Konkurrenz fürs Homeoffice
Das neue Büro von Studio McW in London
Ihr neues Büro in London planten die Architekt*innen von Studio McW wie eine Wohnung, und zwar nicht nur unter Wohlfühlaspekten, sondern auch deshalb, weil es ihre Arbeitsweise beflügelt. Das Office im historischen Bestand zeigt, wie sich eine Unternehmensphilosophie im Raum widerspiegeln kann.
Gemütliche Lounges, prall gefüllte Obstkörbe oder der obligatorische Kicker: Arbeitgeber*innen lassen sich einiges einfallen, um ihre Mitarbeitenden ins Büro zu locken. Die Architekt*innen von Studio McW gingen bei der Gestaltung ihres neuen Büros im Osten Londons einen anderen Weg. Sie dachten die 80 Quadratmeter im historischen Backsteinkomplex einer ehemaligen Druckerei wie eine Wohnung.
Klare Aufteilung
Das beginnt schon beim Grundriss. Die Zusammenarbeit und der Austausch von Ideen sind nicht nur Herzstück der Arbeitsphilosophie von Studio McW, sie stehen im Printing House Yard auch räumlich im Zentrum. Von der rechteckigen Fläche sind zwei Drittel dem gemeinschaftlichen Arbeiten an einer Schreibtischinsel gewidmet. Die großen Fenster ringsherum bringen Tageslicht in die Räume. Für Flure wird kein Platz verschwendet. Stattdessen gehen der Meetingraum mit Materialarchiv, die Küche sowie die Garderobe mit WCs und Dusche direkt vom Hauptraum ab und machen ein weiteres Drittel der Fläche aus. Ausgangspunkt für diese Aufteilung waren die alltäglichen Arbeitsabläufe und Bedürfnisse des Teams, die Studio McW, ebenso wie bei Projekten für externe Bauherr*innen, vor der Planung genau unter die Lupe nahm.
Holz als Haltung
Das Bekenntnis zu haptischen Materialien und natürlichen Farben steckt in der DNA von Studio McW. Zu ihren Schwerpunkten gehören Um- und Anbauten für private Auftraggeber*innen, bei denen oft maßgefertigte Einbauten zum Einsatz kommen. Auch die eigenen Büroräume werden von Maßarbeiten aus Holz gegliedert. Sie wirken leicht und heben sich von den unverputzten Backsteinwänden ab. Schränke und Regale bieten gleichermaßen Stau- und Schauraum, zum Beispiel für Materialproben oder inspirierende Bücher. Gebrauchte Hanfblöcke erinnern an ein früheres Projekt und wurden zum Regal gestapelt. Tischplatten ruhen auf recycelten Eiermann-Metallprofilen. Dazu passen Vintage-Stühle von Vitra.
Durchdachte Details
Die Küche ist ebenfalls eine Maßarbeit aus Holz, kontrastiert durch eine funktionale Arbeitsfläche aus Edelstahl. Bei der Beleuchtung setzte das Team auf einfache Reispapier-Lampenschirme über den Schreibtischen, die an ein Wohnzimmer denken lassen. Bequeme Sessel stehen für eine kreative Pause bereit. Vorhänge von Kvadrat zahlen auf die Akustik ein und ermöglichen unterschiedliche Raum- und Lichtszenarien. Sichtbare Streben an der Decke schaffen einen Bezug zum Bestand. Von außen präsentiert sich das Studio bescheiden mit einem maßgefertigten Schild des Manchester Designers und Studio-Mitarbeiters Corbin Wood. Gefertigt aus Stahl, wird es mit der Zeit eine natürliche Patina entwickeln.
Das neue Büro ist für Studio McW mehr als ein Arbeitsort. Es ist eine Visitenkarte der Architekt*innen, die ihre Art zu planen, ihre Leidenschaft für natürliche Materialien und ihren Blick auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft repräsentiert. Durch eine Mischung aus eigenen Entwürfen, Vintage-Objekten und Wohnmöbeln gelang es dem Team, mit einem überschaubaren Budget authentische Räume zu schaffen, die jedem Homeoffice Konkurrenz machen.
FOTOGRAFIE Claudia Padrosa Claudia Padrosa
| Projektname: | Printing House Yard |
| Architektur & Bauherr: | Studio McW |
| Ort: | Shoreditch, London, Großbritannien |
| Fläche: | 80 Quadratmeter |
| Fertigstellung: | 2026 |
| Wandfarbe: | Bleo |
| Holzeinbauten: | Idle Furniture |
| Küchenarbeitsplatte: | Sunbeam |
| Beleuchtung: | HAY, Akari, Anglepoise |
| Schreibtischstühle: | Vintage von Vitra |
| Hocker: | Zara Home |
| Meetingraum-Stühle: | Deadgood |
| Bank: | FDB Mobler |
| Vorhänge: | Kvadrat, angefertigt von Pat Giddens |
| Boden: | Trunk |
| Tischbeine | Vintage-Eiermann-Gestelle |
| Kacheln: | Huguet |
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