Flurfunk war gestern
Umbau einer Firmenzentrale in Berlin von brandherm + krumrey
Keine spektakuläre Form, sondern ein präzises Raumgefüge: Für den Berliner Hauptsitz von 4flow entwickelte brandherm + krumrey eine Arbeitswelt, in der Wege, Übergänge und Zwischenräume zu den eigentlichen Gestaltungsmitteln werden.
Für den Supply-Chain-Dienstleister 4flow war der Umbau der Berliner Firmenzentrale keine reine Modernisierung. Vielmehr sollte ein Arbeitsumfeld entstehen, das den Wandel des Unternehmens ebenso widerspiegelt wie seine heutige Arbeitsweise. „Bei den Räumlichkeiten handelt es sich um die Gründungsadresse von 4flow. Es ist ein Ort mit Unternehmensgeschichte, den wir neu interpretieren wollten“, erzählen die beiden Büroinhaberinnen Susanne Brandherm und Sabine Krumrey. Das Ergebnis ist eine offene Bürolandschaft, die unterschiedliche Arbeitsformen auf engem Raum miteinander verknüpft.
Flexible und vernetzte Räume
Das Unternehmen befindet sich in einem ehemaligen Verlagshaus im Ortsteil Charlottenburg, nahe der Spree und der Technischen Universität. Entworfen wurde der Industriebau mit seiner prägnanten expressionistischen Putz- und Klinkerfassade Mitte der 1920er-Jahre von dem Architekten Ernst Selge. Die neu konzipierten Räumlichkeiten von 4flow verteilen sich im Gebäude auf fünf Etagen und umfassen rund 4.000 Quadratmeter. „Wir wollten eine offene, flexible Landschaft entwerfen, die klassische Bürostrukturen hinter sich lässt und das Arbeiten stattdessen als vernetzten, dynamischen Prozess begreift“, erläutern Brandherm und Krumrey. Grundlage dafür war ein umfassender Masterplan, den das Architekturbüro 2022 als Gestaltungsrahmen für die verschiedenen Standorte des Unternehmens entwickelte. Dabei ging es einerseits darum, die bestehenden Flächen effizienter zu nutzen. Andererseits wollte man ein Raumkonzept schaffen, das ein flexibles Arbeiten ermöglicht und auch auf zukünftige Standorte übertragbar ist.
Von der Zelle zur Bürolandschaft
Dazu wurde das Berliner Stammhaus vollständig entkernt. Die ehemaligen Zellenbüros mit Flurerschließung ersetzte man durch eine fließende Bürolandschaft, in der laut Brandherm und Krumrey vielfältige Nutzungsszenarien möglich sind: „Arbeit ist heute kein statischer Zustand mehr. Sie ist geprägt von Bewegung, Austausch, Fokusphasen sowie spontanen Begegnungen. Büroräume sollten diese Dynamik aufnehmen, lenken und unterstützen. Das strukturiert Prozesse, fördert die Kommunikation und schafft Identifikation.“
Teil des Konzepts sind die Besprechungs- und Rückzugsbereiche. Sie wurden aus den eigentlichen Arbeitsplätzen herausgelöst, befinden sich aber trotzdem in unmittelbarer Nähe. Dadurch sollen kurze Wege zwischen Meetings, informeller Abstimmung und konzentriertem Arbeiten möglich sein. Zentrale Elemente sind ein Café und der sogenannte „Flow Market“. Letzterer befindet sich im vierten Obergeschoss und dient als frei bespielbare Fläche für Veranstaltungen, informelle Meetings und Teamformate. Der zuvor durch Brandschutztüren abgeschirmte Empfangsbereich im Erdgeschoss folgt dem Raumkonzept und öffnet sich dank großzügiger Glaswände zum Haupteingang des Gebäudes.
Vielschichtige Zonierung
Die eigentlichen Arbeitsplätze wurden unter anderem mit den se:lab e-desk- oder se:lab twin-Schreibtischen von Sedus versehen und als Inseln entlang der Fassade angeordnet. Sie sind von verglasten Boxen oder Raumgittern eingerahmt. Hinzu kommen loungeartige Bereiche mit Sofas und Sesseln, die als informelle Flächen in den Raum hineinwirken. In der Mittelzone befinden sich kleine Kabinen zum konzentrierten Arbeiten. Sie sind etwa mit dem Stuhlmodell crona von Brunner bestückt und wechseln sich mit Sitznischen ab.
