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Puglia, arrivo!

Wer noch nie in Apulien war, hat Italien nicht gesehen. Von Orecchiette, Primitivo, Trulli, Olivenbäumen und weißen Städten.

von Claudia Simone Hoff, 20.05.2014

Ganz unten, am Absatz des Stiefels, da liegt Apulien. Der Südosten Italiens wird seit einiger Zeit als Reiseziel entdeckt. Kein Wunder, denn hier kann man noch das wirkliche La dolce vita erleben – abseits der großen Touristenströme im Land.

Alles, was man sich gemeinhin unter einem süßen Leben erträumt, findet man hier: herzliche Menschen, ursprüngliche Landschaften zwischen Adriatischem und Ionischem Meer, gutes Essen, Sonnenschein. Wer auf dem Flughafen Bari landet, erahnt es bereits nach einigen Kilometern Fahrt: Apulien ist eine ländlich geprägte Region. Allein 15 Millionen Olivenbäume gibt es hier, daneben Weinanbau, ausgedehnte Salinen und Gemüsefelder, die bis ans Meer reichen und von den Menschen mühsam beackert werden. Apulien ist weitläufig: Es erstreckt sich von der Halbinsel Gargano im Norden von Bari bis in den Süden des italienischen Stiefels mit der Barockstadt Lecce.

Schöner Wohnen auf dem Land
Die besondere Atmosphäre Apuliens besonders gut erleben kann man auf einer Masseria. Die ganze Region ist überzogen von diesen herrschaftlichen Landgütern mit ihrer weiß getünchten, wehrhaften Architektur. Umgeben von Olivenhainen und oft noch als landwirtschaftliche Betriebe genutzt, sind viele Masserie inzwischen zu Hotels umgebaut. Eines davon ist die Masseria Maizza bei Fasano – ein Gut aus dem 16. Jahrhundert. Das Außengelände des luxuriösen und dennoch charmanten Hotels zeigt den typischen, dorfähnlichen Aufbau einer Masseria: niedrige Häuser – die ehemaligen Unterkünfte der Arbeiter – aus deren Mitte das große Haupthaus mit Zinnenkranz herausragt. Eine Kapelle, eine Mühle und Ställe für die Tiere gehören gemeinhin auch dazu. Auf der Masseria Maizza frönt man heute vor allem dem Freizeitvergnügen – am Swimmingpool, im Spa oder im Garten der Schwester-Masseria Torre Coccaro. Der gleicht mit seiner Ummauerung in Trockenbauweise einem idyllischen hortus conclusus – gehäkelte Hängematte und Holzstühle mit Bastgeflecht inklusive.

Was auf den Teller kommt
Im Garten wird angebaut, was in den Masserie-Restaurants auf den Teller kommt: frisches Obst wie Granatäpfel, Orangen und Pomelos oder verschiedene Salate und Kräuter. Bei einem Kochkurs kann man lernen, wie man Orecchiette selbst macht und anschließend zubereitet. Die ohrförmige Pasta aus Hartweizengrieß ist das Nationalgericht Apuliens. In der Altstadt von Bari gibt es eine Gasse, in der die Frauen vor den Häusern sitzen und an den draußen aufgestellten Tischen blitzschnell und geschickt Orecchiette formen, die dann auf Holzrahmen luftgetrocknet werden. Pasta wird in Apulien meist mit frischem Fisch oder Meeresfrüchten serviert, was kein Wunder ist bei der der Nähe zum Meer. Besonders köstlich: Carpaccio aus rohem (Thun-)Fisch. Eine Reise nach Apulien lohnt allein wegen der bodenständischen Küche, die bäuerlichen Ursprungs ist. Doch gibt es auch andere Verlockungen. Kunst und Architektur beispielsweise. Sie wurde von ganz unterschiedlichen Kulturen geprägt: von der griechischen, römischen, germanischen, normannischen, arabischen, französischen und spanischen.

Kulturelle Kleinode
Besonders in der Nebensaison – wenn nicht allzuviele Besucher durch die engen Gassen strömen – lohnt ein Besuch von Alberobello im Valle d‘Itria. Warum der kleine Ort Unesco-Weltkulturerbe ist, lässt sich unschwer erkennen: Hier reiht sich ein Trullo an den anderen. Ein Trullo ist ein in Trockenbauweise mit rohen Feldsteinen errichtetes kleines Gebäude, das mit seinem kegelförmigen Dach und symbolischen Verzierungen überaus pittoresk aussieht. Ursprünglich als einfache Bauernhütte genutzt, dienen heute mehrere zusammengelegte Trulli als Restaurant, Hotel, Wohn- und Ferienhaus. Unbedingt sollte man auch eine der weißen Städte auf dem Land oder am Meer besuchen. Dort scheint die Zeit stehen geblieben, und man wähnt sich zuweilen im Orient. In Ostuni in der Provinz Brindisi beispielsweise schmiegen sich weiß gekalkte Häuser eng aneinander, schwatzen Frauen auf den Treppenstufen und werden handgefertigte Ledersandalen verkauft. Die wie aus der Zeit gefallene Altstadt wartet auf mit barocken Architektur-Trouvaillen, und überraschenderweise wird auch der Designliebhaber fündig. Erst auf ein Menü ins Restaurant La Sommità und danach einen Absacker in der Bar Riccardo – auf knallgrünen Lounge Chairs mitten in der Gasse. Puglia, arrivo!   


In der Bildergalerie über diesem Artikel finden Sie unsere Tipps für eine Reise nach Apulien.


Buchtipp

Katja Büllmann. Apulien. Mit Fotos von Giovanni Troilo. Typen, Träume, Lebenskünstler: Land und Menschen an einem Rande Europas. Hamburg/ Wiesbaden (Corso Verlag).

Die Journalistin Katja Büllmann lebt in Apulien und versammelt in ihrem Buch interessante Menschen aus der Region: Bauern, Künstler, Hoteliers und Politiker. Illustriert wird das Buch von den kunstvollen, Stillleben gleichenden Fotografien von Giovanni Troilo, von denen Sie einige in unserer Bildergalerie finden.

Links

Viaggiare in Puglia

www.viaggiareinpuglia.it

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