Projekte

Geschichtete Geschichte: Büroumbau in Gelb

Überlappung von Alt und Neu: Studio vom Architekturbüro CUAC in Granada.

von Tim Berge, 09.06.2017

Wie die Stadt, so das Büro. Wenn es nach dem spanischen Architekturbüro CUAC geht, könnte diese Theorie aufgehen. Die Planer haben ihr eigenes Studio in Granada aus einer Vielzahl recycelter Materialien mit Bezug zu ihrer Bürogeschichte gestaltet und gleichzeitig die alte Struktur und Spuren vormaliger Nutzungen offen gelegt. Diese charmante Überlappung von Alt und Neu findet sich auch im Stadtbild der andalusischen Hauptstadt wieder, deren Historie wohl zu den turbulentesten Europas gehört.

Granada ist eine Stadt, die im Laufe der letzten 2.500 Jahre mehrfach von unterschiedlichen Machthabern und Königen besetzt wurde. Die Spuren ihrer Geschichte sind bis in den letzten Winkel erlebbar: In vielen Schichten stapeln sich Überreste vergangener Imperien in dem Stadtbild übereinander und machen Granada zu einem Open-Air-Museum. Inmitten der malerischen Altstadt, die von Gassen durchzogen ist, befindet sich auch das Architekturbüro von CUAC, geführt von Tomás García und Javier Castellano. Von außen ist kaum zu erahnen, wie alt der Bau ist. Erst im Inneren des 146 Quadratmeter großen Ladengeschäfts bieten sich dem Betrachter historische Details, die auf das Entstehungsdatum im 19. Jahrhundert schließen lassen. Die noch verbliebenen Spuren der Geschichte wurden von den Architekten behutsam freigelegt und in ihr Gestaltungskonzept integriert: Die Dynamik von Historie und Nutzungsänderungen wird hier zum Greifen nah.

Neutrale Putzschicht
Für die neue Funktion als Architektur- und Grafikbüro haben die Planer das Ladengeschäft bis auf die Grundsubstanz entkernt. Dabei wurden die originalen Holzböden und -decken sowie die 60 Zentimeter starken Ziegelmauern freigelegt. Der historische Materialkanon bildet die maßgebende Tonlage der weiteren Gestaltungsmotive, die von den Architekten unmittelbar vor Ort entwickelt wurden. Die Wände beließen sie größtenteils in ihrem rohen Zustand – nur an einigen Stellen, wie im Besprechungsraum und Eingangsbereich, wurde eine glatte, weiße Putzschicht über den unteren Teil des Mauerwerks gezogen, um für etwas optische Ruhe und Neutralität zu sorgen. Die Decke, die durch sich nach unten biegende Holzbalken einen besonderen Charme besitzt, musste zum Teil durch eine Metallkonstruktion ersetzt werden. Diese fügt sich durch ihren temporären und baustellenartigen Charakter perfekt ein und rückt durch den starken Kontrast die historische Substanz in den Fokus.

Vertraut und fremd
Die Offenlegung historischer Schichten übertrugen die Architekten auch auf die Infrastruktur der neuen Büroräume. Wie eine abstrakte Landschaft aus gelben Kuben zieht sich ein Regalobjekt durch das gesamte Studio und verbindet die verschiedenen Bereiche. Gefertigt wurde die Installation, die zur Lagerung von Büchern, Plänen und Modellen dient, aus recycelten Schalungselementen einer nahegelegenen Musikschule, die CUAC gelb strichen. Neben den Holztafeln, die auch als Bodenfläche zum Einsatz kommen, wurden außerdem sechs Holztüren, Metallrollläden und Glaselemente verbaut, die aus dem alten Büro und anderen Abrissobjekten stammen. Damit transplantierten die Gestalter Elemente früherer Werke in das neue Büro, was zu einer spannenden Mixtur aus Alt und Neu sowie Vertrautem und Fremdem führt. Architektur als Geschichtenerzähler! 

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Links

Projektarchitekten

CUAC Arquitectura

www.cuacarquitectura.com

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