Lass mal connecten!
Neue Arbeitswelten auf der Orgatec 2026, neue Designorte in Köln
Das Büro wird zum Treffpunkt: Auf der Orgatec 2026 rückten flexible, wohnliche Raumkonzepte in den Vordergrund, die Austausch ermöglichen und sich wechselnden Nutzungen anpassen. Nach der Messe ging es in Köln weiter: Ein neues Stadtprogramm brachte Design an ungewöhnliche Orte.
Das erstmals eingeführte Leitthema der Orgatec „From Rooms to Relationships: Designing Spaces in an Ever-Changing World“ war an vielen Ständen zu sehen: Aussteller präsentierten farbenfrohe, teils spielerische Arbeitslandschaften statt starrer Büroeinrichtungen.
Die internationale Leitmesse, die vom 27. bis 30. Oktober stattfand, präsentierte sich deutlich kompakter als noch 2024: Mit 550 Ausstellern gegenüber 729 vor zwei Jahren und gut 40.000 Fachbesucher*innen statt rund 50.000 verzeichnete sie einen spürbaren Rückgang, in dem sich auch die anhaltend schwierige Marktlage der Branche widerspiegelte. Vor Ort war davon allerdings kaum etwas zu spüren: Gut besuchte Messehallen, reger Betrieb in der benachbarten Design Post und positive Rückmeldungen von Ausstellern sprachen für die Bedeutung des persönlichen Austauschs. Die neue Hallenstruktur trennte Workspace Solutions von Contract Solutions und das „Wherever Whenever – Work Culture Festival“ bot Raum für Vorträge, Diskussionen sowie Workshops zur Zukunft der Arbeit.
Zurück ins Büro
Seit Jahren nähern sich Wohn- und Arbeitswelten einander an – ein Trend, der die diesjährige Orgatec deutlicher denn je prägte. Weiche Polsterlandschaften, textile Oberflächen, Teppiche und intensive Farben zeigten, wie weit sich das Büro von seiner einstigen Nüchternheit entfernt hat. Vor allem Beerentöne schienen geradezu plakativ zu verkünden: Das Büro soll wärmer, sinnlicher und wohnlicher werden. Statt bloß Arbeitsplatz zu sein, soll es zum sozialen Treffpunkt werden, einer Art Dritter Ort. Nachdem sich das Homeoffice etabliert hat, ist die Botschaft ebenso eindeutig wie verlockend: Kommt zurück ins Büro!
Ruhe, bitte
Doch Wohnlichkeit allein reicht nicht aus. Wer im Homeoffice konzentriert und ungestört arbeiten kann, erwartet entsprechende Bedingungen auch im Büro. In offenen Arbeitslandschaften wird damit Akustik zum Balanceakt: Räume sollen Austausch ermöglichen, ohne konzentrierte Arbeit oder vertrauliche Gespräche zu stören.
Als Wandverkleidung, Trennwand, Vorhang, Leuchte oder Möbel: Die Orgatec 2026 zeigte, wie vielfältig sich schallabsorbierende Textilien und Elemente in die Raumgestaltung integrieren lassen. Häufig aus PET-Filz oder anderen recycelten Materialien gefertigt, werden Akustiklösungen zunehmend von Beginn an als Teil der Architektur mitgedacht.
Akustik als Gestaltungsmittel
Wie Akustik zum architektonischen Erlebnis werden kann, demonstrierte Slalom Acoustic Systems. Der von Ippolito Fleitz Group inszenierte Messestand bestand vollständig aus akustisch wirksamen Textilien und Elementen, deren unterschiedliche Farben, Oberflächen und Strukturen eine markante Raumlandschaft entstehen ließen. Einen anderen Ansatz verfolgten JAB Anstoetz und ERCO mit ihrer neuen Kooperation: Akustisch wirksame Deckenpaneele werden mit einem flexiblen Lichtschienensystem kombiniert. So lassen sich technische Installationen kaschieren und Beleuchtungslösungen an veränderte Raumstrukturen anpassen, ohne jedes Mal baulich in die Decke eingreifen zu müssen.
Adaptive Möbel
Warum getrennte Konferenz- und Arbeitstische einplanen, wenn ein Möbel beide Funktionen übernehmen kann? Auf der Orgatec zeigten sich Tische und Stühle als Alleskönner. Große Konferenztische lassen sich mithilfe magnetisch befestigter akustischer Trennelemente im Handumdrehen in Einzelarbeitsplätze verwandeln. Umgekehrt können einzelne Arbeitstische zu größeren Tischlandschaften kombiniert werden. Neue Mechaniken ermöglichen zudem eine schnelle Anpassung der Tischhöhe. Auch Bürostühle lassen sich differenzierter auf individuelle Sitzpositionen einstellen. Aus dem klassischen Büromöbel wird ein flexibles Werkzeug für Arbeitsumgebungen, die sich immer wieder wandeln.
