Projekte

Das Baukastenprinzip

Der Umbau der Unibibliothek Freiburg mit passenden Loungemöbeln

von Julia Bluth, 11.09.2017

Die Universitätsbibliothek Freiburg zählt zu den bedeutendsten Wissenschaftsbibliotheken Deutschlands. Ein Umstand, dem ihr ursprüngliches Gebäude kaum gerecht wurde. Der massive Betonbau aus den Siebzigerjahren war nicht nur städtebaulich extrem umstritten, sondern nach über dreißigjähriger Nutzung in einem maroden Zustand. Über die erfolgreiche Wiedergeburt einer Institution – und das Wagnis eines Möbelherstellers.

Der Platz der Universität im Herzen der Stadt Freiburg ist geprägt von klassizistischen Bauten, historischer Blockrandbebauung und kleinen Reihenhäusern. Das 1978 fertiggestellte und vom Universitätsbauamt geplante Bibliotheksgebäude erinnerte entfernt an ein Parkhaus und war von Beginn an ein störender Fremdkörper. Hinzu kamen Schäden am Beton, eine gesundheitsgefährdende Belastung durch Asbest und Betriebskosten von über einer Million Euro pro Jahr aufgrund der veralteten Haustechnik. Mehr als genug Gründe also für das Land Baden-Württemberg, einen Architekturwettbewerb zur Sanierung auszuloben. Gewonnen haben ihn die Architekten von Heinrich Degelo aus Basel mit einem Entwurf, der die Betonfassade durch Glas und Stahl ersetzt. Oder wie die Architekten es selbst formulieren: den Rohdiamanten in einen geschliffenen verwandelt.

Aus Alt fräs Neu
Um die Kosten des Umbaus im Rahmen zu halten, wurden die Tiefmagazine mit über drei Millionen Büchern im zweiten und dritten Untergeschoss erhalten und die ehemalige Tiefgarage im ersten Untergeschoss in ein Freihandmagazin für 700.000 Bände umgewandelt. Die Betonelemente der Fassade wurden weggeschnitten und das Gebäudevolumen um ganze 15.000 Kubikmeter verringert. Die erfolgreich umgesetzte energetische Optimierung durch Nutzung intelligenter Haustechnik, einer Photovoltaikanlage sowie die Kühlung durch Brunnenwasser führt zu einer Einsparung von bis zu sechzig Prozent. Eine beeindruckende Konsequenz, die sich auch beim Innenausbau fortsetzt.

Der Umbau

Möbel nach Maß
„Bei der Unibibliothek gab es keine klassische Unterteilung in Architektur und Innenarchitektur“, erklärt Heinrich Degelo. „Die verwendeten Materialien sollten innen wie außen in ihrer natürlichen Erscheinung eingesetzt werden.“ Die dazu passenden Loungemöbel zu finden, stellte sich jedoch als unerwartet schwierig heraus. Zum einen sollten sie ästhetisch mit dem reduzierten Interieur aus Stahl und Beton harmonieren. Zum anderen mussten sie sehr hohen Anforderungen an Modularität, Haltbarkeit und Hygiene entsprechen. Eigentlich existierte das ausgeschriebene Möbelsystem noch gar nicht auf dem Markt, wie schließlich Philip Brunner, Vertriebsleiter des badischen Objektmöbelherstellers Brunner, feststellte. Das Familienunternehmen beschloss das Risiko einzugehen, ein ganz neues Produkt zu entwickeln – und wandte sich an das Designerduo Jehs+Laub.

Ein Baukasten als Lösung
„Der besondere Reiz an dem Projekt war, sich in eine bestimmte Rolle reinzudenken, nämlich die des Architekten, der spezifische Aufgabenstellungen hat und ein Gebäude baut, in dem er verschiedene Zonen bespielen muss“, erinnert sich Markus Jehs. „Unser Ziel war es, ihm einen schönen Baukasten an die Hand zu geben, mit dem er all diese Probleme lösen kann und der leicht verständlich ist.“ Die Basis ihres modularen Möbelsystems banc bildet eine leichte und dennoch formstabile Aluminiumwange, die durch vollumpolsterte Sitz- und Rückenelemente in drei Höhen ergänzt wird. So können wahlweise raumbildende Sitzlandschaften, einzelne Arbeitsplätze oder abgeschlossene Kojen gebildet werden. Ergänzt wird das System durch praktische „Satelliten“ in Form von Beistelltischen und Sesseln. Zwei Wochen Zeit blieben am Ende für den Bau eines ersten Prototypen. Er überzeugte das Gremium der Universität auf Anhieb.

Heute sind es die zahlreichen Sitzlandschaften und Arbeitskojen der banc-Familie , die die offen gestaltete Bibliothek strukturieren und den Studierenden das Arbeiten erleichtern – an Spitzentagen sind es bis zu 14.000 Besucher. Eine Zahl, die die ursprünglichen Erwartungen weit überschreitet. Und im Grunde alles sagt.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Brunner

Brunner lebt für Möbel, die Neues möglich machen. Das im Jahr 1977 gegründete Familienunternehmen zählt zu den führenden Objektmöbelherstellern Europas. Hauptmotivation bei Brunner früher, heute und in Zukunft: Herausforderungen suchen und passende Lösungen finden, die perfekt sitzen. So entstehen Objektmöbel von hoher ästhetischer und funktionaler Qualität, produziert "Made in Germany".