Offene Regalsysteme und Vorhänge von Vescom oder Création Baumann sorgen für eine zusätzliche Zonierung. Während die Bestandsarchitektur mit ihren weißen Wänden einen zurückhaltenden Hintergrund bildet, erreichen die neuen Elemente dank ihrer Farbigkeit und Textur eine Belebung der Räumlichkeiten. So wurde das Mobiliar etwa mit den Stoffen Remix 3, Steelcut Trio 3, Re-wool 2, Field 2 von Kvadrat oder Breeze Fusion und Harmony von Gabriel versehen. Dadurch ergibt sich ein lebendiges Raumkontinuum, das trotzdem gefasst und gegliedert wirkt.
FOTOGRAFIE Maike Piorr
Maike Piorr
| Projektname: | 4flow Headquarter Berlin |
| Bauherr: | 4flow SE |
| Typologie: | Bürobau |
| Fläche: | 4.000 Quadratmeter |
| Projektteam: |
Susanne Brandherm, Andreas Jacob, Livia Chan, Janina Jäkel, Valeria Vysozki |
| Fertigstellung: | 2025 |
| Mobiliar: | se:lab e-desk, se:lab twin von Sedus; crona, Ray, Nate von Brunner; ID Soft von Vitra; Fender, Not von True Design |
| Textilien: | Remix 3, Steelcut Trio 3, Re-wool 2, Field 2 von Kvadrat; Breeze Fusion, Harmony von Gabriel |
| Vorhänge: | Rani, Tula, Teon, Corsica von Vescom, Sinfonia von Création Baumann |
| Leuchten: | BuzziSurf, BuzziHat von BuzziSpace; Rime von Muuto; Ringo Star, Midpoint von Lightnet |
Mehr Projekte
Stadt der Advocati
Erweiterung einer Anwaltskanzlei in Münster von studio eto
Lernen im Holzhybridbau
Bildungshaus NeckarPark von Glück + Partner in Stuttgart
Zwischen Atmosphäre und Funktion
Büroräume für eine Social-Media-Agentur in Berlin von RHO
Im Geist der Sechziger
Ortsspezifischer Büroumbau von Christopher Sitzler und Gizzem Cinar in Hamburg
Offen für Neues
Agiles Arbeitsumfeld im Continental-Headquarter in Hannover
Bunte Begegnungen
Shared Spaces im Bürobau M40 von Kinzo in Berlin
High Heels im Hochhaus
Aeyde-Headquarter in Berlin von Gonzalez Haase AAS
Yellow Submarine im Gewerbegebiet
Bürobau für Agrosemillas von Impepinable Studio in Spanien
Grüne Achse
Dschungel-Flur von Beyond Space in der Schweiz
Im Geist der Vergangenheit
Neugestaltung einer Bürofläche in Tokio von Symbolplus
Roter Riese
In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen
Neue Welt in altem Gewand
Blomus Headquarter in Sundern
Kulturaffine Büro-WG
Neues Office von Kinzo und Karsten Jahnke in Hamburg
Flurfunk und Fernsehturmblick
Tech-Büro im Haupttelegrafenamt Berlin von de Winder
Raum mit Reserven
Umbau von YONT Studio für das Musiklabel Seven in Berlin
Flexible Arbeitslandschaft am Hafen
Umbau der Maersk-Zentrale in Rotterdam
Schlichte Bühne für starke Bilder
Fotostudio-Interieur von Sapid Studio in Genf
Umbau mit Gütesiegel
Neue Arbeitswelt für den TÜV-Verband in Berlin
Vertikal verbunden
Neues Headquarter der Publicis Groupe in Shanghai von Ippolito Fleitz
Vertikal, vernetzt, und verantwortungsvoll
Hochhausensemble FOUR in Frankfurt von UNStudio
Lieblingsplatz mit Tiefgang
Lepel & Lepel bauen eine Büroetage im Duisburger H2 Office um
Neu aufgegleist
Umnutzung eines Ringlokschuppens in Osnabrück von Kresings
Alte Schule
Wohnlicher Co-Working-Space in London von Daytrip
Ab ins Beet
Bürolandschaft in Japan von DDAA für Kokuyo
Arbeiten im Penthouse
RHO gestaltet das neue Headquarter von Design Hotels in Berlin
Ganz der Kunst gewidmet
Atelier für eine Malerin in Germantown von Ballman Khapalova
Kreative Transformationen
Nachhaltiges Bauen mit regionalen Ressourcen und innovativen Produkten von JUNG
Lebendiges Labor
Umbau einer Büroetage zum dynamischen Testumfeld
Mehr Stimmung als Stromverbrauch
Innovative Beleuchtung von Fagerhult im Bol-Headquarter
Architektur zum Anbeissen
MoDusArchitects verwandeln das Loacker-Flaggschiff in Heinfels in eine räumliche Erlebniswelt