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Michael Schmidt

von Norman Kietzmann, 25.09.2007

Michael Schmidt wurde 1961 in Heilbronn geboren. Schon während seines Ingenieurstudiums an der Universität Stuttgart besuchte er die Design- fakultät der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und arbeitete nach seinem Abschluss 1989 in der Abteilung für Advanced Design bei Mercedes-Benz. 1992 gründete er mit einem Partner das Designbüro „DesignWorX“, das er 1995 wieder verließ, um mit dem Büro „code.2.design“ schließlich seine eigenen Wege zu gehen. Seine Kundenliste umfasst seitdem nicht nur Firmen aus dem Automobilbereich wie Audi oder BMW, sondern zunehmend Hersteller von Bad- und Wellnessprodukten wie Falper, Hoesch, Duscholux oder Hansgrohe. Code.2.design ist zudem offizieller Innovationspartner der Frauenhofer Gesellschaft Stuttgart. Wir trafen Michael Schmidt in Berlin und sprachen mit ihm über die Trends der bevorstehenden Bädermesse CERSAIE, das Design einer möbelartigen Badewanne sowie die Raffinessen eines "Pritate-Spa".
Herr Schmidt, die derzeit wichtigste Leitmesse zum Thema Baddesign, die CERSAIE in Bologna, öffnet Anfang Oktober erneut ihre Türen. Welche Erwartungen knüpfen Sie an die diesjährige Ausstellung?
Ich erwarte eine Flut von neuen Produkten in exzellentem Design. Die Italiener und die italienischen Hersteller haben endgültig das Badezimmer für sich entdeckt. Das liegt zum einen daran, dass sie die ersten waren, die Mineralwerkstoff als Material für Waschbecken und freistehende Badewannen eingesetzt haben und damit den Premium-Markt bedienten. Diesen Trend haben die deutschen Hersteller schlicht weg verschlafen. Zum anderen hat sich die Bedeutung des Badzimmers innerhalb der Wohnung weltweit in den letzten Jahren verändert. Das Badezimmer heute wird vielseitiger benutzt und die italienischen Firmen haben die Produkte dazu. Wenn ich mir zum Beispiel das Design der Heizkörper und der Möbel anschaue, dann sind sie einfach Jahre voraus. Und das liegt auch daran, dass in Italien viele Bad-Designer ganze Interieurs gestalten und sich mit dem gesamten Raum beschäftigen. Persönlich erwarte ich, dass noch mehr internationale Kunden und Journalisten auf die Cersaie kommen werden.
Welche Trends sind derzeit verstärkt zu beobachten?
Der Trend, das Badezimmer als Lebensraum zu inszenieren, wird sich meiner Meinung nach weiter fortsetzen. Hinzu kommt, dass die Badezimmer endlich in ihren Dimensionen wachsen und auch der Wunsch nach dem „Privat-Spa“ im Premium Segment weiter verstärken wird. Die Menschen haben bemerkt – oder besser gesagt – wieder entdeckt, dass Wasser ein wundervolles Element ist, das harmonisierende und entspannende Wirkungen erzeugen kann und das nicht nur in therapeutischen Einrichtungen. Im „Privat-Spa“ kann man alle Sinne ansprechen oder sich in absolute Stille zurückziehen. Hier wird man in Zukunft auch von der Architektur Dinge einfordern, die diese Bedürfnisse befriedigen können. Als Beispiel möchte ich Tageslicht in Verbindung mit Privatsphäre und Akustik anführen. Dadurch, dass teilweise das Schlafzimmer mit einbezogen wird, wird auch die räumliche Dimension der häuslichen Relaxzone größer.
Wie wird sich das Bad in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
Ich denke, dass das Badezimmer zusammen mit dem Schlafzimmer der Regeneration- und Rückzugsort der modernen Menschen wird. Das Medium Wasser wird dabei das zentrale Thema sein: Zum einen inszeniert in seiner puren und ursprünglichen Form, ohne sichtbare Armaturen, und zum anderen der nachhaltige Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser. Und das Thema Möbel wird im Bad weiter an Bedeutung gewinnen, denn die Aufenthaltsdauer im Bad wird gerade am Abend und am Wochenende zunehmen. Ein Bad zu zweit ist soll ja sogar beziehungsfördernd sein.
Mit welchem Produkt werden Sie auf der Cersaie vertreten sein?
Die Badmöbelkollektion "shape" für Falper wird erweitert und ergänzt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer neuen Wanne, die in sieben Versionen – unter anderem mit additiven und integrierten Möbelelementen – auf den Markt kommen wird. Die Wanne wird im Gegensatz zur "scoop" – einer organisch abgerundeten Wannenserie, die ich ebenfalls für Falper entworfen habe – mehr einen möbelartigen und damit integrativen Charakter haben. In Verbindung mit dem organischen Grundthema der "shape"-Kollektion entstand so eine Badewanne, deren Inneres aussieht, als sei es von Wasser geformt und deren Äußeres die Strenge eines minimalistischen Möbelblocks hat.
