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Salone del Bagno: Gezähmte Elemente

Ein Faible für von der Natur inspirierte Oberflächen macht sich als sichtbare Entwicklung im Badezimmer bemerkbar.

von Katharina Horstmann, 19.04.2016

Klare Formen in klaren Materialien: Der diesjährige Salone del Bagno zeigte sich von seiner natürlichen Seite. Mit Entwürfen, die sich zumindest formal der industriellen Produktion von Massengütern entgegensetzen und beweisen, dass auch serielle Produkte einen individuellen Charakter besitzen können.

Manche Dinge liegen auf der Hand, und trotzdem erlauben sie es, wiederentdeckt zu werden. Ein Beispiel ist die Verbindung zwischen Wasser und Ton. Kulturgeschichtlich gehört der Werkstoff zu den ältesten Materialien, die zur Herstellung von Wassergefäßen verwendet wurden, und auch heute zählt er zu den primären Rohstoffen bei der Fertigung von Waschbecken und Sanitärprodukten. Als der Berliner Designer Werner Aisslinger Ende letzten Jahres von Axor eingeladen wurde, für die Reihe Water Dream 2016 einen Armaturenauslauf zu gestalten, und das mit nahezu jeder Freiheit hinsichtlich Material und Form, fand er es nur naheliegend, auf eben jenen archaischen Rohstoff zurückzugreifen und ein Objekt aus Ton zu kreieren.

Diversität an Materialien
Das Resultat, ein brunnenähnliches Konstrukt mit dem Namen The Sea and the Shore, wurde im Rahmen des Salone del Bagno vergangene Woche neben vier weiteren Entwürfen von David Adjaye, Front, GamFratesi und Jean-Marie Massaud vorgestellt. Ausgangspunkt aller Projekte war der universale Armaturensockel U-Base, der schon für den Auslauf von Axor Starck V verwendet wurde. Das auffälligste Augenmerk der präsentierten Prototypen ist die Vielfalt der verwendeten Ausgangsmaterialien, deren Beschaffenheit den jeweiligen Gestaltungsansatz betont. So fand das dänisch-italienische Duo GamFratesi Inspiration in traditionellen japanischen Holzbrunnen und fertigte einen minimalistisch gehaltenen Korpus aus Eichenholz an, während der französische Designer Jean-Marie Massaud für seinen bildhauerisch anmutenden Entwurf hellen Marmor wählte.

Ein Faible für von der Natur inspirierte Oberflächen machte sich auf dem gesamten Salone del Bagno als sichtbare Entwicklung im Badbereich bemerkbar. Die auf der Messe gezeigte Vielzahl an Harthölzern, Natursteinen, Metallen und Keramik in bisher selten gesehenen Kombinationen oder ungewöhnlichen Konzepten verdeutlichte, dass mithilfe neuer technischer Möglichkeiten nicht alleine auf die Herstellung neuer Werkstoffe gesetzt wird. Auch die Verarbeitungsmöglichkeiten klassischer Materialien wurden verbessert, wodurch sie sich in gänzlich neuen Einsatzbereichen wiederfinden.

Detailliert oder archaisch
Dass detaillierte Zuschnitte nicht nur aus Verbundstoffen gefertigt werden können, demonstrieren zum Beispiel die filigranen Waschbecken Ell, von Benedini Associati für Agape, die sowohl aus dem Mineralwerkstoff Solid Surface als auch aus Natursteinen angefertigt werden. Gemeinsames Merkmal ist eine lediglich vier Zentimeter starke Oberfläche, die sich zum Rand hin auf nur einen Zentimeter verjüngt. Die Ablaufwanne selbst wird von einem Gitter verborgen, das flächenbündig in die Ablage eingelassen ist und aus dem gleichen Material wie die Oberfläche des Beckens besteht. Das norditalienische Unternehmen Azzurra Bagni indessen veranschaulicht mit seiner Kollektion Lime 2.0, dass sich Massivholz nicht ausschließlich für Schränke, Böden und dekorative Details im Badezimmer, sondern auch für Gegenstände, die ständigem Wasserfluss ausgesetzt sind, eignet und präsentierte einen Waschtisch und ein Duschpaneel aus slowenischer Eiche.

Von reduziert bis gemütlich
Wie die Kombination aus zwei verschiedenen Materialien zu einer reduzierten Eleganz führen kann, zeigt die von Piero Lissoni für Boffi entworfene Serie Garden, die ein Becken aus abgekantetem Edelstahlblech umfasst, das in eine Steinplatte integriert wurde. Auch die neue Armaturenserie Wood von Cea setzt zwei unterschiedliche Materialitäten geschickt in Szene. Während der Auslauf aus Edelstahl besteht, wurden die Regler mit resistenten Harthölzern verkleidet, die ihnen nicht nur eine angenehm warme Haptik, sondern auch antibakterielle Vorteile verleihen. Bette indessen bietet ein interessantes Zusammenspiel aus Stahlemail und Textil, das die beiden Komponenten zu einer ungewohnten Qualität verbindet. Der ostwestfälische Hersteller hat in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Designer Dominik Tesseraux ein Konzept für eine stoffverkleidete Stahlwanne vorgestellt, das bis zur nächsten ISH zu einer erweiterten Kollektion ausgebaut werden soll.

Vielleicht ist es unser veränderter Blick auf die Natur, der sie nun in viele Lebensbereiche rückintegriert und den Aspekt der Wertarbeit mit sich bringt. Andererseits ermöglicht auch eine Veränderung der Produktionsprozesse – von der Stange zur Manufakturarbeit – einen ungezwungenen Umgang mit Materialien, der sich in den aktuellen Produkten widerspiegelt. Abseits von Innovation und Optimierung in technischen und funktionalen Aspekten, kommt im Bad ein Wille zur Stilisierung zum Vorschein, der häufig zu skulpturalen und detailverliebten Entwürfen führt. Individualisierung wird dabei zum i-Tüpfelchen der ästhetischen Behauptung, die Wohnlichkeit als Ausdruck von Persönlichkeit versteht.

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