Im Geist der Sechziger
Ortsspezifischer Büroumbau von Christopher Sitzler und Gizzem Cinar in Hamburg
In einem denkmalgeschützten Bürogebäude aus den Sechzigerjahren gestalteten Christopher Sitzler und Gizzem Cinar eine zeitgemäße Arbeitswelt. Der Umbau interpretiert die Formensprache und Materialität des Bestands neu und entwickelt sie für heutige Anforderungen weiter.
Für das Unternehmen ng-voice in Hamburg planten die Berliner Architekt*innen Christopher Sitzler und Gizzem Cinar gemeinsam eine 520 Quadratmeter große Bürofläche. Die beiden kennen sich seit ihrem Architekturstudium am Karlsruher Institut für Technologie und bündelten bei dem Umbau in der Hansestadt erstmals ihre Schwerpunkte aus den Bereichen Architektur und Innenarchitektur. Ihr Konzept überzeugte den Bauherren durch einen grundlegend anderen Ansatz: Statt nur eine effiziente Belegung der Fläche anzustreben, nutzten sie die Qualitäten des Bürohochhauses aus dem Jahr 1964 und übersetzten diese in eine Arbeitsumgebung für die heutige Zeit.
Freiheit im Raster
Nach Auszug des vorherigen Nutzers wurde die Gebäudesubstanz saniert und etagenweise an neue Mieter vergeben. Beim Umbau mussten die bestehenden Kühldecken erhalten bleiben. Der Grundriss erlaubte jedoch eine Neuordnung innerhalb des gleichmäßigen Rasters von Tragwerk und Fassade. Das Ergebnis ist eine vielfältige Arbeitslandschaft mit offenen Bereichen, Besprechungsräumen und Rückzugsorten für konzentriertes Arbeiten.
Am Bestand orientiert
Die denkmalgeschützte Glas-Aluminium-Fassade mit ihren schlanken, bauzeittypischen Profilen spiegelt sich in den neuen Glas-Metall-Trennwänden wider, die an beiden Seiten des Entrees Besprechungsräume abteilen. Auch der frei stehende Kubus im Zentrum der Bürofläche wurde vollständig aus dem Trennwandsystem errichtet. Dadurch entsteht eine klare räumliche Struktur, ohne die Offenheit der Fläche zu beeinträchtigen. Neben der Fassade stehen auch das Treppenhaus und die Toilettenbereiche mit Einbauten aus dunklem Tropenholzfurnier unter Denkmalschutz. Deren Materialität und Detailausbildung wurden zur Inspirationsquelle für die neuen maßgefertigten Einbauten in Nussbaumfurnier.
Homogene Farbwelten
Das Material- und Farbkonzept ist keine Reproduktion der Sechziger, sondern schlägt eine Brücke zur Gegenwart. Grauer Nadelfilz bildet den zurückhaltenden Rahmen im Großraumbüro. Das von der Corporate Identity des Unternehmens abgeleitete Dunkelblau wurde für die Böden, Wände und Tischoberflächen in den Besprechungs- und Stillarbeitsräumen verwendet. Als Kontrast zu den gedeckten Farben erstrahlt die Nische an der Stirnseite des Großraumbüros in kraftvollem Senfgelb. Sie dient der Aktivierung in den Arbeitspausen. Zusammen mit dem modularen Sofa Superonda von Poltronova, einem Designklassiker der revolutionären Gruppe Archizoom aus dem Jahr 1967, und einer integrierten Gaming-Station dient der Bereich als informeller Treffpunkt innerhalb der Arbeitslandschaft. Die roten Glasfasermöbel in der Küche wiederum entwickelten sich aus den Farbtönen des verwendeten Noppenbodens und ergänzen das zurückhaltende Materialspektrum um eine weitere kräftige Farbe. Die Zuordnung der Farben zu den verschiedenen Funktionen im Grundriss und die jeweils einheitliche Gestaltung der Oberflächen erzeugen eine gut lesbare Identität der einzelnen Bereiche.
Statt historische Referenzen rein dekorativ zu reproduzieren, entstand aus dem Vorhandenen ein gestalterisches Narrativ für den Entwurf. Den beiden Architekt*innen Christopher Sitzler und Gizzem Cinar gelang es, die Atmosphäre der Bauzeit in einen zeitgemäßen Kontext zu übertragen.
FOTOGRAFIE Franz Grünewald Franz Grünewald
| Projekt | Büroetage in Hamburg |
| Auftraggeber | ng-voice |
| Entwurf | Christopher Sitzler und Gizzem Cinar |
| Gebäudetyp | Büro |
| Bauvorhaben | Umbau |
| Ort | Hamburg |
| Fläche | 520 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2026 |
Christopher Sitzler
sitzler.infoGizzem Cinar
gizzemcinar.comMehr Projekte
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