Mehr als eine Hülle
Wie Dan Vakhrameyev die klassische Flugzeughalle neu definiert
Dass ein Hangar weitaus mehr bieten kann als maximale Spannweiten, hallende Stahlblechwände und zweckmäßige Industriebeleuchtung, zeigt der ukrainische Produktdesigner und Innenarchitekt Dan Vakhrameyev.
„Dieser Auftrag ist eines der anspruchsvollsten Projekte, die wir je umgesetzt haben“, fasst Dan Vakhrameyev die Konzeption des AEROTIM-Hangars zusammen. Er entwarf dort auf insgesamt 494 Quadratmetern einen hybriden Raumkomplex, der die Schnittstelle zwischen funktioneller Fläche und menschlichem Rückzugsort neu platziert.
Ungewöhnlich war schon das Profil des Auftraggebers: Timur Fatkullin ist ein ukrainischer Kunstflugpilot und Weltmeister im Akrobatikflug, der mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs eine auf Drohnenabwehr spezialisierte Luftverteidigungseinheit mit dem Namen AEROTIM gründete, für die er eine Basis suchte. Aber auch das Briefing für dieses Projekt war speziell: Der Aviatik-Pavillon sollte nicht nur als reine Wartungshalle und Stellfläche für Fatkullins Flugzeuge fungieren, sondern auch einen Aufenthaltsbereich für sein Team beherbergen und zudem noch in seiner Gesamtheit „äußerst ästhetisch gestaltet werden“.
Das Flugzeug als Hauptakteur
Um die komplexe Vision von Timur Fatkullin Realität werden zu lassen, setzte Dan Vakhrameyev zunächst auf eine sehr reduzierte, monotone Farbpalette, die von industriellen Grautönen, rohem Sichtbeton, Stahl und mattschwarzen Oberflächen dominiert wird. Durch diese Kombination schuf der Ukrainer eine ruhige, fast sakrale Atmosphäre, die die Flugzeuge wie Skulpturen auf einer Art Bühne inszeniert.
Ehrliche Materialsprache bis ins kleinste Detail
Für die Wandverkleidungen des Hangars wählte Vakhrameyev großflächige, zementgebundene Spanplatten, deren sichtbare Fugen bewusst an die Nietverbindungen historischer Flugzeugrümpfe erinnern. Um eine durchgängige Materialidentität zu schaffen, wurden aus denselben Paneelen auch Türen, Werkbänke und Regalsysteme gefertigt.
Auch für das Beleuchtungskonzept griff Dan Vakhrameyev das Konstruktionsraster auf: Lineare LED-Bänder entlang der Stahlträger der Halle sorgen für eine schattenfreie Grundausleuchtung, während punktuelle Spots Flugzeuge und Arbeitsbereiche gezielt ausleuchten. Tagsüber gelangt durch ein vertikal öffnendes Haupttor aus unbehandeltem Zink sowie einen lichtdurchlässigen Giebel aus Polycarbonat natürliches Licht in die Haupthalle mit einer Grundfläche von insgesamt 400 Quadratmetern.
Durchdachte Dynamik im Obergeschoss
Den typischen Grundriss einer klassischen Wartungshalle sprengte Dan Vakhrameyev allerdings durch eine 94 Quadratmeter umfassende „Crew Station“, die über eine Treppe erreichbar ist und die über der Haupthalle im Erdgeschoss zu schweben scheint.
Dort platzierte der ukrainische Designer und Innenarchitekt klar definierte Zonen um einen zentralen Besprechungstisch, die visuell miteinander verbunden sind. So führt in der „Crew Station“ eine durchgehende Fläche vom Küchen- über den Aufenthaltsbereich bis hin zu einem separaten Büro, einer Umkleide und einem Schlafraum mit Etagenbetten.
Das monochrom gehaltene Interior lockerte Dan Vakhrameyev durch dezente Farbakzente, Holzelemente und Stoffbezüge auf. Maßgefertigte Leuchten und Garderobenbänke aus Aluminiumabfällen, die bei der Konstruktion des Hangars entstanden, zeugen von Vakhrameyevs Bestreben, Materialverschwendung zu reduzieren.
Architektonisches Kontrollzentrum
Die „schwebende Crew Station“ zeichnet sich insbesondere durch eine rahmenlose Glasfront mit einem zentralen Schiebefenster aus, durch die der gesamte Hangar – wie aus einem Kontrollturm heraus – einsehbar ist. Ein überraschendes Detail bildet die vollverglaste Dusche, die selbst während der Körperhygiene eine ganz besondere Sichtachse auf das Treiben im AEROTIM-Hangar bietet.
FOTOGRAFIE Andriy Bezuglov Andriy Bezuglov
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