Möbel als offene Systeme
Neben der funktionalen Anpassungsfähigkeit rückte auch die konstruktive Flexibilität in den Fokus. Im Zuge wachsender Anforderungen an die Kreislauffähigkeit fielen vermehrt Möbel auf, deren modulare Struktur den Austausch einzelner Komponenten erleichtert. Dazu gehörten Sitzelemente, die ohne Verklebungen auskommen und deren Bestandteile sich leichter austauschen lassen (Bene), ebenso wie Arbeitsstühle, die ganz auf klassische Schaumstoffpolsterungen verzichten (Klöber). Modularität wird damit nicht nur zur Antwort auf wechselnde Nutzungen, sondern auch zur Voraussetzung für längere Produktlebenszyklen: Entscheidend ist, wie sich Möbel verändern, reparieren und weiterverwenden lassen.
Außerhalb der Messe
Die parallel stattfindenden interior design days (idd cologne) und das neue Festival Design Season Cologne erweiterten das thematische Spektrum um das private Wohnen und machten Köln für einige Tage zu einer stadtweiten Bühne für Interiordesign. Der traditionsreichen Design Post gegenüber dem Messegelände kam dabei eine Doppelrolle zu: Sie war sowohl als zusätzlicher Ausstellungsstandort in die Orgatec als auch in die idd cologne eingebunden. Rund 40 internationale Marken, darunter Arper, Arco, &Tradition, Wagner Living oder Carl Hansen & Søn, präsentierten dort ihre aktuellen Produkte und Konzepte. Der permanente Markenshowroom läuft zum Jahresende jedoch aus. Ab 2027 übernimmt die Koelnmesse das denkmalgeschützte Gebäude für temporäre Veranstaltungen.
Prototypen und Gestaltungskulturen
Vielerorts standen grundlegende Fragen der Gestaltung und der Kreislauffähigkeit im Mittelpunkt. Wie wird aus einer Idee ein Produkt? Im Machwerkhaus Köln, einem historischen Fabrikareal in Köln-Kalk, machte der Designer Thomas Schnur unter dem Titel „Prototyp“ seine Gestaltungsprozesse sichtbar. Im Mittelpunkt stand weniger das fertige Produkt als vielmehr der Weg dorthin. Ebenfalls im Machwerkhaus erörterte die Ausstellung „Built to Last: Positionen für eine neue Gestaltungskultur“, wie Produkte, Materialien und Bausysteme dauerhaft Wert behalten und Teil geschlossener Kreisläufe werden können. Beteiligt waren unter anderem ag Licht x Trilux, Buschfeld, Gira, Loehr, Wilkhahn und Tecta, begleitet von zahlreichen Fachvorträgen. Kuratiert und gestaltet wurde die Ausstellung von Tobias Groß, der die unterschiedlichen Positionen in einer rosaroten Ausstellungsarchitektur zusammenführte.
Zirkularität und Autorendesign
Wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis aussehen kann, war auch bei CircBuild in Köln-Ehrenfeld erlebbar. Dort lud designdirektive, ein auf zirkuläres Design, Rückbau und Wiederverwendung spezialisiertes Kölner Büro, in seinen Firmensitz ein – einen denkmalgeschützten Bau der 1950er-Jahre. Gemeinsam mit Partnern inszenierte das Büro Räume, die, ergänzt um Workshops und Vorträge, zum Austausch über den Umgang mit Bestand, Materialien und Ressourcen einluden. Auch in Köln-Sülz öffnete sich ein ungewöhnlicher Ort für die Designszene: Ein Wasserschlösschen mit prachtvollem Garten und entkerntem Poolhouse wurde temporär zugänglich. Dort bot das Format Designers Tower 26 mit drei kuratierten Ausstellungen dem zeitgenössischen Autorendesign – von jungen Talenten bis zu etablierten Gestalter*innen – eine eindrucksvolle Bühne.
Öfter mal die Komfortzone verlassen
Ein passendes Schlussbild für die Orgatec und die begleitenden Veranstaltungen lieferte das Projekt Kölschkränze von Kosmoform. Das Büro hatte elf Kölner Designstudios eingeladen, den Kölschkranz, das traditionelle Serviertablett der Kölner Brauhauskultur, neu zu interpretieren. Denn er ist weit mehr als ein Träger für Biergläser: Als Teil eines geselligen Rituals bringt er Menschen zusammen und kehrt immer wieder in die Mitte einer Runde zurück.
Für die Gestaltung zeitgemäßer Arbeitswelten bleibt eine reizvolle Spannung: Räume sollen immer wohnlicher und komfortabler werden und zugleich Begegnung und Veränderung fördern. Sie sollen zum Wohlfühlen einladen – und dazu, die eigene Komfortzone zu verlassen.
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