Architektur am Beckenrand
Vier Pools, die den Entwurf vollenden
Kaum ein Architekturelement weckt so viel Sehnsucht nach Urlaub wie ein Pool. Diese vier Projekte zeigen, warum die schönsten Becken nicht nur zum Schwimmen dienen, sondern auch die dazugehörigen Häuser entscheidend mitprägen.
Wer einen Pool plant, denkt meist zuerst an den Sommer. An heiße Tage, eine schnelle Abkühlung und lange Nachmittage am Wasser. In der Architektur spielt das Becken jedoch oft eine ganz andere Rolle. Es gliedert Räume, beeinflusst das Klima, lenkt den Blick oder erzählt sogar etwas über den Ort, an dem ein Haus steht. Die folgenden vier Projekte zeigen, wie unterschiedlich Architekturbüros Wasser in ihre Entwürfe integrieren. Mal wirkt der Pool wie ein gebautes Objekt, mal verschmilzt er mit dem Wohnraum oder wird zum Mittelpunkt eines Hofes.
Der Pool als Erinnerung – Wohnhaus Im Strom der Schwellen von Patrick Reuter Architektur
Bevor hier ein Haus stand, floss Wasser durch den Untergrund. Das Wohnhaus von Patrick Reuter Architektur steht auf einem ehemaligen Flussbett. Lehm, Löss, Fels und Rheinkies prägen den anspruchsvollen Baugrund, der aufwendig gesichert werden musste. Ausgerechnet hier wird Wasser erneut zum bestimmenden Element – allerdings nicht als Landschaft, sondern in Form eines streng gefassten Schwimmbeckens. Der schmale Pool liegt wie ein monolithischer Körper im Garten und greift die reduzierte Formensprache des Hauses auf. Von dem zentralen Wohnraum fällt der Blick direkt auf die ruhige Wasserfläche, die den fließenden Übergang zwischen innen und außen fortsetzt. So erinnert der Pool ganz beiläufig an die Geschichte des Ortes und wirkt zugleich wie ein selbstverständlicher Teil der Architektur.
Der Pool als Mikroklima – House at King's Cairn von Daniel Bär Architect
Mit seiner flachen Silhouette, den raumhohen Verglasungen und der engen Verzahnung von Innen- und Außenraum erinnert das Wohnhaus in North Berwick eher an ein kalifornisches Case Study House als an ein klassisches schottisches Landhaus. Nach außen gibt sich der eingeschossige Courtyard-Bau zurückhaltend. Erst hinter den Ziegelwänden öffnet sich ein geschützter Hof, um den sich die Wohnräume gruppieren. Sein Mittelpunkt ist ein flaches Wasserbecken. Es spiegelt Himmel und Baumkronen, bringt Bewegung in die streng komponierte Architektur und schafft zusammen mit den umlaufenden Hofwänden ein angenehmes Mikroklima. Anders als bei einem klassischen Swimmingpool steht hier nicht das Schwimmen im Vordergrund, sondern die räumliche und klimatische Wirkung des Wassers. Es mildert Temperaturschwankungen im windgeschützten Hof und macht den Außenraum zu einer ruhigen Erweiterung des Wohnbereichs.
Der Pool als Rückzugsort – La Fusteria von Clara Crous Arquitectura
Eine ehemalige Schreinerei im katalanischen Vilamacolum bildete den Ausgangspunkt dieses Umbaus. Statt spektakulärer Eingriffe setzte Clara Crous Arquitectura auf wenige präzise Veränderungen des Grundrisses, während die vorhandene Bausubstanz so gut wie möglich erhalten blieb. So entstand eine neu organisierte Raumfolge, an deren Ende ein kleiner Patio mit einladendem Wasserbecken wartet. Er bringt Tageslicht und frische Luft tief in das schmale Gebäude und schafft einen stillen Ort, der den entspannten Charakter des Hauses unterstreicht. Zwischen historischen Gewölben, Kalkputz und Terrakotta wirkt der Pool fast unscheinbar. Gerade das macht seinen Reiz aus. Er dient nicht der Inszenierung, sondern ergänzt den geschützten Rückzugsort des Patio – kühl, ruhig und angenehm selbstverständlich.
Der Pool als Baustein – Casa Eva von S-AR
In Puerto Escondido gehört das Leben im Freien zum Alltag. Die drei Wohnungen der Casa Eva sind als offene, übereinander gestapelte Ebenen eines Wohnregals organisiert, auf denen Küche, Essen und Wohnen in großzügige, überdachte Terrassen übergehen. Jede Wohnung besitzt ein eigenes Tauchbecken – und jedes davon hat eine andere Form. Die Pools bereichern damit nicht nur den jeweiligen Wohnraum. Als plastische Körper zeichnen sie sich zugleich an der Decke des darunter liegenden Apartments ab und prägen auch dort die Raumatmosphäre. Treppen, Küchen, Sonnenschutz und Wasserbecken folgen derselben architektonischen Logik und bilden so die Bausteine innerhalb des konstruktiven Rasters – fast wie Bauklötze im Spielzimmer. Der Pool ist hier weder Mittelpunkt noch Blickfang. Er gehört einfach dazu.
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