Im Geist der Vergangenheit
Neugestaltung einer Bürofläche in Tokio von Symbolplus
Im ehemaligen Tokioter Wohnhaus von Akio Hayashi verwandelte das Architekturbüro Symbolplus 67 Quadratmeter in ein Office – als Hommage an den japanischen Pionier des nachhaltigen Bauens. Viel Holz, recyceltes Washi-Papier und präzise Eingriffe führen die Räume behutsam in die Zukunft.
Schon lange bevor der Diskurs über nachhaltige Architektur, lokale Bauweisen oder zirkuläre Ressourcen vom Nischenthema zur Planungsmaxime wurde, arbeitete der japanische Architekt Akio Hayashi in den Achtziger- und Neunzigerjahren bevorzugt mit natürlichen, am Bauort verfügbaren Materialien. In Tokio war und ist das vor allem Holz.
In das ehemalige Wohnhaus Hayashis im Stadtteil Suginami ist nun eine neue Generation von Planenden eingezogen. Das 2022 von Sho Watanabe und Satoshi Nobekawa gegründete Architekturbüro Symbolplus hat sich der Mission verschrieben, stets mit Demut vor dem Bestand zu planen und die Identität der vorgefundenen Räumlichkeiten herauszuarbeiten. „Dieser Prozess ähnelt der Herstellung von Keramik: Die ursprünglichen Eigenschaften der Materialien und des Umfelds werden entschlüsselt und gestalterisch zum Ausdruck gebracht. So entstehen Räume, die in ihrer jeweiligen örtlichen Verankerung unverwechselbar sind“, beschreibt das Duo seine Arbeitsweise.
Verneigung vor der Geschichte
Bei der Modernisierung und dem Umbau des ikonischen Architektenwohnhauses zum Büro galt es, Vorhandenes zu erhalten und seine Kontinuität anzustreben. Hayashi hatte seine Innenräume einst vollständig in Holz gefasst, von den Deckenbalken über die Wandverkleidungen und Türen bis zu den Einbaumöbeln. Synthetische Materialien wurden konsequent vermieden, Raumteiler und Fenstersichtschutz aus Washi-Papier gefertigt.
Der ursprüngliche Ausbau war jedoch in die Jahre gekommen und wirkte im Spiegel eines aktuellen Ästhetikverständnisses eher rustikal. Mit wenigen Interventionen, die die Architektursprache, die Bauzeit und die Materialwahl respektieren, überführten die Architekt*innen von Symbolplus das Haus in eine neue Ära. Im Zentrum stand dabei die Transformation von einer Wohn- zu einer Arbeitsnutzung, bei der wohnliche Qualitäten bewahrt, aber auch Fokus und Austausch gefördert werden sollten. „Das Büro wird zu einem Ort, an dem sich Arbeit still entfaltet“, sagen die Gestalter*innen. „Es ist geprägt von seinem architektonischen Kontext, statt ihm aufgezwungen zu werden.“
Hinter papiernen Membranen
Zunächst öffnete das Team von Symbolplus die 67 Quadratmeter große Fläche auf zwei Etagen und baute die Räume auf ihr Holzskelett zurück. Anschließend wurde das neue Layout mit minimalinvasiven und materialehrlichen Lösungen umgesetzt. Einige der Außenwände sind jetzt verputzt, stehen mit einer farblich auf das Holz abgestimmten Nuance aber im Einklang mit dem Bestand. Dafür nutzten die Handwerker*innen rote Erde aus der Präfektur Ishikawa, die in mehreren Schichten aufgetragen wurde.
Die raumtrennenden Elemente folgen einer traditionellen Bauweise, bestehen aus feinen Holzrahmen und sind mit mehrlagigem, wiederverwertetem Washi-Papier bespannt. Sie wirken wie eine Membran, filtern das Licht diffus und sind leicht verschiebbar, um den Raum zu öffnen oder Bereiche abzuschirmen. Die Paneele trennen nicht nur die Schreibtische optional vom kommunikativen und gemeinschaftlichen Bereich des sogenannten „Salons“ ab, sondern verbergen auch Stauraum und Technik, wie den großen Multifunktionsdrucker, der bei Nichtbenutzung einfach hinter den auf Holzschienen gleitenden Papierwänden verschwindet.
Auf leisen Schienen
Das Lichtkonzept zeigt, wie spielerisch und zugleich sensibel die Planenden mit dem Erbe des Hauses und seines Architekten umgehen. Unter deckenmontierten Strahlern schweben Shoji-Paneele, die mit mehreren Lagen Washi-Papier bespannt sind. Zentral an einem hölzernen Drehgelenk gelagert, lassen sie sich schwenken. Bei hohem Lichtbedarf geben sie die Spots frei, während sie in waagerechter Position die punktuellen Lichtquellen in einen homogenen Lichthimmel verwandeln, der seitlich in die indirekt beleuchteten Wände übergeht. „Diese Details sind keine nostalgischen Gesten“, so Sho Watanabe und Satoshi Nobekawa. „Es sind funktionale Systeme, die es dem Büro erlauben, sich im Tagesverlauf atmosphärisch anzupassen.“
Auch die Raumstruktur folgt dieser Dynamik: Auf Schienen gelagerte Wände öffnen und schließen die Bereiche, schaffen Rückzugsorte oder ein fließendes Layout. So wird das Interieur von Rhythmus, Geometrie und Licht bestimmt – eine Verbeugung vor Akio Hayashi und seiner ästhetischen Intention, die in der Vergangenheit wurzelt und zugleich in die Zukunft weist.
FOTOGRAFIE Keishin Horikoshi Keishin Horikoshi
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