Projekte

Architekturwandel an der Alster

Umbau der BAT-Hauptverwaltung in Hamburg durch Ratschko Architekten

Wo einst Rückzug regierte, ist heute Raum für Begegnung: BAT Germany hat sein Stammhaus mithilfe von Ratschko Architekten radikal transformiert – zu einem offenen Ort für New Work an der Hamburger Außenalster. Über einen Neuanfang mit Geschichte.

von Lilian Ingenkamp, 21.05.2025

Das siebengeschossige Gebäude am Hamburger Alsterufer besetzt seit fast einem Jahrhundert eine prominente Adresse. Und auch im Inneren war bis vor Kurzem noch vieles so, wie man es aus einer anderen Ära kennt: Zellenbüros, lange Flure, verschlossene Blickachsen – Relikte aus einer Zeit, in der Rückzug wichtiger war als Austausch. Doch das Tabakunternehmen BAT Germany (British American Tobacco) wollte mehr als einen Umbau. Gesucht wurde ein architektonischer Rahmen für den Kulturwandel – ein Ort, an dem New Work nicht nur möglich, sondern selbstverständlich wird.

Radikale Klarheit im Umbau durch Ratschko Architekten
Diesen Rahmen hat das Hamburger Büro Ratschko geschaffen. Bereits 2008 hatte das Team eine erste Umgestaltung des Gebäudes vorgenommen. Nun stand ein radikalerer Schritt an. „Unser Ansatz war einfach: Alles Überflüssige weglassen, alles Notwendige und Nützliche behalten“, beschreibt Kai Ratschko die Grundidee. Das bedeutete: eine fast vollständige Entkernung bis auf den Rohbau, Neuordnung von Brandabschnitten, komplette Erneuerung der Haustechnik und eine grundsätzliche Neuprogrammierung der Fläche. 

Räume ohne Raster: Offenheit schafft Verbindung
In 26 Monaten entstand auf 8.500 Quadratmetern eine hochfunktionale Arbeitswelt für die Mitarbeiter*innen – im laufenden Betrieb. Herzstück des Konzepts ist ein Activity-Based-Working-Modell. Statt fester Arbeitsplätze gibt es nun eine Vielfalt an Raumangeboten: Teamzonen, Rückzugsräume, Telefonboxen, Konzentrationsplätze, Sitzgruppen, Alkoven. Jede Etage verfügt über eine zentrale Gemeinschaftsküche mit einem langen „Familientisch“ – ein Symbol für die neue Unternehmenskultur.

Offen, flexibel, vernetzt – Architektur für moderne Arbeitswelten
Diese Architektur denkt nicht in festen Hierarchien, sondern in Beziehungen. Sichtachsen über die gesamte Gebäudetiefe, fließende Übergänge zwischen den Bereichen und kurze Wege fördern die Kommunikation und den informellen Austausch. Die offenen Flächen sind nicht nur lichtdurchflutet und akustisch durchdacht, sondern auch so angelegt, dass sie sich mit minimalem baulichen Aufwand an neue Bedarfe anpassen lassen. „Das gehört zu unserer Auffassung von Nachhaltigkeit“, sagt Kai Ratschko.

Mehr als ein Büro: Konferenzbereiche, Clubrestaurant und „Blackbox“
Die Transformation endet nicht bei den Regeletagen. Auch das Erdgeschoss und das siebte Obergeschoss wurden grundlegend umgestaltet. Eine repräsentative Lobby, ein begrünter Innenhof sowie die sogenannte „Blackbox“ – ein multimediales Auditorium im ehemaligen Rechenzentrum – erweitern das Nutzungsprofil des Hauses. Im obersten Geschoss lädt heute ein Clubrestaurant mit Dachterrasse und Alsterblick zum Austausch in informeller Atmosphäre ein.

Kooperative Planung schafft Identifikation
Dass dieser Wandel nicht top-down verordnet wurde, sondern im Dialog mit den Mitarbeitenden entstand, ist ein zentrales Erfolgskriterium. „Das gesamte Projekt war ein kooperativer Prozess“, erklärt Ratschko. „Es läuft nicht so, dass einer kommt und die Lösung aus dem Hut zaubert.“ Das Ergebnis: hohe Identifikation und Akzeptanz. „Früher haben die Mitarbeitenden ‚Ich gehe in mein Büro‘ gesagt und dabei an ihr Einzelbüro gedacht. Heute meinen sie damit die gesamten 8.500 Quadratmeter.“

Mein Büro, unser Ort
Mit der Transformation des BAT-Stammhauses ist es Ratschko Architekten gelungen, ein bauliches Erbe in die Gegenwart zu überführen – nicht durch Anpassung an kurzfristige Trends, sondern durch ein zukunftsgerichtetes, robustes Konzept. So wird aus einem Traditionshaus ein lebendiger Ort für neue Arbeitskultur. Und aus geschlossenen Einzelbüros ein dynamisches Netzwerk – offen und wandelbar.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Entwurf

