Projekte

Geschichte weiterschreiben

Neugestaltung des Hauses Bruno Lambart in Düsseldorf

Studio Nidus hat eine Vorliebe für Bestandsimmobilien. Eine Vorliebe dafür, selbstbewusst von der Geschichte eines Gebäudes zu erzählen und es gleichzeitig behutsam in die Zukunft zu führen. Auch bei der Sanierung des Hauses Bruno Lambart in Düsseldorf gelang dem Studio für Architektur, Design und Immobilienentwicklung ein sensibler Stil-Transfer von den Fünfzigerjahren in die heutige Zeit. Fein ausgearbeitete Details geben dabei den Ton an. Die Schalterserien LS 1912 und LS 990 von Jung komplettieren diesen Anspruch mit zeitgemäßer Funktionalität und Eleganz.

von Kathrin Spohr, 06.07.2021

Wichtiges Fundament
Bruno Lambart (1924-2014) war einer der Nachkriegsarchitekten, die ihr Werk dem Wiederaufbau öffentlicher Bauten widmeten. Sein Œuvre soll beachtliche 540 Gebäude umfassen, darunter Rathäuser, Krankenhäuser, Schulen und Verwaltungsgebäude. Im Düsseldorfer Zooviertel, das stark durch den Krieg gezeichnet wurde, befindet sich der einzige private Wohnbau, den der Architekt je entwarf. Umso spannender: Lambart realisierte das schlichte, viergeschossiges Wohnhaus 1955 für seine eigene Familie. Gleichzeitig beherbergte es sein erstes Architekturbüro, das er damals in Partnerschaft mit seinem Studienfreund Günter Behnisch führte.

Neue Einfachheit
Nach dem Tod des Architekten Lambart im Jahr 2014 übernahm das ebenfalls in Düsseldorf ansässige Nidus Studio für Architektur & Immobilien das Gebäude. Das Projekt war ein Herzensanliegen für die Nidus-Gründerinnen Ana Vollenbroich und Annelen Schmidt-Vollenbroich, denn das Haus Bruno Lambart sollte zu ihrem neuen Zuhause werden. „Wir beschäftigten uns intensiv mit Stadthäusern aus den Wiederaufbaujahren. Schnell erkannten wir, dass es sich bei diesem Haus um ein besonderes Beispiel handelt. Insbesondere in Bezug auf die Grundrisse und die Struktur war es seiner Zeit weit voraus“, sagen die beiden Planerinnen. So konnte die wegweisende Grundrissstruktur des insgesamt 550 Quadratmeter großen Gebäudes weitestgehend übernommen und mit nur wenigen Eingriffen für heutige Ansprüche fit gemacht werden. Die prägnante, dunkelgraue Klinkerfassade mit den großflächigen Verglasungen und den schmalen, über die gesamte Fassadenbreite verlaufenden Austritten, wurde erhalten. Den eigenen Gestaltungsstil beschreiben Vollenbroich und Schmidt-Vollenbroich als „neue Einfachheit“: Architektur und Innenarchitektur auf höchstem gestalterischem und handwerklichem Niveau mit Respekt gegenüber dem Bestehenden und ganz im Sinne einer möglichst großen Aneignungsoffenheit für zukünftige Nutzer*innen. So sind aus dem einstigen Einfamilienhaus nun fünf zeitgemäße Einheiten von 99 bis 168 Quadratmeter Wohnfläche und mit 3 bis 6 Zimmern entstanden, die alle über einen Garten oder einen großzügigen Balkon verfügen.


Fünfzigerjahre mit Update
Die Nidus-Gründerinnen bewohnen aktuell das zur Straßenseite nicht in Erscheinung tretende Garten- und Erdgeschoss – über eine neu eingefügte Treppe sind die Ebenen miteinander verbunden. Die einstige Garage im Untergeschoss wurde als Badezimmer in den Wohnraum integriert. Besonderen Wert legten Vollenbroich und Schmidt-Vollenbroich auf den Erhalt stilbildender Elemente von Lambarts Nachkriegsarchitektur. Der Ausbau erfolgte dementsprechend im Sinne einer Neuinterpretation der vorgefundenen Stilelemente.

Großzügige Räume
Natürliche, hochwertige Materialien prägen die Wohnräume. Raumkonzeption und Formgebung sind schlicht und funktional. Im hellen Interior ist alles auf Großzügigkeit ausgelegt. Die ursprünglich betonte Horizontale blieb erhalten. Der Eingangsbereich führt direkt zum Herzstück, einem gewendelten Treppenhaus, ganz typisch für die Fünfzigerjahre. Für Bruno Lambart war es das kommunikative Zentrum zwischen Arbeit und Privatem – heute ist es ein historisches Statement. Geblieben sind der schwarze Terrazzo der Treppen, die weißen Wände, das filigrane Geländer mit schwarzem Handlauf aus Kunststoff. Dazu passen die ebenso filigranen, unterschiedlich tief pendelnden, schwarzen Leuchten, die Nidus Studio ergänzt hat, um ausdrucksvolle Lichtpunkte zu setzen.

