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Signaturen der Macht

Wie sich das Chefbüro mit Komfort und Haltung neu belebt

Büroeinrichtung ist nicht nur Büroeinrichtung. Sie ist immer auch ein Abbild von Hierarchien. Doch selbst im Chefbüro und auf Vorstandsetagen sind neue Zeiten angebrochen – vor allem, was die Bestuhlung anbelangt. Der Möbelhersteller Wilkhahn setzt in Executive Workspaces den Fokus auf Komfort und Taktilität.

von Norman Kietzmann, 01.12.2021

Macht kommt von machen. Das althochdeutsche Wort steht für Können, Fähigkeit oder Vermögen – Letzteres im Sinne von Aktivität, also im Stande zu sein, etwas zu tun. Will heißen: Wer Macht hat, ist selten untätig. Und das überträgt sich auch auf die Räume, von denen aus Firmen geleitet werden: auf die Vorstandsetage eines Großkonzerns oder auf das Chefbüro mitsamt des oft üppig zugeschnittenen Besprechungszimmers. Es sind Orte, deren Bedeutung sich in der physischen Umgebung ablesen lässt – auch wenn sich die Insignien der unternehmerischen Führungsebene grundlegend gewandelt haben.

Gravitationsfeld der Macht
Früher galt hier eine einfache Regel: Wer auf dem Stuhl mit der höchsten Lehne Platz nimmt, hat das Sagen. Die unverblümte Analogie zum Thron und Ausdruck frühzivilisatorischer Stammesriten hat sich lange in der Geschäftskultur gehalten. Zumindest in konservativen Branchen. Natürlich kann man nun einwenden, dass die Hierarchien in heutigen Businessmodellen immer weiter sinken und gerade in der Start-up-Szene alle Chef*innen auf den gleichen Stühlen und im selben Raum sitzen wie die übrigen Mitarbeitenden. Das mag in vielen Fällen stimmen.

Doch auch hier ist das Gravitationsfeld der Macht nicht gleichmäßig verteilt. Zumindest der Besprechungsraum genießt als Ort, an dem wichtige Entscheidungen getroffen werden, eine besondere Rolle. Und die überträgt sich auch auf die Möblierung. So kann die Rückenlehne in normaler oder hoher Ausführung gewählt werden – ganz gleich, ob tatsächlich nur eine Person herausgehoben werden soll oder alle Anwesenden in denselben Genuss kommen. Distinktion wird in diesem Sinne nicht als Abgrenzung, sondern als Gemeinschaft interpretiert – zumindest für die, die an der Runde teilnehmen dürfen.

Gesteigerte Taktilität
Es geht darum, sich in einer Führungsposition wohl zu fühlen. Komfort ist hier nicht gleichbedeutend mit fluffig-weichen Kissen, in denen man tief versinken kann. Die Sitzmöbel bewahren stets eine klare, aufrechte Haltung, ohne in puncto Bequemlichkeit Abstriche zu machen. Beim Sessel Graph, den das Stuttgarter Designerduo Jehs+Laub für Wilkhahn entworfen hat, sind die Polster alles andere als flächig geformt. Sie umspielen den Körper mit ausgewogener Plastizität.

Der Clou liegt im nahtlosen Übergang zu den Armlehnen, die die schwungvollen Konturen der Polster weiterführen und eine untrennbare Einheit mit ihnen bilden. Das Ergebnis ist eine Mixtur aus harten und weichen Elementen, eine Abwägung zwischen Gegensätzen – genau wie bei kniffligen Verhandlungen. Bei der Ausführung Graph Iconic Edition wird in die Sitz- und Rückenlehne eine zusätzliche Polsterschicht eingearbeitet und mit einer rautenförmigen Steppung vernäht. Das Ergebnis ist eine edle Reliefstruktur, die mit taktilen Qualitäten punktet.

