatz, bei dem textile Reststoffe wieder als Ausgangsmaterial für neue Produkte dienen können.
Der Bezugsstoff macht diesen Anspruch nicht über seine Oberfläche sichtbar. Die Geschichte des Materials liegt dort, wo man sie beim ersten Kontakt mit dem Stoff nicht vermutet: in seiner Zusammensetzung. Secondhand steckt hier im Rohstoff statt in der Oberfläche.
GREENTERIOR findet am 18. und 19. November 2026 im Rahmen des Klimafestivals für die Bauwende in der Station Berlin statt. Programm und Anmeldung unter klimafestival.heinze.de. Weitere Beiträge zu Ausstellern und Referent*innen finden Sie in unserem GREENTERIOR-Dossier.
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