Wohnen im offenen Layout
Hier befindet sich auch der Zugang zu den beiden Wohnetagen der Nidus-Gründerinnen. Durch das offene Layout wirkt die Gestaltung klar und strukturiert. Zur Straßenseite liegt die große Küche mit minimalistischem Küchenblock. Der Wohnraum mit Bibliothek und Essbereich richtet sich auf der gegenüberliegenden Seite zum Garten hin aus. Der Boden ist durchgehend in Naturstein gehalten. Dazu korrespondieren die ebenfalls hellgrauen, bodenlangen Vorhänge vor den großen Fenstern. Zwischen Wohn- und Küchenzone liegt das Gästebad. Daneben führt eine Wendeltreppe in die Gartenetage.

Harmonische Innenausstattung
Auch hier geben warme, natürliche Materialien und helle Farben den Ton an: Eichenparkett mit Fußbodenheizung und weiß getünchte Wände. Maßgeschneiderte Möbeleinbauten aus aufgehellter Eiche – als geschlossene Schränke, offene Regale oder Tischelemente – schaffen über beide Etagen einen stilistischen Zusammenhang. So pur wie möglich, nicht mehr als nötig – so könnte auch das Motto für die Auswahl der wenigen Möbel lauten: Sitzgelegenheiten, Loungetische, Beleuchtung. Gemälde mit kräftigen Farbfeldern schmücken im Wohnraum die Wände – und harmonieren mit Geometrie und Kolorit des Teppichs.

Modern interpretiert
Es ist der warme, dunkelgraue Ton der Riemchenklinker-Fassade, der referenziell im neuen Interior auftaucht und damit dezent die Verbindung von Geschichte und Gegenwart weiterträgt: bei den Fenstern mit ihren bräunlich-anthrazitfarbenen Rahmen und Schiebeelementen sowie bei der dunklen Farbe der Deckenstrahler. So ist es kein Wunder, dass auch die Elektroinstallation in diesem Setting als gestalterische Komponente in den Vordergrund tritt. Die Wahl fiel auf die eleganten Schalter der Serie LS 1912 von Jung in der Ausführung Dark, ein ebenfalls warmer, dunkler Ton. Die Serie zeichnet sich durch ihre Neuinterpretation des historischen Kippschalters aus und verbindet traditionelle Handwerkskunst mit zeitgemäßer Technik. Die Schalter sind aus Aluminium gefertigt und dunkel lackiert. Stilprägendes Element ist der zylindrisch geformte Kipphebel, der die Mechanik des Schaltens neu erlebbar macht: Er ist als Taster mit Dimmer ausgestattet und verbleibt so durchgehend in einer mittleren Position. Passend zu den Lichtschaltern wurden außerdem Steckdosen und Temperaturregler in der Ausführung Dark aus dem verwandten Programm LS 990 gewählt.

Geschichte weiterschreiben
Außen und innen vereinen sich im Haus Bruno Lambart zu einem Gesamtkunstwerk. Jede Einzelheit ist wohl durchdacht, nichts ist zu viel. Diese klare gestalterische Reduktion lenkt den Fokus immer wieder auf den architektonischen Raum. Das Nidus-Team erzählt: „Wir arbeiten gern mit dem Kontext, mit dem konkreten Bestand und der lokalen Baugeschichte, aus der wir Typen, Zitate und Referenzen entnehmen. Wir versuchen, die Geschichte eines Ortes zu verstehen und diese weiterzuschreiben. Das bedeutet auch, verschüttete Qualitäten ans Tageslicht zu befördern und eine neue Perspektive darauf zu gewinnen. Hierbei geht es nicht darum, lediglich zu rekonstruieren, sondern die Brücke zu einer zeitgemäßen Formensprache zu schlagen.“ Genau das ist mit der Sanierung des Haus Bruno Lambart gelungen. Entstanden ist ein Stadthaus, das bis ins Detail selbstbewusst sein historisches Erbe trägt und dieses mit den Anforderungen der Gegenwart verbindet.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Projektinfos
Ort: Düsseldorf Zooviertel
Bauaufgabe: Sanierung
Typologie: Mehrfamilienhaus
Größe: 550 Quadratmeter
Baujahr: 1955 | 2020
Materialien: Terrazzo, Naturstein, …
Produkte: JUNG LS 1912, LS 990
Links

JUNG

Pioniergeist trifft pures Design. Seit über 100 Jahren steht JUNG für Qualität, Design und Fortschritt. Licht, Beschattung, Klima, Smart Home Systeme –die Funktionsvielfalt der JUNG Lösungen deckt alle Bereiche einer modernen Elektroinstallation ab. Weltweit in über 70 Ländern vertreten, vereinen wir präzise gefertigte, langlebige Produkte „Made in Germany“ mit einzigartigem architektonischem Design, hochwertigen Materialien und einfacher Bedienbarkeit.

