Spuren des Machens
Ausstellung „Narratives of Making“ am Berliner Tacheles
Wie wird Material zu einer Sprache? In einem Townhouse im Stadtquartier Am Tacheles zeigt Maj van der Linden noch bis zum 19. Dezember 2026 Narratives of Making. Ihre Stammräume hat die Berliner Galerie für Collectible Design in der Veteranenstraße. In der Johannisstraße bespielt sie seit einiger Zeit einen zweiten Standort mit Sonderausstellungen. Die aktuelle versammelt Arbeiten von zwölf weiblichen Positionen zwischen Skulptur, Collectible Design und Gebrauchsobjekt.
Leuchten, Tische und Hocker
Hanna Fastrich gibt ihre Arbeit an keiner Stelle aus der Hand. Für ihre Leuchten oxidised light und die Wandleuchte conic 02 formt und glasiert sie in ihrem Londoner Studio das transluzente Porzellan selbst und schweißt auch den geschwärzten Edelstahl. Bei der Wandleuchte kommt Sapeliholz hinzu. Die stichartigen Nähte bleiben sichtbar, gedimmt wird über kleine Schalter aus Keramik. Durch die Oxidglasur fällt das Licht weich gefiltert in den Raum.
Tanja Neubert setzt ihre Beistelltische aus einzeln geformten Elementen aus spanischem Steinzeug zusammen, erst im Ofen verschmelzen sie zu einem Ganzen. Wo die Glasur beim Brand heruntergelaufen ist, lässt sie die Tropfen stehen. Dahm Lee arbeitet mit einem Material, das eigentlich schwer ist. Für ihre Serie mmm, kurz für "massive metallic mass", biegt und schichtet sie Aluminium und vernickelten Stahl zu Hockern und Objekten, die dennoch erstaunlich leicht wirken.
Studio Jumi, das Berliner Duo Julia Buntzel und Miriam Rose Gronwald, webt aus ausgedienten Fahrradschläuchen. In einem Stahlrahmen treffen die Gummistreifen auf Leinen und Baumwolle, in anderen Arbeiten lösen sich die Gewebe von der Fläche und werden zu skulpturalen Formen. Die beiden verstehen das als eine Art Archäologie der Zukunft. Sie fragen, was von unseren synthetischen Materialien bleibt, wenn ihr ursprünglicher Zweck längst vergessen ist.
Die Ausstellung zeigt außerdem Arbeiten, die stärker in Skulptur und Objektkunst verankert sind. Myriam Perrot verkettet handgeformte Porzellanringe zu Möbiusbändern, die einzeln zerbrechlich und im Verbund erstaunlich stabil sind. Karen Verlinden lässt Schamotteton wie gefüllte Kissen aussehen. Clara Schweers verarbeitet wasserstrahlgeschnittenes Glas zu symmetrischen Spiegeln, und Claire de Santa Coloma schnitzt gefundenes Holz von Hand. Saskia de Brauw verwebt Fundstücke von ihren Reisen, und Ursula Wagner programmiert Industriewebmaschinen per Binärcode. Julika Hartz hat für die Ausstellung eine Edition silberner Serviettenringe gegossen.
Was die Arbeiten verbindet, ist ihr offener Umgang mit dem Herstellungsprozess. Glasurspuren, Schweißnähte und die Unregelmäßigkeiten gebrauchter Materialien werden nicht kaschiert, sondern gehören zum Entwurf. Man sieht den Stücken an, wie viel Zeit und Handarbeit in ihnen steckt, und genau darin liegt ihr Reiz. Wer beide Standorte besuchen möchte, findet in der Veteranenstraße derzeit die Showroom-Edition After Summer, unter anderem mit Stücken von Gonzalez Haase AAS und garth.
Narratives of Making
bis 19. Dezember 2026
Maj van der Linden satellite
Townhouse 068
Johannisstraße 14
10117 Berlin
Samstags 14–18 Uhr und nach Vereinbarung
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