Viel Raum auf wenig Platz
Best of Interior Award 2026 geht an Ewich Innen Architektur
Ein steiles Restgrundstück, wenig Platz und ein knappes Budget: Ewich Innen Architektur hat daraus das Siegerprojekt des Best of Interior Award 2026 gemacht. Neben dem ersten Preis vergab die Jury sechs Anerkennungen – für Wohnräume von München bis Andalusien.
Wie jedes Jahr kam die Fachjury in den Räumen des Callwey Verlags in München zusammen, um aus zahlreichen Einreichungen die besten Entwürfe auszuwählen. Überzeugt haben Konzepte mit klugen Ideen, behutsamen Eingriffen und einem sicheren Blick für Farbe und Details.
Zur Jury gehörten der Vorjahressieger Christopher Sitzler, Johann Haidn (Vizepräsident & Schatzmeister bdia), Johannes Hünig (Leitung Haus & Bauen bei Schöner Wohnen), Angelika Müller (Verlagsleitung H.O.M.E.), Johanna Neves Pimenta (Chefredakteurin md), Petra Stephan (Chefredakteurin AIT), Ute Laatz (Freie Redakteurin, Autorin) und May-Britt Frank-Grosse (Chefredakteurin BauNetz interior|design).
Die schönsten 50 Wohnkonzepte wurden – wie bereits in den Jahren zuvor – in dem Bildband Best of Interior 2026 zusammengefasst, der am 29. Oktober 2026 erscheint. Ute Laatz hat gemeinsam mit der Mailänder Galeristin, Sammlerin und Trendsetterin Nina Yashar das Buch kuratiert und verfasst.
Rückzugsort am Hang
Den ersten Platz holte Ewich Innen Architektur mit einem Haus, das aus wenig Fläche viel macht: In Mömbris in Unterfranken standen die Architekt*innen mit einem schwierigen Restgrundstück in steiler Hanglage vor einer Herausforderung. Das Team fand eine durchdachte Lösung: Entstanden ist ein Wohnhaus für eine kleine Familie, das die knappen räumlichen und finanziellen Voraussetzungen nicht kaschiert, sondern in gestalterische Stärke übersetzt. Roher Beton, sichtbares Lehmziegelmauerwerk und ungeöltes Fichtenholz verleihen dem Haus eine ruhige, harmonische Atmosphäre. So verbindet das Hanghäuschen handwerkliche Substanz, Klarheit im Entwurf und hochwertige Details zu einem ebenso kompromisslosen wie warmen Rückzugsort.
Farben und Formen in München
Sechs weitere Projekte wurden von der Jury mit einer Anerkennung belohnt. Darunter eine großzügige Maisonettewohnung im Münchener Stadtteil Neuhausen, deren lang gestreckter Grundriss und Lage im Souterrain eine durchdachte Ordnung verlangten. Sebastian Zenker fand die richtige Balance. Es sollte nichts umgebaut werden, aber mit maßgefertigten Einbauten und einer mutigen Farbpalette gelang es dem Interiordesigner, den Bestand funktional neu zu strukturieren und zu zonieren. Spiegelflächen, die das Licht einer weitläufigen Fensterfront reflektieren, intensive Farben und eine geometrische Formensprache verleihen der Neubauwohnung Tiefe und Wärme: Das Ergebnis ist ein Zuhause, das Wohnlichkeit und Individualität miteinander verbindet.
Tulum ohne Klischees in Berlin
Das Projekt Penthouse Friedrich in Berlin startete einst als freie Rohbaufläche, die durch den Entwurf von Fabian Freytag zu einem einzigartigen Ort mit Rundum-Blick über die Stadt wurde. Ohne auf Klischees zurückzugreifen, wurde der Wunsch des Auftraggebers nach Referenzen zum mexikanischen Ort Tulum erfüllt. Naturstein, markant gemaserte Hölzer, spiegelnde Metallflächen und organisch geformte Elemente erschaffen eine Balance aus Urbanität und Sinnlichkeit. Der großzügige Wohnbereich bildet den offenen Dreh- und Angelpunkt des Penthouse und wird von ruhigen Gegenpolen kontrastiert. Das feine Gespür für Proportionen und Materialien macht die Wohnung zum zeitlosen Rückzugsort mitten in der Hauptstadt.
Oase in Brandenburg
Carlo Berlin verwandelte eine ehemalige Scheune im Brandenburger Forst in ein Feriendomizil, das den Geist des Orts sensibel aufnimmt und in eine zeitgemäße Wohnwelt übersetzt. Statt den Bestand zu überformen, setzt das Projekt auf den respektvollen Dialog mit der vorhandenen Struktur: Lehmputz und naturbelassenes Holz geben den Ton an. Eine natürliche Farbpalette aus sanften Sand- und Terrakottatönen trägt zu einer stillen Klarheit und Erdung im Interior bei. Eine starke Verbindung von Innenraum und Landschaft macht das Projekt zur erholsamen Oase.
Winzerhäuschen als Refugium
In der Südsteiermark gingen Gangoly & Kristiner Architekten einen ähnlichen Weg: Ein kleines Winzerhäuschen wurde von An-, Um- und Zubauten befreit und in schlichter Einfachheit mit ortstypischen Materialien in ein Wochenendhaus verwandelt. Prägende Bauteile aus dem Bestand wie die Scheunentür, die Rauchküche, Sandsteinplatten und das Gebälk wurden in das Konzept integriert und mit gedeckten Farben sowie natürlichen Materialien kombiniert. All das wird von einer unprätentiösen Hülle aus Holzverkleidungen, Lattengittern und Klappläden in Graunuancen eingerahmt. Tradition und Gegenwart werden mit einer großen Leichtigkeit verbunden.
Das bewohnte Showhouse
In Andalusien realisierte Kirsten Scholz Architecture & Interior Design ein Ferienhaus mit einer offenen Raumstruktur, das zwei private Wohnbereiche über ein großzügiges Zentrum aus Koch-, Ess- und Wohnzimmer miteinander verknüpft. Internationale Designstücke, Kunst und eigens entworfene Elemente prägen das Interieur, das als privater Rückzugsort, aber auch als Showhouse für Hersteller von Fliesen, Wandfarben, Möbeln und Wohnaccessoires genutzt wird.
Lichtdurchflutete Lösung
Moritz Schrödl und Laura Hattrup von The Architecture Company entwarfen im bayerischen Nandlstadt in der Hallertau ein Haus, in dem Licht zum zentralen Thema wird. Durch lange Blickachsen, gezielte Öffnungen und drei große Oberlichter spielt es die Hauptrolle im Innenraum. Das Gebäude verbindet handwerkliche Tradition und moderne Rauminszenierung in einem gelungenen, zurückhaltenden Projekt.
Schließlich wurde noch José Campos aus Porto mit dem Fotografiepreis geehrt. Mit seiner Kamera hat der portugiesische Fotograf Licht, Oberflächen und Proportionen in einem Bau von Philipp Architekten geschickt in Beziehung gesetzt.
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