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Die Mischung macht’s

Ein Besuch auf der Pariser Designmesse Matter and Shape

Luxus und Design, Handwerk und Industrie: Die dritte Ausgabe der Matter and Shape setzte auf einen ungewöhnlichen Ausstellermix und ein ansprechendes Ambiente mitten in Paris. So wird Messe zum Vergnügen.

von Jasmin Jouhar, 11.03.2026

Matter and Shape ist eigentlich alles, was eine Designmesse normalerweise nicht ist. Die Pariser Schau beschränkte sich auch bei ihrer dritten Ausgabe nicht auf eine bestimmte Branche, etwa auf Wohn- oder Büromöbel oder Küchen. Im Gegenteil: Von Möbeln und Leuchten über Textilien und Tableware bis hin zu Wandhaken, Bilderrahmen, Lautsprechern und Steckdosen ging es einmal quer durch die Einrichtung, erweitert um Schmuck und Düfte. Die Auswahl war wie gemacht, um einen Concept-Store zu bestücken. Viele der Präsentationen wirkten wie kleine Ausstellungen, oft entstanden durch Kooperationen mehrerer Brands oder durch die Zusammenarbeit von Designer*innen und anderen Kreativen.

Im Herzen von Paris
Statt in riesigen, stickigen Messehallen im Vorort präsentierten sich die rund 70 Aussteller an vier Tagen in zwei hellen Zelten, wunderbar gelegen mitten im Tuileriengarten am Louvre. An den Ständen waren auch keine Anzugmenschen zu sehen, die auf Messen sonst ihre Order schreiben oder jovial per Handschlag Geschäfte besiegeln. Ein internationales, junges Publikum flanierte gepflegt durch die Zelte – fast wie durch ein Museum.

Matter and Shape nennt sich selbst ganz elegant „Salon“, Französisch für Messe, und sucht mit dem Termin Anfang März parallel zur Fashion Week die Nähe zur Mode- und Luxuswelt. Und nicht etwa zur Einrichtungsbranche, die in Paris ja schon zwei feste Termine hat, mit der Maison & Objet im Januar und September. Nicht zuletzt hat Matter and Shape ein Gesicht: Es ist der künstlerische Direktor Dan Thawley, der als Kurator und Vernetzer die Verantwortung für den gesamten Auftritt trägt.

B2B im Fokus
Aber natürlich ist die Veranstaltung eine Designmesse: Es geht darum, Produkte zu verkaufen. „Matter and Shape ist eine B2B-Messe“, sagt Dan Thawley im Interview. „Es ist kein Ort für Prototypen, für nichtrealisierte Projekte oder ähnliches. Wir sind hier, um für unsere Aussteller Handel zu generieren.“ Matter and Shape gehört zum französischen Messeunternehmen WSN, das vor allem in der Modebranche aktiv ist. „Durch unsere Verbindung zu WSN und seinem Netzwerk haben wir Kontakte zu großen Kaufhäusern und Luxusboutiquen weltweit. Viele unserer Projekte passen in solche Geschäfte. Gleichzeitig sind wir im Zentrum von Paris – alle Dekorateure, Interiordesigner und Architekturbüros können vorbeikommen und ihre Lieferanten besuchen“, erklärt Thawley, der auch als freier Kreativberater für Modemarken arbeitet.

Zum Konzept gehören ein Fine-Dining-Restaurant und zwei Cafés, wo sich Aussteller*innen mit Einkäufer*innen, Trendscouts und Journalist*innen treffen können. Zudem gibt es einen Shop und ein Talkprogramm. In diesem Jahr war das Architekturbüro JA Projects mit Sitz in London und New York für die Ausstellungsarchitektur verantwortlich. Die Aufgabe, temporäre Räume ansprechend und hochwertig zu gestalten, ohne eine Materialschlacht zu entfesseln, haben der Architekt Jayden Ali und sein Team gut gelöst – auch wenn die Hanfbausteine der Sitzbänke und Tresen schon nach einem Tag zu bröseln begannen.

Editorialer Ausstellermix
Was Matter and Shape noch von anderen Designmessen unterscheidet, ist der besondere Ausstellermix, den der Journalist und ehemalige Magazinmacher Dan Thawley „editorial“ nennt. „Wie wenn man durch ein Magazin blättert“, beschreibt der gebürtige Kanadier das Portfolio. Dahinter steht die Idee, dass die Messe ihre Besucher*innen inspirieren möchte – über das konkrete Produkt hinaus. An den Ständen mischte sich deshalb auch in diesem Jahr wieder Luxus mit Design und Handwerk mit Industrie. Traditionsreiche Unternehmen wie die Glasmanufaktur Lobmeyr, der Besteckhersteller Pott oder die skandinavischen Klassiker Marimekko, Iittala und Georg Jensen trafen auf jüngere Marken wie Frama aus Kopenhagen oder Very Simple Kitchen aus Italien.

Naturgemäß gab es eine starke französische Präsenz, unter anderem mit Collection Particulière, Fassen, Garnier & Linker und Robinson Edition. Dazu gesellte sich eine Reihe von Design- und Interiorstudios, die zugleich eigene Kollektionen produzieren, darunter am prominentesten sicher der Designableger vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron. Auch Neuentdeckungen wie das Leuchtmittel-Startup iiode aus der Schweiz und Chapelle Industry waren dabei und nicht-kommerzielle Akteure wie die Arp-Stiftung oder die französische Möbelinstitution Mobilier national.

Kuratierte Inszenierungen
Weil auf den relativ kleinen Standflächen der Platz fehlte, um das ganze Produktportfolio auszubreiten, waren viele der Präsentationen fokussiert oder von einem speziellen Konzept getragen – wozu Matter and Shape auch explizit anregt. So beauftragte Lobmeyr den italienischen Regisseur und Interiordesigner Luca Guadagnino mit der Gestaltung des Stands. Dieser brachte Möbel vom italienischen Architekten Guglielmo Ulrich aus seiner eigenen Sammlung mit und stellte die feinen Gläser vor einer Moiré-Seidentapete aus.

Bei Pott arrangierte die Designerin Charlotte Taylor jeden Tag eine neue Tischlandschaft mit Lebensmitteln und Porzellan von KPM, um die Bestecke in Szene zu setzen. Harry Nuriev von Crosby Studios wiederum konzipierte für Boccis Steckdosenlinie 22 System eine spielerische Installation. Die österreichische Fliesenmarke Karak tat sich mit dem Berliner Glaslabel Moonarij für eine kontrastreiche Präsentation zusammen, bei der mattschwarze Fliesen auf farbige Glasvasen trafen. Eines der Highlights war sicher Marimekkos Auftritt. Das Designteam hatte eigenhändig Teile des Archivs mit dem Lastwagen von Helsinki nach Paris gebracht und erklärte Interessierten alte Stoffentwürfe und Farbmuster.

Ein Tag auf der Matter and Shape – mehr Zeit braucht es nicht – ist wie eine mögliche Antwort auf die seit Jahren virulente Frage, welche Messe- und Eventformate in der Einrichtungsbranche eigentlich noch funktionieren. Statt groß, unübersichtlich und beliebig geht es auch überschaubar und pointiert, kulturell aufgeladen und zumindest hin und wieder 
überraschend. Natürlich ist die Auswahl der Aussteller klein und nicht repräsentativ, aber der Besuch ist allemal ein Vergnügen – und das ist mehr, als man über die meisten anderen Messen sagen kann.

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