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Metallische Metamorphosen

Interiors mit Aluminium, Stahl & Co

Metal-Festival im Innenraum: Nicht nur das Skelett eines Gebäudes oder seine Fassade können aus Metallen bestehen – auch im Interiordesign spielen diese zeitlosen, nahezu unverwüstlichen Werkstoffe eine wichtige Rolle. Wir haben uns mit AAS Gonzalez Haase, Ply Atelier und de Winder Architekten über ihre metallischen Materialfavoriten und die dazugehörigen Projekte unterhalten.

von Stella Hempel, 29.03.2021

Die Materialrecherche eines Architektur- oder Designbüros gestaltet sich recht unterschiedlich. Mal wird gezielt nach einem Problemlöser für eine spezielle Raumsituation gefahndet, mal führt ein Zufallsfund zu ganz neuen Innenausbauideen. Metalle gehören ebenfalls zur Materialpalette und kommen in großer Vielfalt daher: als silbern glänzender Edelstahl oder als Buntmetall in warmen Nuancen, mit geschliffener, eloxierter oder lackierter Oberfläche.

Metalle können – in Form von Gittern oder Geweben – erstaunlich leicht und luftig wirken. Sie lassen sich als hauchdünne Schicht verarbeiten oder in einen Spiegel verwandeln. Bei unserer Suche mit dem Metalldetektor sind wir auf spannende Projekte gestoßen. Hier berichten drei Architektur- und Designbüros von Gestaltungskonzepten mit ihrem aktuellen Lieblingsmaterial.

AAS Gonzalez Haase, Judith Haase und Pierre Jorge Gonzalez

Welches Material möchten Sie vorstellen? Das Isoliermaterial Aluthermo Quattro von Aluthermo. Es ist eine multireflektierende, dünne Isolierung aus reinem Aluminium, die über die gesamte Fläche thermisch verschweißt ist. Das Produkt besteht aus vier gegen Oxidation behandelten Schichten aus Reinaluminium und drei trockenen und stabilen Luftschichten. Letztere sind von einer widerstandsfähigen, feuerhemmenden und wasserabweisenden Polyethylenfolie umschlossen. Das Material wird üblicherweise zur Dachabdichtung, für die Isolation und als Dampfbremse verwendet.

Wie sind Sie auf das Material gestoßen? Wir haben nach einem speziellen Material gesucht, das Licht reflektiert.

Was gefällt Ihnen an dem Material? Dass es ursprünglich aus einem anderen Kontext stammt. Wir setzen es als fertige Oberfläche ein und das schafft einen Moment der Verunsicherung.

Bei welchem Ihrer Projekte haben Sie das Material verwendet? Beim Balenciaga-Showroom in Paris. Und beim Fashion-Showroom Tem-plate in Lissabon.

Sind weitere Projekte mit diesem Material in Planung? Ja, ein Projekt mit dem Material ist zurzeit noch in Planung: Das Sportstudio Hagius, das 2021 in Berlin eröffnen soll.

Ply Atelier, David Einsiedler und Daniel Schöning

Welches Material möchten Sie vorstellen? Spiegelpoliertes Edelstahlblech – 1,5 Mil­li­me­ter stark – ist kein neu entdecktes und kein Material, das einem bestimmten Hersteller zuzuordnen ist. Es wird als bruchsicherer Spiegel in Kindergärten oder Schulen eingesetzt und wird als Metallhalbzeug industriell gefertigt und vertrieben. Alternativ haben wir das gleiche Blech auch in K (Korn) 240, also mit geschliffener Oberfläche, eingesetzt.

Bei welchem Ihrer Projekte haben Sie das Material verwendet? Wir haben die Büroflächen der Ramboll Deutschland GmbH in Hamburg entworfen und umgesetzt. Edelstahlbleche wurden hier in zwei Situationen als Wandbekleidung eingesetzt: Im Eingangsbereich haben wir Wände mit spiegelnd polierten und matt gebürsteten Blechtafeln belegt. Der Hauptzugang in die Bürofläche liegt mittig im Gebäude an einer äußerst unattraktiven Stelle. Man betritt das Office in einem dunklen Bereich mit Blick auf eine Brandabschnittswand mit Serverraum und Stahltür. Wir haben auf diese Situation reagiert, indem wir eine diagonale Wand gestellt haben, die einen vollflächigen Spiegel bilden sollte, der Eintretenden Tresen, Küche und Tageslicht zeigt. Die Idee der Spiegelwand ist also aus einer räumlichen Not heraus entstanden. Da sie zeigen sollte, dass sie ein Spiegel und kein realer Raum ist, haben wir sie aus einzelnen Blechtafeln entworfen, die ein diffuses Spiegelbild erzeugen.

