Das Café als Blaupause
Büro Pankrath baut den Quadriga Campus in Berlin im Bestand um
Beton, Spiegel, Samt und wiederverwendete Glaswände: Für ein Medien- und Weiterbildungsunternehmen in Berlin-Mitte hat Büro Pankrath zunächst ein Café umgestaltet. Nun wird dessen Material- und Formensprache Etage für Etage weitergeführt.
Den Weg hinein weist heute ein schwarzer Leuchtkasten an der Fassade. Büro Pankrath hat den Eingang des Hauses am Werderschen Markt verlegt, eine automatische Schiebetür führt nun direkt zum Empfang. Dahinter liegt ein Raum, der vorher so nicht existierte. Wo sich früher kleinteilige Einbauten reihten, reicht der Blick heute von der Straße bis in den begrünten Innenhof. Das rund 250 Quadratmeter große Café war der erste von drei Bauabschnitten, in denen die Quadriga Media Berlin, ein Medien- und Weiterbildungsunternehmen, ihren Standort zum Campus mit Veranstaltungsflächen, Co-Working-Space und Seminarräumen umbauen lässt. Der zweite Abschnitt ist ebenfalls fertig, der dritte läuft.
Zwischen Office und Café
„Das Café ist das Herzstück des Campus. Außerdem haben wir es als Vorbild für die Gestaltung der restlichen Flächen genutzt“, erzählt erzählt die Innenarchitektin Astrid PankrathAs. Bei der Zonierung sah man eine Mischung aus offenen und intimeren Bereichen vor. So gibt es zum Beispiel maßgefertigte Polstermöbel in dunkelgrünem Samt, Podeste aus Eichenholz, schwarze Hochtische oder die Déjà-vu-Barhocker von Magis aus glänzendem Aluminium. Sie dienen als Bestuhlung für einen lackierten Holztresen, der sich als schwarzer Solitär in der Mitte des Raums befindet.
Dort integriert er neben seiner gastronomischen Funktion auch den Empfang und die Auskunft. Dahinter schließen Küche und Lagerraum als transluzenter Körper an, der von Polycarbonatplatten umschlossen wird. Den inhaltlichen Mittelpunkt bildet die Tabula Cebetis des Künstlers Peter Feiler. Das großformatige Wimmelbild überträgt eine antike Allegorie über die Irrwege auf dem Pfad zur Bildung auf den Berliner Politik- und Medienbetrieb. Lange kaum beachtet, hängt es nun prominent auf einer tiefschwarzen Wand.
Reflektierende Oberflächen
Zum großzügigen Gesamteindruck des Cafés tragen auch die raumhohen Spiegelwände bei, die wechselnde Perspektiven erzeugen und das Mobiliar optisch vervielfältigen. Hinzu kommen reflektierende Oberflächen bei Wandverkleidung und Möbeln, wie etwa bei den locker im Raum verteilten LT05 North-Pendelleuchten von e15. Unter der erhaltenen Akustikdecke verlaufen grafisch angeordnete Schienen. Daran sind Strahler von ERCO als Beleuchtung befestigt und silbern schimmernde Vorhänge aus Netzstoff. Sie gliedern den Raum und verleihen ihm zusätzliche Tiefe.
Einen Kontrast zu den glänzenden Oberflächen bilden die freigelegten Betonwände des Bestands. Auch die ursprüngliche Raumeinteilung bleibt ablesbar, sie zeichnet sich in schwarzen Boden- und Deckenflächen ab. Im Zusammenspiel mit den restlichen in Weiß, Grün oder Schwarz gehaltenen Wandflächen entstehen grafische Akzente. Auf Wunsch des Bauherren integrierte man ein Begrünungskonzept in die Gestaltung. Ein Beispiel sind die in Möbel eingebauten Pflanzkisten, aus denen Pflanzen an vertikal angeordneten Seilen die Wände hinaufwachsen. Die Farbe Grün findet sich auch in den Wandfliesen und der Polsterung für Sofas und Stühle wieder.
Hart und weich
„Die Kombination aus harten und weichen Elementen wie Beton, Eichenholz, Textilien und Begrünung schafft eine lebendige und lockere Atmosphäre“, erläutert Pankrath. Feine Akzente setzen zudem kuratierte Vintage-Stücke wie Wandleuchten von Motoko Ishii oder Loungesessel aus den 1920er-Jahren, die neu aufgepolstert wurden.
Re-Use als Entwurfshaltung
Das Konzept wurde ebenso in den restlichen Flächen umgesetzt, wie etwa den Seminarräumen im Erdgeschoss. Diese grenzten zuvor an einen dunklen Flur, der durch den Rückbau der Wände geöffnet und mittels Re-Use-Glastrennwänden neu gefasst wurde. Diese Trennwände wurden aufbereitet, umlackiert und passgenau in das neue Raumkonzept eingebaut. Der Flur gewinnt so Tageslicht und die Seminarräume werden als Teil des Campus sichtbar, ohne ihre akustische Abgeschlossenheit zu verlieren. Auch vorhandene Möbel wurden neu gepolstert und wieder eingesetzt. Umgesetzt wurde der Re-Use-Ansatz gemeinsam mit Concular Spaces, das die Aufbereitung und den Wiedereinbau übernahm. Für Büro Pankrath war die Wiederverwendung dabei keine bloße Vorgabe, sondern eine gestalterische Entscheidung, die in jedem Bauabschnitt mitgedacht wurde.
Wie im Café gibt es in den Seminarräumen Podeste aus Eichenholz mit grünen Kissen als Sitzflächen, die zugleich Stauraum bieten. Hinzu kommen informelle Erschließungsbereiche, ein Podcast-Studio, eine weitere Küche und zusätzliche Seminar- und Büroräume, die sich auf Erdgeschoss und erstes Obergeschoss verteilen. Im aktuell laufenden dritten Bauabschnitt, der den Ausbau vom zweiten bis zum vierten Geschoss vorsieht, wird das gestalterische Konzept fortgeführt. Zudem ist eine Terrasse mit großzügigem Community- und Eventbereich im fünften Obergeschoss geplant.
Entwurf
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