Räume mit Haltung
Veranstaltungszentrum der Münchner Aids-Hilfe von INPULS
Auf rund 720 Quadratmetern hat das Büro INPULS einen Ort für die Münchner Aids-Hilfe geschaffen, der Solidarität, Professionalität und Diskriminierungsfreiheit räumlich erfahrbar macht – offen, einladend und mit einer klaren Identität.
Architektur kann insbesondere dort eine gesellschaftliche Rolle übernehmen, wo Menschen zusammenkommen. Die Räume der Münchner Aids-Hilfe sind deshalb weit mehr als nur funktionale Infrastruktur: Sie schaffen Platz für Begegnung, Austausch und Teilhabe – und tragen gleichzeitig dazu bei, Berührungsängste abzubauen. Klare Formen und eine Farbwelt aus kräftigen und zarten Tönen prägen die Gestaltung und verleihen dem neuen Veranstaltungszentrum eine einladende Atmosphäre. Dabei wurden alle Flächen so gestaltet, dass sie flexibel genutzt und vermietet werden können. Ein übergreifendes Gestaltungskonzept verbindet die unterschiedlichen Nutzungen. Im Mittelpunkt stehen drei Zonen, die zentrale Werte der Aids-Hilfe räumlich übersetzen: Inklusion, Aktivierung und Dynamik.
Inklusion als räumliches Prinzip
Zentraler Treffpunkt ist das Café Regenbogen, in dem die Idee der Inklusion unmittelbar spürbar wird. Als Ort zum Zusammenkommen, Essen und Austauschen lebt der Raum von einer lebendigen Mischung aus Farben, Materialien und Texturen. Inspiriert vom Regenbogen als Symbol für Inklusion und Akzeptanz, werden unterschiedliche Farbtöne und Oberflächen miteinander verwoben. So entsteht ein Interior, das die Vielfalt der Community widerspiegelt: Unterschiedliches darf nebeneinander bestehen und sich gleichzeitig zu einem harmonischen Ganzen verbinden. Das Café wird so zu einem Ort für Nähe, Solidarität und ein unkompliziertes Miteinander.
Aktivierung als Einladung
Eine zweite gestalterische Ebene bildet die Zone „Aktivierung“, die für Impuls und Bewegung steht und dazu auffordert, selbst ins Handeln zu kommen. Als Symbol dient die Aids-Schleife: ein vertrautes gesellschaftliches Zeichen für Solidarität und Engagement, das hier als rotes Gestaltungselement neu interpretiert wird. In Form farblich prägnanter Module markiert sie Funktionen im Raum, schafft Orientierung und weist auf Möglichkeiten zur Interaktion hin. So wird aus dem bekannten Symbol ein räumliches Zeichen, das Identität stiftet und Besuchende zugleich zur Teilhabe einlädt.
Dynamik für flexible Räume
Die dritte Zone steht für „Dynamik“ – für Bewegung, Wandel und die Möglichkeit, Räume immer wieder neu zu denken. Holz, helle Natur- und Rosatöne erzeugen eine warme, zurückhaltende und zugleich lebendige Atmosphäre. Eine flexible Möblierung erlaubt unterschiedliche Anordnungen und passt die Fläche an wechselnde Anforderungen an – für Workshops und Besprechungen ebenso wie für gemeinschaftliches Arbeiten. Der Raum wird damit zur wandelbaren Struktur, die von den Nutzer*innen mitgestaltet werden kann. Dieses Prinzip setzt sich im gesamten Haus fort. Im Obergeschoss bündeln Empfang, Büros und Ruhezimmer die organisatorischen Kernfunktionen der Aids-Hilfe: Mietbare Räume stehen Unternehmen für Meetings, Seminare oder Veranstaltungen zur Verfügung. Im Untergeschoss treffen Bereiche für eigene Arbeits- und Beschäftigungsprojekte auf einen weiteren Tagungsraum , eine Kleiderkammer mit Bügelstation für gespendete Kleidung, eine Waschküche und die Essensausgabe der Tafel. Vorhänge ermöglichen es, die Zonen je nach Bedarf zu öffnen oder voneinander zu trennen.
Mit dem neuen Veranstaltungszentrum ist ein Ort entstanden, der Sicherheit und Offenheit miteinander verbindet. Ein Ort, der Vielfalt, Verständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht nur thematisiert, sondern auch in seiner Gestaltung selbstverständlich verankert – und damit eine klare Haltung sichtbar und erlebbar macht.
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