Ratschko Architekten

www.ratschko.de

Mehr Projekte

Wegeführung in Kirschrot

Teppich als Leitsystem in einer Anwaltskanzlei in Münster

Teppich als Leitsystem in einer Anwaltskanzlei in Münster

Das Café als Blaupause

Büro Pankrath baut den Quadriga Campus in Berlin im Bestand um

Büro Pankrath baut den Quadriga Campus in Berlin im Bestand um

Räume mit Haltung

Veranstaltungszentrum der Münchner Aids-Hilfe von INPULS

Veranstaltungszentrum der Münchner Aids-Hilfe von INPULS

Ade Palais

Zirkuläre Arbeitsgarage von Caramel ArchitektInnen in Wien

Zirkuläre Arbeitsgarage von Caramel ArchitektInnen in Wien

Mehr als eine Hülle

Wie Dan Vakhrameyev die klassische Flugzeughalle neu definiert

Wie Dan Vakhrameyev die klassische Flugzeughalle neu definiert

Farbrausch im Engadin

Künstlerresidenz in Maloja von Kueng Caputo

Künstlerresidenz in Maloja von Kueng Caputo

Konkurrenz fürs Homeoffice

Das neue Büro von Studio McW in London

Das neue Büro von Studio McW in London

Schimmerndes Gewand

HENN gestaltet Büroräume für BestSecret in München

HENN gestaltet Büroräume für BestSecret in München

Räume wie gedruckt

Risotto HQ von Gabriella Marcella in Glasgow

Risotto HQ von Gabriella Marcella in Glasgow

Pause im Palmenhof

Ein Tropicália-Workplace von Tabitha Isobel und Studio Multi in London

Ein Tropicália-Workplace von Tabitha Isobel und Studio Multi in London

Arbeitsplatz auf Zeit

Züricher Co-Working-Space von HSB Architekten für FlexOffice

Züricher Co-Working-Space von HSB Architekten für FlexOffice

Flurfunk war gestern

Umbau einer Firmenzentrale in Berlin von brandherm + krumrey

Umbau einer Firmenzentrale in Berlin von brandherm + krumrey

Stadt der Advocati

Erweiterung einer Anwaltskanzlei in Münster von studio eto

Erweiterung einer Anwaltskanzlei in Münster von studio eto

Lernen im Holzhybridbau

Bildungshaus NeckarPark von Glück + Partner in Stuttgart

Bildungshaus NeckarPark von Glück + Partner in Stuttgart

Zwischen Atmosphäre und Funktion

Büroräume für eine Social-Media-Agentur in Berlin von RHO

Büroräume für eine Social-Media-Agentur in Berlin von RHO

Im Geist der Sechziger

Ortsspezifischer Büroumbau von Christopher Sitzler und Gizzem Cinar in Hamburg

Ortsspezifischer Büroumbau von Christopher Sitzler und Gizzem Cinar in Hamburg

Offen für Neues

Agiles Arbeitsumfeld im Continental-Headquarter in Hannover

Agiles Arbeitsumfeld im Continental-Headquarter in Hannover

Bunte Begegnungen

Shared Spaces im Bürobau M40 von Kinzo in Berlin

Shared Spaces im Bürobau M40 von Kinzo in Berlin

High Heels im Hochhaus

Aeyde-Headquarter in Berlin von Gonzalez Haase AAS

Aeyde-Headquarter in Berlin von Gonzalez Haase AAS

Yellow Submarine im Gewerbegebiet

Bürobau für Agrosemillas von Impepinable Studio in Spanien

Bürobau für Agrosemillas von Impepinable Studio in Spanien

Grüne Achse

Dschungel-Flur von Beyond Space in der Schweiz

Dschungel-Flur von Beyond Space in der Schweiz

Im Geist der Vergangenheit

Neugestaltung einer Bürofläche in Tokio von Symbolplus

Neugestaltung einer Bürofläche in Tokio von Symbolplus

Roter Riese

In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen

In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen

Neue Welt in altem Gewand

Blomus Headquarter in Sundern

Blomus Headquarter in Sundern

Kulturaffine Büro-WG

Neues Office von Kinzo und Karsten Jahnke in Hamburg

Neues Office von Kinzo und Karsten Jahnke in Hamburg

Flurfunk und Fernsehturmblick

Tech-Büro im Haupttelegrafenamt Berlin von de Winder

Tech-Büro im Haupttelegrafenamt Berlin von de Winder

Raum mit Reserven

Umbau von YONT Studio für das Musiklabel Seven in Berlin

Umbau von YONT Studio für das Musiklabel Seven in Berlin

Flexible Arbeitslandschaft am Hafen

Umbau der Maersk-Zentrale in Rotterdam

Umbau der Maersk-Zentrale in Rotterdam

Schlichte Bühne für starke Bilder

Fotostudio-Interieur von Sapid Studio in Genf

Fotostudio-Interieur von Sapid Studio in Genf

Umbau mit Gütesiegel

Neue Arbeitswelt für den TÜV-Verband in Berlin

Neue Arbeitswelt für den TÜV-Verband in Berlin