Schlichte Bühne für starke Bilder
Fotostudio-Interieur von Sapid Studio in Genf
Sapid Studio hat eine ehemalige Industriehalle in ein zeitgemäßes Fotostudio transformiert. Eine klare Raumstruktur, maßgeschneiderte Holzeinbauten und rohe Materialien schaffen im Studio 18% Arbeitszonen für wechselnde Sets und maximale Flexibilität.
Ein Fotostudio nimmt sich in der Gestaltung für gewöhnlich zurück, um den Bildern, die dort entstehen, Raum zu geben. Gerade daraus kann sich eine eigene Ästhetik entwickeln, die trotz ihres hohen Nutzwerts keineswegs seelenlos sein muss. Dafür sorgen beim Studio 18% maßgeschneiderte Holzeinbauten, unverfälschte Materialien und der bewusst bewahrte Charakter des Bestands.
Zwei Ebenen, ein Arbeitsablauf
Untergebracht ist das Studio in einer ehemaligen Industriehalle mit rechteckigem Grundriss und großzügiger Raumhöhe. Statt die rohe Hülle gestalterisch zu überformen oder zu kaschieren, hat das Genfer Büro ihr Potenzial gezielt genutzt und sie durch wenige, aber präzise gesetzte Eingriffe verwandelt. Eine eingezogene Galerieebene strukturiert den Raum sowohl vertikal als auch horizontal, indem sie nur etwa die Hälfte der Fläche überspannt. Während der eine Hallenteil dem großformatigen Fotoset vorbehalten bleibt, ordnet die zweite Ebene die notwendigen Arbeits- und Nebenfunktionen. Shootings und Organisation werden so klar voneinander getrennt, ohne den Raum zu fragmentieren.
Im Erdgeschoss befinden sich die zentralen Studioflächen mit Cyclorama und einer funktional integrierten Küche. Die Galerieebene darüber nimmt Arbeitsplätze, Stylingbereiche sowie Rückzugsräume für Vorbereitung und Bürotätigkeiten auf. Diese vertikale Gliederung folgt weniger einem formalen Schema als vielmehr den Abläufen eines Fotostudios: konzentriertes Arbeiten oben, freie, wandelbare Produktion unten – verbunden durch kurze Wege und direkte Blickbeziehungen.
Filter, Einbauten und Materialkontraste
Ein prägendes Element des Entwurfs sind die umlaufenden Geländer und Brüstungen aus verzinktem Stahlgitter. Sie sichern die Galerieebene und übernehmen zugleich eine räumliche sowie atmosphärische Funktion. Als halbtransparente Filter modulieren sie Sichtachsen, erzeugen Tiefe und lassen architektonische Elemente je nach Standpunkt verschwinden oder hervortreten. Transparenz und Opazität wechseln sich ab, ohne die Offenheit des Raums zu beeinträchtigen. Die Architektur bleibt präsent, drängt sich jedoch nicht in den Vordergrund – eine Qualität, die im Kontext fotografischer Arbeit von zentraler Bedeutung ist.
Dem industriellen Bestand haben die Architekt*innen eine zweite Materialebene entgegengesetzt. Die Galerie ist aus Brettschichtholzträgern und Sperrholzplatten konstruiert, Materialien, die sich auch in den maßgefertigten Einbauten, Regalen und Arbeitsplätzen wiederfinden. Ihre helle, warme Anmutung bildet einen ruhigen Gegenpol zu Beton, Stahl und sichtbarer Haustechnik. Holz fungiert dort nicht als dekoratives Element, sondern als konstruktives und ordnendes Prinzip, das dem Raum Struktur und Maßstab verleiht.
Auf der Galerieebene beschränkt sich der Eingriff nicht auf eine offene Plattform. Sapid Studio hat einen eigenständigen Raumkörper eingestellt, der die Ebene weiter differenziert. Leichte Holzwände fassen Arbeits- und Stylingbereiche zu klar definierten Zonen zusammen. Teilweise sind sie mit transluzenten Paneelen ausgeführt, die das Tageslicht filtern und zugleich visuelle Verbindungen aufrechterhalten. Ergänzt wird diese Struktur durch klappbare Tische entlang der Brüstungen, die flexibel als Arbeits- oder Aufenthaltsorte genutzt werden können.
Stimmungsvolle Neutralität
Die Farbigkeit des Interieurs bleibt insgesamt zurückhaltend. Weiß, helle Holztöne und metallische Oberflächen bilden eine neutrale Grundlage, die den hohen Anforderungen an Lichtkontrolle gerecht wird. Gleichzeitig entsteht eine Atmosphäre, die trotz ihrer funktionalen Ausrichtung nicht kühl wirkt. Das Studio versteht sich als Hintergrund – als präzise gestaltete Bühne, die den Produktionen Halt und Struktur gibt, ohne ihnen die Hauptrolle streitig zu machen.
FOTOGRAFIE Alicia Dubuis & Roman Lusser
Alicia Dubuis & Roman Lusser
| Projektname | Studio 18% |
| Entwurf | Sapid Studio |
| Typologie | Umbau |
| Ort | Genf |
| Fläche | 192 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2025 |
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