Zum Showroom

Projektarchitekten

Degelo Architekten

www.degelo.net

Designer der Loungemöbel

Jehs+Laub

Mehr Projekte

Kompakt und kontemplativ

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

Wohnen mit System

Sanierung des modularen Wohnhauses von Fritz Haller

Sanierung des modularen Wohnhauses von Fritz Haller

Red Room in Valencia

Moderne Zahnklinik Impress von Raul Sanchez

Moderne Zahnklinik Impress von Raul Sanchez

Das Acht-Minuten-Büro

Concept Office von Jan-Henrik Schröter und Haus Otto in Leonberg

Concept Office von Jan-Henrik Schröter und Haus Otto in Leonberg

Mut zur Maserung

Die schönsten Interiors mit Holz

Die schönsten Interiors mit Holz

Best-of Zahnarztpraxen

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Echo der Bergwelt

Nina Mair gestaltet die kommunikativen Räume eines Innsbrucker Unternehmens

Nina Mair gestaltet die kommunikativen Räume eines Innsbrucker Unternehmens

Stilvoll konferieren

Conference Center von Just/Burgeff Architekten in Frankfurt am Main

Conference Center von Just/Burgeff Architekten in Frankfurt am Main

Sinn für Farbe

Monochrome Agenturräume von Claudia de Bruyn in Düsseldorf

Monochrome Agenturräume von Claudia de Bruyn in Düsseldorf

Die Welt als Modell

Ein Museum für Architekturmodelle in Shanghai 

Ein Museum für Architekturmodelle in Shanghai 

Das Zahnarzt-Loft

Praxis im französischen Saint-Quentin von Jordan Hoareau

Praxis im französischen Saint-Quentin von Jordan Hoareau

Arbeiten im Gartencafé

Neugestaltung eines Institutsgebäudes von brandherm + krumrey

Neugestaltung eines Institutsgebäudes von brandherm + krumrey

Haus der Steine

Monolithischer Showroom von Esrawe Studio in Mexiko

Monolithischer Showroom von Esrawe Studio in Mexiko

Soul in Seoul

Galerie König im MCM Haus von Neri & Hu

Galerie König im MCM Haus von Neri & Hu

Die perfekte Welle

Flexibler Workspace in London von Note Design Studio

Flexibler Workspace in London von Note Design Studio

Der Patient als Gast

Klinikgebäude in Eisenberg von Matteo Thun und HDR

Klinikgebäude in Eisenberg von Matteo Thun und HDR

Tetris-Interior am Kreml

Hybridwohnung von Vietzke & Borstelmann und Ulrike Brandi

Hybridwohnung von Vietzke & Borstelmann und Ulrike Brandi

Eine Kanzlei macht blau

Avantgardistisches Anwaltsbüro in Turin von SCEG

Avantgardistisches Anwaltsbüro in Turin von SCEG

Bewegliche Bürolandschaft

Campus Founders-Office von Kami Blusch in Heilbronn

Campus Founders-Office von Kami Blusch in Heilbronn

Miami in Schöneberg

Das farbige Büro des Berliner Designstudios Coordination 

Das farbige Büro des Berliner Designstudios Coordination 

Berliner Loft

Wohnliches Büro in Charlottenburg von BBPA und Patrick Batek

Wohnliches Büro in Charlottenburg von BBPA und Patrick Batek

Büro in Bewegung

Eine Arbeitslandschaft mit textilen Grenzen von Enorme Studio

Eine Arbeitslandschaft mit textilen Grenzen von Enorme Studio

Heile Welt

Kinderkrankenhaus in Thailand von Integrated Field

Kinderkrankenhaus in Thailand von Integrated Field

Das luftige Büro

Studio Aisslingers LOQI Activity Office in Berlin

Studio Aisslingers LOQI Activity Office in Berlin

Das Studio im Stall

Erweiterung des mo.office in Meerbusch

Erweiterung des mo.office in Meerbusch

Im Universum des Rudolf S.

Schulumbau am Bodensee von Lukas Imhof Architektur

Schulumbau am Bodensee von Lukas Imhof Architektur

Atmosphärische Arbeitswelten

2000-2020: Best-of Büros

2000-2020: Best-of Büros

Das Prototyp-Büro

Die neuen Räume des Bureau Borsche in München

Die neuen Räume des Bureau Borsche in München

Londoner Arbeitslaube

Minibüro von Boano Prišmontas

Minibüro von Boano Prišmontas

Kreative Raumreise

Cineastisch inspirierter Co-Working-Space von Masquespacio

Cineastisch inspirierter Co-Working-Space von Masquespacio