Gibt es eine Veränderung zu den Produkten, die Sie bisher für Falper oder andere Kunden entworfen haben?
Ja, In Bezug auf die eingesetzten Materialien verwenden wir zunehmend mehr hochglänzende Lackoberflächen und Mineralwerkstoffe. Mineralwerkstoff wird sicherlich das Material der Zukunft im Bad sein. Und wir arbeiten verstärkt am Einsatz von weiteren natürlichen Materialien im Badezimmer, die seither noch nicht in diesem Kontext verwendet wurden. Wir wollen weg von den kalten Materialien, hin zu mehr Wärme, Farben und Möbeln im Badezimmer, um damit die Qualität und den Wohlfühlfaktor zu steigern.
An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit noch?
Wir arbeiten im Augenblick an mehreren Projekten zum Thema Wellness und Spa sowie an einem Projekt zum Thema „gedeckter Tisch“. Wir haben jetzt endlich einen Kunden gewonnen, der mit uns erste Ideen für das Essen und Kochen umsetzen möchte und hoffen, dass in diesem Bereich weitere Projekte folgen werden. Eine weiteres großes Thema sind neue innovative Konzepte im Office mit dem Scherpunkt Technikintegration und Individualisierung. Dieser Branche steht meiner Meinung nach vor einer großen Herausforderung. Zum einen wird das Office ja zunehmend zum zweiten Zuhause und zum anderen entwickelt sich die IT-Technik nach wie vor rasant weiter und muss immer mehr in die Möbel integriert werden, um den gestiegenen Ansprüchen nach mehr Wohlfühl-Qualität im Office gerecht zu werden.
Sie haben anfangs für verschiedene Automobilfirmen gearbeitet, beispielsweise in der Abteilung für Advanced Design bei Mercedes-Benz. Wie kam der Wechsel vom Auto in den Interieurbereich?
Also, ich war ja nie so ein richtiger Autofreak. Was mich vielmehr interessiert hat, war Autos für Menschen zu machen und stärker auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen. Ein Sportwagen ist ein Sportwagen. Mit dem fährt man zwar schnell aber mehr kann man mit ihm ja nicht tun. An dieser Stelle wollte ich weiter gehen. Doch als man mir sagte, dass es nicht möglich sei, solche Autos selbst als Studie zu machen, bin ich dort wieder weggegangen. Die ganze Welt des Wassers zu inszenieren, bereitet mir dagegen sehr viel Freude.
Gibt es eine spezielle Herangehensweise, mit der Sie neue Projekte angehen?
Was für mich immer sehr wichtig ist, ist, dass hinter einer Idee auch immer ein starker Gedanke steht. Etwas, worauf man sich immer wieder berufen kann, wenn man am Design arbeitet und ersten Skizzen anfertigt. Was ich nicht verstehe und auch nicht mache, ist „l’art pour l’art“ oder reines Styling. Es muss schon eine Geschichte dahinter stehen, die einem etwas über das Produkt erzählt. Ein Produkt ist dann erfolgreich, wenn diese Geschichte durch das Produkt kommuniziert wird und die Leute diese Geschichte auch sofort verstehen. Das ist die Kunst.
Welches Projekt würden Sie gerne einmal umsetzen?
Da gibt es vor allem zwei Dinge: Zum einen würde ich tatsächlich gerne ein Spa oder Wellness-Hotel entwerfen, weil ich in diesem Bereich schon viele Ideen und Know-How gesammelt habe. Da lassen sich noch einige Dinge machen, die es heute noch nicht gibt. Und was ich auch noch gerne designen würde, ist das Interieur eines Flugzeugs. Ich habe ja ursprünglich sogar angefangen mit Luft- und Raumfahrttechnik, als ich noch studiert habe.
Wie kann man sich dieses Flugzeug vorstellen, vielleicht eine Art fliegendes Spa?
Also, auf jeden Fall sollte es ein Flugzeug werden, dessen Qualitäten über das reine Transportieren von Menschen hinausgehen. Ein Flugzeug, in dem man sich wohl fühlt und das Fliegen als solches genießen kann. Vom Fliegen geht ja eine unglaubliche Faszination aus und ist ein Traum so alt wie die Menschheit. Ja, das würde mich schon sehr stark reizen. Wir waren in diesem Jahr sogar schon kurz davor, in diesem Bereich etwas zu unternehmen. Aber vielleicht klappt es dann im nächsten Jahr.
Vielen Dank für das Gespräch.
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Links

code.2.design

www.code2design.de

Falper

www.falper.it

Hoesch

www.hoesch.de

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