Raum mit Reserven
Umbau von YONT Studio für das Musiklabel Seven in Berlin
In einem Altbau in Berlin-Mitte verwandelte YONT Studio ein ehemaliges Immobilienbüro in einen hybriden Kulturort für das queere House-Music-Label Seven. Zwischen Plattenladen, Büro und Fotostudio entstand ein Ort, der konzentriertes Arbeiten, Gemeinschaft und Öffentlichkeit ermöglicht.
Der Umbau in der Torstraße 220 folgt dem gestalterischen Prinzip der Subtraktion und ist das erste realisierte Interiorprojekt von Serdar Ayvaz und Coşan Karadeniz, den Gründern von YONT Studio. Statt dem Raum neue Schichten hinzuzufügen, entfernten sie Einbauten, um die ursprüngliche Struktur des rund 180 Quadratmeter großen Altbaus freizulegen. Die Oberflächen sind bewusst roh belassen worden: Ziegelmauerwerk, Putz und Spuren früherer Eingriffe erzählen die Geschichte des Raums. Auch der vorhandene Estrichboden wurde freigelegt, gereinigt und matt versiegelt.
Der Rückbau hat nicht nur ästhetische Folgen, sondern prägt auch die Nutzung. Ohne feste Trennwände wirkt der Innenraum offener und flexibler bespielbar. Für ein Label, das zwischen Produktion, Vertrieb und kultureller Praxis agiert, ist genau diese Wandelbarkeit entscheidend.
Plattenladen trifft Arbeitsraum
Das Raumprogramm ist vielseitig. Ein Plattenladen mit Empfangsbereich bildet den Einstieg, dahinter folgen Büroarbeitsplätze, eine offene Küche, Hör- und Rückzugszonen, ein Fotostudio sowie Flächen für kleinere Veranstaltungen. Die Funktionen gliedern sich in einen ruhigeren Arbeitsbereich und einen offenen, publikumsorientierten Teil.
Strukturiert wird der Raum nicht durch feste Bauteile, sondern durch Vorhänge. Als weiche Raumteiler schaffen sie temporäre Zonen und erlauben flexible Set-ups. Somit übernehmen sie verschiedene Funktionen: Sie filtern das Licht, zonieren und verbessern den Klang – insbesondere bei Listening Sessions und Events.
Zwischen Bestandsgrau und Brutalist Pink
In der reduzierten, materialbetonten Umgebung setzt YONT Studio gezielte Akzente durch maßgefertigte Elemente: ein „Brutalist Pink“-DJ-Pult, eine Vinyl-Listening-Station sowie Möbel für Schallplatten und andere Produkte. Ergänzt werden diese durch Vintage-Stücke, die Wärme in die zurückhaltende Atmosphäre bringen. Die Farbpalette bleibt größtenteils dezent in Grau- und Bestandstönen, während pinke Elemente als Eyecatcher gedacht sind.
Architektur für Klang und Austausch
Damit der Raum auch bei wechselnden Nutzungsszenarien funktioniert, wurden Akustik und Licht als gestaltprägende Werkzeuge mitgedacht. In ausgewählten Bereichen ergänzen akustisch wirksame Acosorb-Deckenapplikationen den teilweise sichtbaren Deckenbestand und reduzieren Nachhall, ohne die räumliche Offenheit zu verlieren. Weitere Dämpfung entsteht durch Textilien, Filzverkleidungen im Telefon- und Rückzugsbereich sowie die Möblierung. Außerdem fungieren die unregelmäßigen Bestandsoberflächen als passive akustische Puffer.
Die Grundbeleuchtung erfolgt über ein Schienensystem, ergänzt durch frei platzierbare Leuchten – teils Sonderanfertigungen und Kollaborationen. Ziel war eine flexible, atmosphärische Lichtstimmung statt einer rein funktionalen Ausleuchtung. Im vorderen, publikumsorientierten Bereich mit rund 80 Quadratmetern sind je nach Set-up Veranstaltungen mit etwa 40 bis 50 Personen möglich.
FOTOGRAFIE Clemens Poloczek
Clemens Poloczek
| Projektname | Seven |
| Entwurf | YONT Studio |
| Typologie | Umbau |
| Ort | Berlin-Mitte |
| Größe | 180 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
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