Flurfunk und Fernsehturmblick
Tech-Büro im Haupttelegrafenamt Berlin von de Winder
Wo einst Telegramme um die Welt gingen, arbeitet heute ein Tech-Team unter dem Dach. De Winder Architekten haben Kommunikation in Räume, Wege und Blickachsen übersetzt. Auf der Bürofläche ist ein „Dorf“ entstanden, das Austausch und Konzentration mit einer spektakulären Berliner Aussicht verbindet.
Seit mehr als 100 Jahren dreht sich in diesem Haus alles um Kommunikation. Das Haupttelegrafenamt, fertiggestellt 1916, galt damals als teuerster und aufwendigster Postbau Berlins. Über Jahrzehnte hinweg bündelte es Kommunikationsströme aus aller Welt. Telegramme wurden weitergeleitet, Funkverbindungen organisiert. Und die Rohrpost hielt den Betrieb in Bewegung.
Heute nutzt das Tech-Unternehmen neXenio das Dachgeschoss des historischen Gebäudes als ein Office, in dem Austausch und Zusammenarbeit ebenso möglich sind wie konzentrierte Einzelarbeit. De Winder Architekten griffen das Thema Kommunikation auf und übersetzten es in Räume, Wege und Blickachsen, die nun den Büroalltag prägen.
Arbeiten mit Aussicht
Die besondere Topografie des Dachraums kennzeichnet das Projekt. Schrägen, Gauben und Loggien gliedern die rund 1.000 Quadratmeter große Fläche und schaffen unterschiedliche Arbeitszonen. Gleichzeitig öffnen sie gezielte Sichtachsen zu ikonischen Punkten der Stadt: von der Synagoge über die Dächer der Museumsinsel bis zum Berliner Fernsehturm. Die Büroräume und die Stadt treten so in einen direkten, alltäglichen Dialog.
Im Inneren entstand ein „Dorf unter dem Dach“, wie die Planer*innen es nennen. „Die Räume folgen einer sozialen Logik nach dörflichem Vorbild – mit öffentlichen Plätzen, kommunikativen Wegen und privaten Rückzugsorten“, erläutert das de Winder-Team. Gemeinschaftsbereiche und Treffpunkte wechseln sich mit ruhigen Zonen ab. Kurze Wege fördern spontane Gespräche, abgeschirmte Plätze ermöglichen konzentriertes Arbeiten.
Materialität, Licht und Atmosphäre
Hochwertige Hölzer und Corian, langlebige Teppichfliesen und beständige Stoffe bilden einen warmen Kontrast zum sichtbaren Rohbau. Das Licht wird gezielt inszeniert: Tageslicht fällt durch Gauben und Loggien, Kunstlicht hebt Arbeitsplätze, Aufenthaltsbereiche und Durchgänge hervor.
„Wir schaffen nicht nur begehrenswerte Räume. Wir wollen bedeutungsvolle Beziehungen gestalten“, sagen die Architekt*innen von de Winder. Ihr Konzept einer relationalen Innenarchitektur versteht Räume als Beziehungsnetzwerke – zwischen Menschen, zwischen Innen und Außen sowie zwischen Licht, Farbe und Material.
Begegnung und Rückzug
Die Gestaltung der Büroräume folgt einer klaren Logik: Unter dem Dach treffen sich Menschen spontan an der Bar, arbeiten konzentriert an den Gaubenplätzen, tauschen sich in offenen Lounge-Bereichen aus oder ziehen sich in private Nischen zurück. Die räumliche Staffelung schafft überraschende Perspektiven und fließende Übergänge zwischen den Funktionen. Jeder Bereich unterstützt eine neue Arbeitskultur, die Flexibilität, Kooperation und Individualität verbindet.
Heute kommuniziert man im Haupttelegrafenamt Berlin digital, vernetzt und agil – und doch bleibt spürbar, dass der Ort schon von Anfang an für Verbindung und Austausch geschaffen wurde. Mit ein wenig Fantasie kann man sich vorstellen, wie hier in weiteren 100 Jahren noch immer gearbeitet und kommuniziert wird.
FOTOGRAFIE Mark Seelen Mark Seelen
| Lage: | Berlin-MItte |
| BGF: | 1.000 qm |
| Leistungen: | Konzept, Vorentwurf und Umsetzung Mieterausbau, künstlerische Oberleitung, Bauüberwachung |
| Mitarbeiteranzahl: | 42 |
| Generalunternehmer: | Gielissen GmbH |
| Akustik: | Akustikbüro Krämer & Stegmaier |
| Lichtplanung: | Prof. Michael Schmidt |
| Lichtberatung: | DELTALights |
| Renderings: | XOIO |
| Fotos: | Mark Seelen |
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