Zum Showroom

Mehr Projekte

Verdoppelte Datscha

Erweiterung eines Waldhauses von mode:lina in Polen

Erweiterung eines Waldhauses von mode:lina in Polen

Kompakt und kontemplativ

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

In den Wind gebaut

Wohnhaus auf Formentera von Marià Castelló

Wohnhaus auf Formentera von Marià Castelló

Bunter Beton

Altersgerechter Umbau eines viktorianischen Wohnhauses in London

Altersgerechter Umbau eines viktorianischen Wohnhauses in London

Tropischer Phönix

Einfamilienhaus von COA  arquitectura an der mexikanischen Pazifikküste

Einfamilienhaus von COA  arquitectura an der mexikanischen Pazifikküste

Aus der Erde geformt

Wohnhaus im brasilianischen Cunha von Arquipélago

Wohnhaus im brasilianischen Cunha von Arquipélago

Multifunktionales Minihaus

Smart wohnen auf 35 Quadratmetern

Smart wohnen auf 35 Quadratmetern

Mut zur Maserung

Die schönsten Interiors mit Holz

Die schönsten Interiors mit Holz

Drunter und drüber in Paris

Miniapartment mit Plateaus und Pinie von l’atelier

Miniapartment mit Plateaus und Pinie von l’atelier

Weiß auf Weiß

Apartment von Maxim Kashin Architects in Moskau

Apartment von Maxim Kashin Architects in Moskau

Auf den Spuren Palladios

Wohnungsumbau in Barcelona von Raúl Sánchez

Wohnungsumbau in Barcelona von Raúl Sánchez

Townhouse mit Geschichte

Umbau einer ehemaligen Galerie zur Wohnung

Umbau einer ehemaligen Galerie zur Wohnung

Gemauertes Understatement

Wohnliches Backsteingewölbe in Toronto von Batay-Csorba Architects

Wohnliches Backsteingewölbe in Toronto von Batay-Csorba Architects

Schiffscontainer im Garten

Umgestaltung eines Londoner Reihenhauses von DEDRAFT

Umgestaltung eines Londoner Reihenhauses von DEDRAFT

Mehr Raum auf kleiner Fläche

Umbau eines Mikroapartments in Cascais

Umbau eines Mikroapartments in Cascais

Archipelarchitektur

Schwedisches Sommerhaus von Karimoku Case Study

Schwedisches Sommerhaus von Karimoku Case Study

Fließende Zimmer

Die schönsten textilen Raumteiler

Die schönsten textilen Raumteiler

Amsterdamer Seenomaden

Schwimmendes Stadthaus von i29

Schwimmendes Stadthaus von i29

Moderne im Busch

Eklektischer Umbau eines Fünfzigerjahre-Bungalows in Sydney

Eklektischer Umbau eines Fünfzigerjahre-Bungalows in Sydney

Drei Zimmer am Dreiländereck

Wohnungsumbau in Bratislava von Alan Prekop

Wohnungsumbau in Bratislava von Alan Prekop

Schlafen bei Schafen

Modernes Farmhaus von FMD Architects in Australien

Modernes Farmhaus von FMD Architects in Australien

Pariser Hüttenzauber

Familien-Triplex von Bertina Minel Architecture

Familien-Triplex von Bertina Minel Architecture

Die Dreifamilienvilla

Umbau eines historischen Gebäudes in Prag von No Architects

Umbau eines historischen Gebäudes in Prag von No Architects

Ahorn im Licht

Umbau eines Künstlerstudios von Atelier NEA in Paris

Umbau eines Künstlerstudios von Atelier NEA in Paris

Leiser Luxus

Umbau eines maroden Reihenhauses in Melbourne von Conrad Architects

Umbau eines maroden Reihenhauses in Melbourne von Conrad Architects

Mut zur Leere

Umbau eines Melbourner Wohnhauses von Splin­ter Soci­ety

Umbau eines Melbourner Wohnhauses von Splin­ter Soci­ety

Gerettete Ruine

Vorbildliches Restaurierungsprojekt in Lissabon von rar.studio

Vorbildliches Restaurierungsprojekt in Lissabon von rar.studio

Vielfalt ohne Fenster

Flexible Wohnung in Paris von Ubalt Architectes

Flexible Wohnung in Paris von Ubalt Architectes

Alpine Betonkassetten

Ein Einfamilienhaus von Baumschlager Eberle Architekten in Vaduz

Ein Einfamilienhaus von Baumschlager Eberle Architekten in Vaduz

Opulenter Umbau

Einfamilienhaus in Sydney von YSG Studio

Einfamilienhaus in Sydney von YSG Studio