Wenn ein Künstler baut
Olafur Eliasson, Zeremonienmeister der körperlosen Stoffe, hat sein erstes Haus gebaut.
Olafur Eliasson, Künstler und Zeremonienmeister der körperlosen Stoffe, hat sein erstes Haus gebaut – eine sakrale Burg, die am Ufer des dänischen Vejlefjord steht.
Er ist bekannt für seine Arbeiten mit Nebel, Licht oder Düften, mit körperlosen Stoffen also. Jetzt hat der Künstler Olafur Eliasson sein erstes Gebäude entworfen: eine Backsteinburg im Fjord vor Vejle. Mit dem Architekten Sebastian Behmann und dem Studio Olafur Eliasson realisierte er in der dänischen Hafenstadt einen neuen Firmensitz für das Investmentunternehmen Kirk Kapital.
Das 28 Meter hohe Fjordenhus steht im Wasser und besteht aus vier ineinander verschränkten Zylindern – in der Aufsicht sehen sie aus wie Zahnräder. Aus den Zylindern haben die Planer parabelartige Öffnungen geschält, die sich über zwei Geschosse erstrecken. Der Korpus wirkt organisch, beinahe wie ein Baum, der seine Wurzeln ins Wasser reckt. Die Rundbögen verleihen ihm gleichzeitig einen sakralen Charakter, während das Material Backstein und das Setting im Wasser an mittelalterliche Burgen erinnern. Auch klassische Hafenarchitektur schwingt im Erscheinungsbild des Fjordenhus mit.
Mit Traditionen brechen
Der Bau besteht komplett aus Backsteinen. Doch die traditionelle Struktur brechen Eliasson und das Architektenteam auf: Kein Stein gleicht dem anderen, teilweise sind sie glasiert, teilweise nicht und sie haben ein breites Farbspektrum, das sich in Braun-, Beige-, Blau-, Grün- und Grautönen bewegt. In den klassischen Läuferverband sind zudem immer wieder sichtbare Stolpersteine integriert – runde und quadratische Steine haben sich wie kleine Flicken dazwischen gemogelt.
Die Mitarbeiter von Kirk Kapital erreichen ihren neuen Arbeitsplatz entweder über eine Fußgängerbrücke oder über einen Pier, den der Schweizer Landschaftsarchitekt Günther Vogt entworfen hat. Dort angelangt, werden sie zunächst von einer offenen Eingangshalle empfangen, in der Kunstwerke von Olafur Eliasson platziert sind – ein luftiger Ausstellungsraum.
Im Inneren des Baus setzt sich der organisch-sakrale Stil der Architektur fort. Eliasson und sein Team haben auch hier nichts dem Zufall überlassen. Licht und die Möbel haben sie ebenso passend für die Räume ohne gerade Wände entworfen. Selbstverständlich ist das Team von Kirk Kapital auch von Kunstwerken des Künstlers umgeben. Sie verbringen ihre Mittagspause an kreisrunden Tischen unter einer Decke mit kreisrunden Leuchten. Im Konferenzraum gibt es einen schönen Effekt: Eine durchsichtige Kugel steckt in der Decke und öffnet sie für das Tageslicht. Darin ist ein Gespinst kleiner Segel angebracht, das mit dem Tageslicht Muster aus Licht und Schatten auf den Konferenztisch wirft.
Organische Formen, Licht und Wasser durchdringen die Architektur und das Interieur des Fjordenhus – körperlose Stoffe sind also auch in Eliassons Architektur präsent. Weil er den Bau ins Wasser gestellt hat, setzt dieser sich darin als Spiegelung fort und löst seine feste Form in der Bewegung des Wassers wieder auf. Manchem mag das zu esoterisch sein, aber es ist konsequent.
Projektarchitekt
Sebastian Behmann mit Studio Olafur Eliasson
Fjordenhus
Auftraggeber: Kirk Kapital / Ort: Vejle, Dänemark / Eröffnung: 9. Juni 2018
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