Freiheit der Bewegung
Das Programm ON von Wilkhahn (Design: wiege) umfasst Drehstühle, die durch die Einzelführung der Schwenkarme eine stützende, dreidimensionale Beweglichkeit erlauben. Das fördert die Durchblutung und sorgt für zusätzliche Energie. Der Stuhl ist kein einengendes Korsett, sondern passt sich den wechselnden Positionen des Körpers an. Die edel verchromten oder polierten Schellen, die der Rückenlehne Halt geben, rücken das Möbel sowohl von vorne als auch von hinten ins rechte Licht. Die Verdoppelung der Schauseite ist vor allem im Konferenzbereich von Vorteil, wo vor allem die Rückenansicht der Möbel wahrgenommen wird. Bezüge aus handschuhweichem Anilinleder bringen eine edle und wohnliche Komponente ein.

Klare Silhouette
Auf eine formale Reduktion setzt der speziell für den Konferenzbereich entwickelte Sessel Sola von Wilkhahn. Der Entwurf des Hamburger Designers Justus Kolberg zeichnet sich durch die Addition von schmalen Polsterflächen aus. Ein Möbel, das alles andere als dick aufträgt, sondern sich mit einer auffallend schlanken Silhouette stimmig in jede räumliche Umgebung einfügt. Das vollständig aus Aluminiumdruckguss gefertigte Untergestell folgt einem Y-förmigen Zuschnitt. Die beinahe unsichtbar integrierte Wippmechanik stimuliert selbst träge Verhandlungsrunden mit neuem Schwung. Eine weitere Besonderheit ist die Verankerung am Boden. Sola kann – anstelle eines Fußkreuzes – auch in einem Schienensystem befestigt werden, das ein Vor- und Zurückgleiten des Möbels erlaubt. Integrierte Rückholfedern bewirken, dass sich die Sessel nach dem Aufstehen automatisch in präziser Reihung ausrichten.

Runde Sache
Das von Phoenix Design entworfene Sitzprogramm Intra von Wilkhahn sorgt auch visuell für Entspannung. Die Sitzschale ist organisch abgerundet, als ob sie einer Eierschale nachempfunden wurde. Die Mechanik lässt eine synchrone Bewegung von Sitzfläche und Rückenlehne zu. Jedoch ist sie völlig aus dem Blickfeld befreit. Der Stuhl soll zwar den Komfort einer Sitzmaschine einbringen, aber nicht nach einer solchen aussehen. Es geht um die Enttechnisierung des Sitzens. Das Möbel punktet mit wohnlichen Qualitäten, weswegen es mit einem Stoffbezug sogar stimmiger wirkt als in businesstypischem Leder. Subtil nach vorn ragende Ohren schirmen störende Geräusche ab. Sie wandeln jedoch weniger auf den Spuren von Opas Lesesessel, sondern erinnern eher an die Bestuhlung von eleganten Sportwagen aus den Siebzigerjahren. Auch eine Spur Space Age lässt sich in den fließenden Formen erahnen.

Immer in Veränderung
Was noch fehlt? Genau, die richtige Arbeitsunterlage. Zum Beispiel die passenden Tische zum Konferenzsessel Graph. Sie wirken in jedem Format wie aus einem Guss, wenn die schräg gestellten Beine sich übergangslos in die Aluminiumzargen fortsetzen und die Tischplatte mit ihren gewölbten Kanten fast schwerelos auf dem Gestell ruht. Oder das Tischsystem Versa, das Wolfgang C. R. Mezger für Wilkhahn entworfen hat. „Die Kunst bestand darin, ein modulares und veränderbares Tischprogramm zu gestalten, das nicht wie ein System aussieht, sondern wirkt wie aus einem Guss gemacht. Deshalb haben wir die Fußgestelle ähnlich wie ein Bildhauer als organische Skulpturen modelliert, die unten mit den ausgestellten Beinen für einen sicheren Stand sorgen und oben wie mit Armen und Händen die Platte tragen“, beschreibt der Designer seinen Entwurf. Die Verbindung zwischen Gestell und Platte lässt sich ohne Werkzeuge ver- und entriegeln, damit die Konfiguration der Tische in Minutenschnelle neu justiert werden kann. Das Tischprogramm ist für Chefbüros oder Konferenzräume auf Führungsetagen bestens geeignet. Denn: Je höher man in der Hierarchie nach oben steigt, umso beweglicher muss man bleiben. Macht kommt von machen. Nicht vergessen!

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