Raw in Rio
Von Säulen geprägter Wohnungsumbau von Estudio Nama
Fünf tragende Säulen integrierten die Architektinnen von Estudio Nama geschickt in den neuen Grundriss des „Paissandu Apartments“ in Rio de Janeiro. Die rohen Betonpfeiler verwandelten sich vom vermeintlichen Störfaktor in ein prägendes Gestaltungselement.
Der Stadtteil Flamengo in Rio de Janeiro liegt direkt am Meer, hat einen eigenen Strand und eine schicke Promenade. In dieser Umgebung bauten die Architektinnen Ana Szwarc und Marcela Rezende des ortsansässigen Büros Estudio Nama eine 110 Quadratmeter große Wohnung um. Ein neuer Grundriss sollte im Paissandu Apartment für mehr Raum, mehr Licht und neue Nutzungsmöglichkeiten schaffen. „Die größte Herausforderung stellten fünf schlanke Säulen in der Mitte der Wohnung dar, die eng beieinander stehen“, sagt Ana Szwarc. Die Planerinnen befreiten sie von jeglichem Anstrich und beließen sie in rohem Beton, der zu den Deckenbalken passt. Zugleich bilden sie die Eckpfeiler des neuen Grundrisses.
Facettenreicher Beton
Die raue Oberfläche kommt besonders durch mit Bedacht gewählte Kontraste zur Geltung. In der Küche trifft unverputzter Beton auf die glatten Edelstahloberflächen der Schränke und Elektrogeräte. Diese Materialkombination setzt sich in einem der beiden Bäder fort, wo Estudio Nama ein breites Edelstahlwaschbecken integrierte. Abgemildert wird die raue Wirkung des Betons durch einen durchgehenden Technozementboden. Decken und Wände sind in den Wohn- und Schlafzimmern in neutralen Sandtönen gestrichen. Ihre leicht unregelmäßige Oberfläche verweist auf handwerkliche Qualität und schafft eine visuelle Verbindung zum Beton. Einen warmen Gegenpol setzen gezielt platzierte Holzeinbauten, etwa im Arbeits- oder Schlafzimmer, wo das Bett auf einem polierten Podest mit integrierter Stufe ruht.
Halbtransparent getrennt
Mit Schiebetüren aus Milchglas lässt sich das Arbeitszimmer von dem offenen Wohn- und Esszimmer sowie der Küche abtrennen. Der Vorteil dieser Konstruktion: Auch die Innenbereiche der Wohnung werden mit Tageslicht geflutet. Es entstehen variable Sichtachsen und flexible Nutzungsmöglichkeiten. So kann das Arbeitszimmer Teil des Wohnzimmers mit dem zu beiden Seiten nutzbaren Sofa in der Mitte werden oder ein abgeschlossener, eigener Raum. Schemenhaft zeichnen sich Schatten hinter den halbtransparenten Abtrennungen ab, die wie raumhohe Leinwände wirken.
Persönliche Details
Besonders sympathisch ist die Wohnung dank der auf die Bauherrschaft zugeschnittenen Details wie der runden Katzenluke oder dem skulpturalen Tisch, der um einen Betonpfeiler herumgeplant wurde. Er wirkt zugleich massiv und schwebend und dient sowohl als Ess- als auch als Arbeitstisch. In der Küche entstand aufgrund der Säulen und Deckenbalken eine asymmetrische Konstruktion rund um den Kühlschrank und einen Einbauschrank, die von zwei Seiten zugänglich ist. An das Schlafzimmer schließt sich ein Bad mit Ankleide an. Das Waschbecken ist in die lange Betonarbeitsplatte integriert, die als Stütze der Sideboards dient.
Wichtig war den Architektinnen, das Paissandu Apartment nicht „fertig“ zu bauen. Die Wohnung soll der Bauherrschaft die Möglichkeit geben, ihren persönlichen Stil zu entfalten und die Räume variabel zu nutzen. Die unaufdringliche Materialauswahl bietet dafür beste Voraussetzungen.
FOTOGRAFIE Fran Parente Fran Parente
| Projektname | Paissandu Apartment |
| Ort | Flamengo, Rio de Janeiro, Brasilien |
| Architektur | Estudio Nama, Rio de Janeiro, Brasilien |
| Leitende Architektinnen | Ana Szwarc, Marcela Rezende |
| Fertigstellung | 2024 |
| Fläche | 110 Quadratmeter |
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