Wo haben Sie das Material noch verwendet? Da wir ein Motiv gerne wiederholen, haben wir das Edelstahlblech als Spiegel noch auf andere Art verwendet: Wir haben es im Bereich der als Telefon- oder Besprechungsboxen eingestellten Räume eingesetzt. Hier im Übergang der Holz-„Fassade“ der Boxen zur Betondecke hin. Das hat den Effekt, dass die Betondecke scheinbar über die Boxen hinweg verläuft.

Wie sind Sie auf das Material gestoßen? Wir arbeiten gerne mit ursprünglichen Materialien. Deshalb gehört jede Art von Metall – ebenso wie Glas, Stein, Beton oder Holz – zu unserem Handwerkszeug und Edelstahlblech in verschiedenen Oberflächenbehandlungen ist uns schon immer bekannt. Hier stand die Suche nach einem spiegelnden Material im Vordergrund – und so sind wir auf Stahlblech gestoßen.

Was gefällt Ihnen an dem Material? Uns war von Anfang an klar, dass wir keinen Glasspiegel einsetzen möchten, sondern ein Material benötigen, das in seiner Materialität eigenständig bleibt – also nicht nur ein Spiegelbild zeigt, sondern auch einen starken Eigencharakter behält. Die Idee, einzelne Blechtafeln zu verwenden, war die Lösung. Die Einzeltafeln führen dazu, dass man sich doppelt sieht oder es zu Verzerrungen kommt. Der ganz besondere Effekt, den wir so gar nicht erwartet hatten, ist der des Lichts: Die Lichtreflektionen auf der Bodenfläche vor der Wand sind ein unerwartet schöner Nebeneffekt, der Spannung und Wärme erzeugt.

De Winder Architekten, Claudia und Klaus de Winder

Welches Material möchten Sie vorstellen? Unser Lieblingsmaterial ist zurzeit Stahlmetallgewebe, das wir verschiedenartig einsetzen, zum Beispiel in Form eines Streckmetalls – beziehungsweise Mesh. So verwenden wir auch Stahlstreckmetall des Herstellers MEVACO, das in diversen Mustern und Formen erhältlich ist.

Wie sind Sie auf das Material gestoßen? Wir haben es auf Messeständen und im Internet gesehen, bei temporären Bauten, Fassaden, Kunst und Installationen.

Was gefällt Ihnen an dem Material? Es ist zugleich opak und trans­lu­zent. Außerdem gefällt uns seine vielfältige Kom­bi­nier­bar­keit – vor allem mit weichen Materialien, als Gegenspieler. Das Streckmetall schafft schöne Kontraste und Akzente im Raum. Es ist eloxierbar oder farbig lackierbar, nach RAL oder NCS. Uns gefällt aber auch seine Materialechtheit, wenn es in seiner Rohform – zum Beispiel in Kupfer – verwendet wird. Es ist vielseitig einsetzbar, sowohl im Raum als auch im Detail, für lose Möbel oder feste Einbauten.

Bei welchem Ihrer Projekte haben Sie das Material verwendet? Bei unserem Projekt Etventure in Berlin haben wir das Streckmetall mehrfach eingesetzt, am eindrucksvollsten in der von uns entworfenen, modularen Sitzlandschaft für den Wavespace im fünften Obergeschoss. Wir haben es aber auch für optische Verkleidungen und Türelemente beim Empfangscounter und im Prototyping Lab verwendet.

Haben Sie das Material auch schon anderenorts eingesetzt? Bei weiteren Projekten haben wir ebenfalls Metalle angewendet, allerdings von anderen Herstellern. Im Büro von Nexenio in Berlin haben wir die „Phone Booths“ mit Kupfertischplatten ausgestattet. In der Kanzlei Noerr in Hamburg gibt es Heizungsverkleidungen aus Alu-Metallgewebe. Und beim Projekt Hypoport in Berlin haben wir das Material als fertiges Deckenelement eingesetzt.


Weitere Materialempfehlungen von Design- und Architekturbüros finden Sie hier.

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