Grüne Achse
Dschungel-Flur von Beyond Space in der Schweiz
Im neuen Holcim-Headquarter treffen 3D-gedruckter Beton, wiederverwendete Materialien und ein tropischer Innengarten aufeinander. Ein 180 Meter langer bepflanzter Flur strukturiert die Büroflügel, fördert Austausch und Ruhe und macht die Nachhaltigkeitsmission des Unternehmens räumlich erfahrbar.
1912 wurde das Schweizer Unternehmen Holcim in dem kleinen Ort Holderbank gegründet. Heute zählt es mit seiner Spezialisierung auf innovative Baulösungen zu den weltweit größten Baustoffproduzenten. An insgesamt 55 Standorten stellt Holcim Zement, Kies und Beton her und recycelt Abbruchmaterialien ressourcenschonend. Auf das Kerngeschäft verweist bereits der Firmenname – ein Kofferwort aus dem ursprünglichen Standort und dem französischen Substantiv „ciment“ (Zement).
Doch der Bezug zu Holderbank ist seit diesem Jahr vor allem historisch. Um sich zu vergrößern, wurde der Hauptsitz 50 Kilometer in den Süden verlegt: vom Örtchen an der Aare nach Zug am Zugersee. Dort entstand ein zentrales, markantes Headquarter, das auf 9.500 Quadratmetern 450 Arbeitsplätze für rund 200 Mitarbeitende bietet – und den Weg dazwischen als tropischen Dschungel inszeniert.
Arbeitshöhlen aus dem Drucker
Als Stammsitz ist das Gebäude mehr als ein Ort der Arbeit. Es ist auch eine gebaute Visitenkarte des eigenen Leistungs- und Materialportfolios. Das Interieur, entworfen von Beyond Space aus Amsterdam und Fritschi Beis Architektur aus Bern, wurde überwiegend mit rezyklierten Materialien umgesetzt. Zum Einsatz kamen dabei innovative Baulösungen wie dreidimensional gedruckte Elemente oder ultrahochfester Beton, der dünnere und leichtere Konstruktionen ebenso ermöglicht wie ausdrucksstarke Formen und topografische Oberflächen.
Als Display dieser Möglichkeiten dienen die Besprechungsräume, die wie skulpturale Nester in die offene Bürofläche eingestellt sind. Ihre Außenwände sind teils organisch geschwungen, teils kantig gebrochen oder erinnern mit ihrer unregelmäßigen Struktur an Felsformationen. Bauen, so Holcims Mission, muss mit zeitgenössischen Technologien und Materialien nicht länger der Logik der geraden Wand oder der klassischen Mauerwerksstatik folgen.
Bepflanzter Atempausenraum
Ein 180 Meter langer Flur, die sogenannte Green Lane, verbindet mehrere offen gestaltete Büroflügel miteinander. Er fungiert nicht nur als Erschließungszone, sondern zugleich als sozialer Raum. Holcim war es wichtig, am neuen Standort die Interaktion der Mitarbeitenden gezielt zu fördern und unterschiedliche Arbeits- und Aufenthaltsumgebungen anzubieten. Entsprechend finden sich entlang der Wegachse Bänke, Tische und Sitzgruppen, für Pausen ebenso wie für temporäres Arbeiten.
Das eigentliche Spektakel jedoch ist der tropische Innengarten, der aus großen Steinbeeten zwischen den grauen Bodenfliesen hervorragt. Realisiert wurde er von Creaplant, einem Spezialisten für biophiles Design. „Das Pflanzenkonzept beinhaltet drei unterschiedliche Vegetationsebenen mit insgesamt über sechzig Arten. Die Gestaltungsidee war, eine Komposition mit einer maximalen Vielfalt an Blattfarben-, formen und kontrastreichen Vegetationsstrukturen zu erschaffen. Und kein einziger Tropfschlauch, keine sichtbare Installation stört das Bild“, beschreiben die Pflanzenspezialist*innen ihre Idee.
Treffpunkt Waldbad
Mit offenen Arbeitsbereichen, klar gefassten Rückzugszonen und biophilen Pausenräumen rückt Holcim im neuen Headquarter konsequent den Menschen in den Mittelpunkt und schafft zugleich Raum für Teambildung und zukünftiges Wachstum. Die extensiv begrünte Wegachse stellt dabei den direkten Anschluss an die Natur her und wirkt im Arbeitsalltag so stressreduzierend, konzentrationsfördernd und mental belebend wie ein Waldbad. Die Green Lane wird zur visuellen und atmosphärischen Ruhezone und zugleich zum räumlichen Ausdruck von Holcims Streben nach mehr Nachhaltigkeit.
FOTOGRAFIE Beat Schweizer, Max Hart Nibbrig
Beat Schweizer, Max Hart Nibbrig
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