Schwebende Strukturen
Umbau eines maroden Wohnhauses von Bardo Arquitectura in Madrid
Ein junger Spanier kaufte ein kleines, einsturzgefährdetes Gebäude im Zentrum von Madrid und beauftragte Bardo Arquitectura mit dem Umbau. Das ortsansässige Architekturbüro transformierte die marode Baustruktur in ein luftiges Refugium mit zusätzlichem Wohnraum.
Die Geschichte von Juan und seinen eigenen vier Wänden liest sich wie ein modernes Märchen: Als er das kleine Haus im Zentrum von Madrid zum ersten Mal sah, ähnelte es einer Ruine, die jeden Moment einzustürzen drohte. Doch trotz des erbärmlichen Zustands fand der Anfang-Dreißigjährige Gefallen an der Immobilie. Besonders mochte er die kompakte Wohnfläche von rund 50 Quadratmetern, die Dachschrägen und die großzügige Deckenhöhe der Räume. Und obwohl ihn fast sein gesamter Freundeskreis für verrückt erklärte, kaufte er das marode Gebäude.
Ein instabiles Bauwerk mit Potenzial
Kurz darauf postete er in einer Instagram-Story ein Foto seines neuen Besitzes und fragte seine Community: „Kennt jemand einen Architekten in der Stadt?“ Über gemeinsame Kontakte gelangte seine Nachricht schließlich zu Emiliano Domingo, den Gründer des ortsansässigen Büros Bardo Arquitectura. Domingo erkannte ebenfalls das Potenzial der Casa Cometa. Außerdem verstand er auf Anhieb die „ausgefallenen Vorstellungen“, die der Auftraggeber von seinem zukünftigen Zuhause hatte.
Strukturelle Sanierung mit räumlichem Gewinn
Bei einer gemeinsamen Besichtigung offenbarte sich allerdings die größte Herausforderung des Projekts: Bei früheren Umbauarbeiten war die ehemalige Terrasse unsachgemäß in die darunter liegende Wohnung integriert worden. Darüber hinaus hatte man ignoriert, dass die bestehende Holzkonstruktion schon damals marode war. Dadurch war nun die gesamte Dachstruktur akut einsturzgefährdet.
Also schlug das Team von Bardo Arquitectura den Bau einer Mezzanin-Ebene vor, die nicht nur das statische Problem lösen, sondern gleichzeitig auch zusätzlichen Wohnraum als Ruhe- und Rückzugsort schaffen sollte. Gemeinsam mit dem Statiker Manuel Ocaña entwickelten die Architekt*innen eine Trägerstruktur – leicht genug, um die bestehende Konstruktion nicht zu überlasten, und stark genug, um der fragilen Bausubstanz die notwendige Stabilität zu verleihen.
Das Konzept der Schwerelosigkeit
Mit dem Stahlkonstrukt erfüllte Emiliano Domingo zudem einen besonderen Wunsch seines Auftraggebers, der sich als passionierter Outdoor-Sportler und Drachenflieger eine gewisse Leichtigkeit für sein neues Zuhause wünschte. Der Architekt integrierte nur in der Mitte der neu geschaffenen Struktur eine 15 Quadratmeter große Plattform, die von zahlreichen verstreut gesetzten Stützen und Ankerpunkten in der durchgehend offenen Raumstruktur eingerahmt wird und dadurch das gesamte Konstrukt scheinbar schweben lässt.
Materialität und Atmosphäre im Gleichgewicht
Dieses Bild der Schwerelosigkeit, das an einen flatternden Drachen im Wind erinnert, inspirierte die Planer*innen auch bei der Material- und Farbauswahl: Im oberen Geschoss sorgen helle Töne wie Himmelblau und Creme für visuelle Leichtigkeit, während im Untergeschoss dunkles Blau, Holz und Terrakotta Bodenhaftung suggerieren.
Der Eindruck des Schwebens wurde zusätzlich durch den Einsatz von Elementen wie Spiegeln, Glasbausteinen und Edelstahloberflächen verstärkt, die das Tageslicht reflektieren und den Raum größer wirken lassen. Selbst die einzige abgeschlossene Zone im neuen Zuhause – das Badezimmer im Erdgeschoss – trägt geschickt zur Flächenerweiterung bei.
Wenn sich ein Kreis schließt
Für „seine ästhetische Feinfühligkeit und sein technisches Geschick, mit dem er der wohl größten Herausforderung dieses Projekts begegnet ist“ bedankte sich der Auftraggeber Juan schließlich bei dem Architekten Emiliano Domingo auch ganz offiziell an dem Ort, an dem alles begann. Dazu nutzte er dieses Mal allerdings nicht eine Instagram-Story, die nach 24 Stunden wieder automatisch verschwindet, sondern einen bleibenden Post – der jedoch so lang wurde, dass ein weiterer Post für seine komplette Danksagung notwendig war.
FOTOGRAFIE Germán Sáiz Germán Sáiz
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