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Die Smartisierung der Waschzone

Wie viel Hightech braucht die Nasszelle? Antworten vom Axor Talk in München.

von Franziska Horn, 20.03.2017

Wie viel Hightech braucht die Nasszelle? Das fragte der Axor Talk mit dem Thema „Das neue Bad: Smart? Revolution?“ im Rahmen der MCBW. Die Antworten lieferten Bernd Eigenstetter von Phoenix Design, Stefan Hoske von Axor und der Designer Werner Aisslinger.

Lange Jahre stand die Küche als Lebensraum im Epizentrum der Gestalter – jetzt rückt das Badezimmer verstärkt in den Fokus. Doch wie intelligent oder smart soll es sein? Das fragte Katharina Altemeier die drei Diskussionsteilnehmer des Axor Talks in München, zu dem der Hersteller im Rahmen der alljährlichen Munich Creative Business Week (MCBW) geladen hatte.

Smart war gestern

Was bedeutet eigentlich „smart“? „Smart ist ein Wort von gestern“, findet Werner Aisslinger, „ein Schlagwort der Industrie, um eine Art Techno-Spielplatz zu umschreiben.“ Nur einen Steinwurf vom Podium entfernt zeigt eine Ausstellung Aisslingers Textiles Badbiotop aus grüner Pflanzenwand, Stoffwanne und Waschbecken. Inhaltlich wie formal ein deutlicher Gegenentwurf zu den üblichen kühlen Badwelten aus Marmor, Glas und Stahl. „Man muss Technik nicht bewundern“, meint Aisslinger. „Wir programmieren unser Bad per Smartphone, ebenso den Rest des Lebens, wischen über Touchscreens – aber diese Phase wird vorübergehen.“


The next big thing
Was nach dem Touchscreen kommt? „Die Sprache“, sagt Eigenstetter und meint das stimmliche Koordinieren von Gerät und Hausrat. Er zeigt sich von den Möglichkeiten der Digitalisierung und ihrem Servicecharakter überzeugt und merkt an, dass diese in asiatischen Ländern auf weitaus größere Akzeptanz treffen als in Europa, wo man beständig nach dem Mehrwert frage. Aisslinger hingegen „will der Technik nicht blind vertrauen“ – zu Recht, sie könnte uns schneller ändern als wir sie. Indem wir zum Beispiel stur Navigationssystemen folgen und uns nicht mehr selbst orientieren oder sprachlich verkümmern, weil wir nur per Chatbots, Hashtags oder Kurzbefehlen kommunizieren. „Eine höhenverstellbare Toilette macht Sinn, ein labernder Spiegel eher nicht“, findet Moderatorin Altemeier.

Sinnliche Nachhaltigkeit
Smart ist, Wasser zu sparen oder zu dosieren, darin sind sich alle Experten einig. Auch wenn es derzeit in der Branche en vogue ist, Wasser als sinnliches Erlebnis zu inszenieren. „Wasser spüren, ist etwas anderes, als gereinigt zu werden“, sagt Andreas Hoske. Aber wie passt der Hang zu unpersönlichem Hightech ins eher sinnliche Badebild? Ein echtes Spannungsfeld, noch dadurch erhöht, dass dem Badinterieur eine Lebensdauer von 15 Jahren zugesprochen wird, die zugehörige Technik aber oft schon nach einem Jahr überholt ist. „Kurzlebige Gimmicks machen keinen Sinn“, sagt Hoske. Selektive Smartisierung
Auch die Abhängigkeit von teuren Technik-Features und das Ansammeln privater Daten mitsamt möglichem Missbrauch durch Unbefugte, die in privateste Bereiche vordringen können, all das warnt uns vor der grassierenden Smartisierung der Waschzone. „So ziemlich alles wird heutezutage gehackt, das kann man nicht verhindern“, gibt Bernd Eigenstetter zu. Doch ebenso wenig mache es Sinn, sich der Technik entgegenzustellen, meint Aisslinger: „Es geht darum, zu selektieren.“ Was braucht der Mensch also im Bad? Hygiene-Funktionen wie selbstspülende Toiletten und selbstreinigende Klinken machen Sinn, finden die Experten. Und: „Ein Duschsystem ohne anfällige Elektronik“, das steht auch für Hoske im Fokus der Entwicklung.

Ein Plädoyer fürs Analoge

Die Digitalisierung ist längst Mainstream. Doch wo ein Trend, da ein Gegentrend: „Auch analoge Aspekte leben auf. Der Rasierpinsel ist wieder angesagt, der Plattenspieler auch und ebenso analoges Fotografieren“, sagt Hoske. Analog sei inzwischen das neue bio. "Ich bin Fan von alten Dingen, weil man sie noch unter Kontrolle hat“, so sein Statement. Wohin die Reise also geht? „Interface Design wird es immer geben, doch eher als analoges Interface“, sagt Aisslinger, der mit seinem Studio bereits an praktikablen Lösungen arbeitet.

Das Fazit der Runde? Was ist wirklich State of the (sm)Art? Dinge mit Tiefgang gestalten und Nachhaltigkeit leben, indem man Ressourcen schont und Produkte über lange Phasen reparabel hält, anstatt sie zu ersetzen. „Smart ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, kommt es prompt aus dem Publikum. Insgeheim ist der Axor Talk also ein Plädoyer für alles Analoge im Bad. Und die nächste wahre Revolution? „Die wird sich darum drehen, wie man Daten sichert“, prophezeit Aisslinger.

 

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