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Offen für Neues

Agiles Arbeitsumfeld im Continental-Headquarter in Hannover

Für das neue Continental-Headquarter in Hannover liefert Wilkhahn mit dem ikonischen „ON“-Drehstuhl ein zentrales Element der Arbeitswelt auf dem Campus. 1.000 Exemplare unterstützen ein Interieur, das Bewegung, Vernetzung und Flexibilität zum Prinzip macht.

von Tanja Pabelick, 03.06.2026

1871 als Gummiverarbeiter in Hannover gegründet, entwickelte sich die Continental AG zu einem wichtigen Reifenhersteller. Bis heute zählt das Unternehmen zu den weltweit führenden Automobilzulieferern. Inzwischen ist es ein Technologiekonzern mit zahlreichen Geschäftsbereichen. Über die Jahre entstanden verschiedene über die Stadt verteilte Niederlassungen und Zweigstellen, die nun an einem Standort zusammengeführt wurden, um Synergien zu bündeln. Das Architekturbüro HENN entwarf den neuen, in seinem Grundriss monumentalen Komplex für die 2.400 Mitarbeitenden und verantwortete gemeinsam mit der Ippolito Fleitz Group auch das Interieur – von der Cafeteria bis zum Workspace-Design. Der lang gestreckte Campus liegt am östlichen Stadtrand im Wissenschafts- und Technologiepark Marienwerder und verteilt sich in einer gebauten Linie auf zwei Grundstücke, die von einer achtspurigen Straße durchbrochen werden. Die Verbindung zwischen beiden Komplexen stellt eine 70 Meter lange Brücke her, die die Fahrspuren in Höhe der zweiten Etage überspannt. Durch ihr durchlaufendes Fensterband fällt der Blick nicht nur direkt auf den Asphalt, sondern auch ins Grün des angrenzenden Stadtwalds Eilenriede.

Folge dem Loop
Gemäß der DNA von Continental machte HENN den Motorsport zum architektonischen Metathema. In dessen Zentrum steht der sogenannte „Loop“ – eine dynamische Raumabfolge im zweiten Obergeschoss, die alle Gebäudeteile durch die Brücke hindurch vernetzt. Als „Schnellstraße“ bringt sie die Mitarbeitenden zusammen und bietet ihnen „energetische Tankstellen“ in Form von Ruhezonen, Kollaborationsräumen und Konzentrationsorten. An der Fassade ist der Verlauf des Loops durch ein Band aus gelb bedruckten Glaspaneelen markiert – in der Corporate Color von Continental. Gerade weil die Hauptaufgabe des Gebäudes in der Zusammenführung verschiedener Arbeitsbereiche und Abteilungen besteht, adressiert auch die Organisation des Campus die Vernetzung und Kommunikation der Mitarbeitenden. Ippolito Fleitz hat alle Wege entlang der Fassade platziert, sodass im Zentrum offene Flächen entstehen, die flexibel durch frei stehende Module mit unterschiedlichen Funktionen bespielt werden können. Die Fläche setzt sich aus Inseln zusammen, die mal zum informellen Plausch einladen, mal konzentriertes Arbeiten im Rückzug ermöglichen oder dynamische Konferenzsituationen herstellen.

Rückzugsräume im Open-Plan-Office
Continental hat sich dabei vom Konzept der Zuweisung von festen Arbeitsplätzen entfernt. Das Interieur ist ganz bewusst so gestaltet, dass sich die Kolleg*innen über den Tag und durch die verschiedenen Bereiche bewegen. Von den 1.200 Arbeitsplätzen bieten 600 die Möglichkeit des Desksharing, während 60 Meetingräume mit 600 Sitzplätzen klar auf Austausch ausgerichtet sind. Speziell für die Open-Plan-Zonen hat Ippolito Fleitz ein maßgeschneidertes Raum-im-Raum-System entwickelt. Wer Ruhe braucht, kann sich in ein schallgeschütztes Modul zurückziehen und dabei zwischen verschiedenen Größen und Ausstattungen wählen – von der Telefonbox bis zur Konferenzbox für mehrere Personen. Die Restaurant- und Cafeteriabereiche bieten darüber hinaus weitere Alternativen zum Schreibtisch und zum Raummodul. Sie sind nicht primär als Pausenzonen gedacht, sondern als hybride Orte, an denen man sich hinter Lamellenwänden, in Alkoven oder auf gut gepolsterten Abteilsitzen niederlassen kann.

Wilkhahns ON: Der Anti-Stillsitz-Stuhl
In Bewegung bringen die Mitarbeitenden auch die Stühle: Für die Arbeitsplätze entschied sich Continental für den ON von Wilkhahn, der dem hohen Designanspruch des Headquarters entspricht und besonderen Komfort bietet. 1.000 Exemplare stehen vor den Schreibtischen und können dank ihrer Rollen bei Bedarf schnell an andere Orte geschoben werden. Seit 2009 hat Wilkhahn den vom Designstudio Wiege gestalteten Drehstuhl im Programm. Seine Trimension®-Technologie macht Bewegungssitzen möglich: Schon kleine Gewichtsverlagerungen werden in Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsbewegungen übersetzt, während der Körper im Gleichgewicht bleibt. Weil die Einrichtung auf häufig wechselnde Nutzer*innen ausgelegt ist, wurde die Mechanik so angepasst, dass sich der ON unkompliziert neu einstellen lässt – unterstützt durch ein Sichtfenster mit Gewichtsskala. In einer Arbeitsumgebung, in der die stete Bewegung Teil des Konzepts ist, ist die Motivation zur Sitzbewegung die logische Konsequenz.

Mitgedachter Wandel
Die mobile Einrichtung des neuen Headquarters ist nachhaltig gedacht und auf schnelle Anpassungsfähigkeit ausgerichtet. „Die Modi der Arbeit befinden sich in einem permanenten Wandel, auf den mit flexiblen Raumkonzepten reagiert wird. Der konstruktive Aufbau der Arbeitswelten reduziert die baulichen Eingriffe auf das Nötigste. Ziel ist es, die Büroumgebung mit minimalinvasiven Maßnahmen an neue Anforderungen anzupassen“, erklärt Ippolito Fleitz. Die bewusst freigehaltene Mittelzone bildet das adaptive Herz des Bürogebäudes. Mobile Möbel auf Rollen, immer neu positionierbare Arbeitsplätze, verstellbare Sofainseln und die vielen Boxen und Alkoven ermöglichen eine bedarfsgerechte Neuordnung der Fläche. Ändern sich Arbeitsweisen, Teamgrößen und Projektanforderungen, können die Mitarbeitenden ohne bauliche Eingriffe neue Arrangements mit dem vorhandenen Mobiliar gestalten. Veränderung wird dabei nicht als Ausnahme, sondern als integraler Bestandteil des Nutzungskonzepts verstanden.

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Ippolito Fleitz Group

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HENN

Architektur / Interior Design für Atrien und Loop

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